Lebensgeschichte einer ZeitzeuginEin Buch gegen das Vergessen

Gabriele Grünebaum
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Windeck/Nümbrecht – Ihre Mutter hat Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt, ihr Vater Dachau und Buchenwald. Gabriele Grünebaum ist mit den entsetzlichen Geschichten über die Judenvernichtung groß geworden. Obgleich sie erst zehn Jahre nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches geboren wurde, ist sie aufgewachsen mit den Erzählungen, die meist mit „Damals im Lager . . .“ begannen.
Die Journalistin und Autorin hat nun die Lebensgeschichte ihrer Mutter als Buch herausgegeben. „Mein Leben nach Auschwitz – Erinnerungen von Rachel Grünebaum“ heißt das Buch, an dem auch Holger Banse, ehemals Vorsitzender der Oberbergischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, mitgearbeitet hat und das jetzt im Kölner Emons-Verlag erschienen ist. Banse war es auch, der, nach dem Tod von Rachel Grünebaum vor vier Jahren mit der Idee an die Tochter herantrat, aus den handschriftlichen Aufzeichnungen der Mutter ein Buch zu machen.
„Ich reagierte zunächst sehr zurückhaltend, da die Trauer über den Tod meiner Eltern noch zu präsent war“, sagt Gabriele Grünebaum heute, und in ihrer Stimme schwingt noch immer der Schmerz mit. Acht Jahre haben Fredi und Rachel Grünebaum in der Nähe ihrer Tochter in Nümbrecht gelebt.
Als ihr Mann starb, zog Rachel Grünebaum zu ihren Geschwistern nach Israel. Als sie selbst krank wurde, kam sie wieder zurück nach Nümbrecht. Dort entschlief die 86-Jährige 2010 friedlich, umgeben von ihren beiden Kindern Amos und Gabriele.Das Buch über Rachel Grünebaum schildert ein Schicksal, das den Leser einmal mehr ehrfürchtig staunen lässt über die Würde, mit der so unendlich viele Menschen das Grauen erlitten haben. In Rumänien geboren, kam Rachel als junge Frau nach Auschwitz und erlebte dort bis zur Befreiung unaussprechliche Qualen.
Nach dem Krieg lernte sie in Israel ihren Mann Alfred Grünebaum kennen, einen Kölner Juden, der von seiner Zeit im KZ Buchenwald schwer traumatisiert war. Trotzdem gingen die beiden nach Deutschland, in das Land, mit dem Rachel nichts verband als die Jahre, in denen sie dem Tode täglich ins Auge geschaut hatte. Sie tat es ihrem Mann zuliebe, der Köln nicht vergessen konnte. Hier zog sie ihre Kinder groß, immer umgeben von Menschen, mit denen sie nie wirklich befreundet sein konnte, weil sie nicht wusste, ob es die Täter von damals waren.
„Mein Leben nach Auschwitz“ ist mehr als ein Buch über den Holocaust. Es ist auch der Versuch, mit den nachfolgenden Generationen in Kontakt zu kommen. Es ist Gabriele Grünebaum wichtig klarzustellen: „Die Menschen heute haben keine Schuld an dem, was passiert ist, aber sie haben eine Verantwortung.“
Schon ihre Mutter hat zu Lebzeiten den Kontakt zu jungen Menschen gesucht, hat auf Einladung unter anderem noch 2009 in der Rosbacher Hauptschule von ihren Erlebnissen erzählt, ist mit Schülern nach Auschwitz gereist und hat dafür von den Jugendlichen viele dankbare Briefe erhalten.
Gabriele Grünebaums Schlusswort, was sie im Buch ihrer Mutter verfasst hat, lautet: „Mit diesem Buch wollen wir fortführen, was Rachel begonnen hat: Nie soll vergessen werden, was ihr und anderen Juden während des Holocausts geschehen ist.“
