Der ehemalige Hausarzt Wolf-Rüdiger Weisbach aus Herchen hat unter anderem drei Jahre lang den Neubau des Gerätehauses fotografisch begleitet.
„Erlebtes festhalten“So dokumentiert ein Windecker Hobby-Archivar 100 Jahre Feuerwehr-Geschichte im Dorf

Wolf-Rüdiger Weisbach mit einer historischen Aufnahme der Herchener Feuerwehr.
Copyright: Quentin Bröhl
Es sind gerade mal 700 Meter, die das Wohnhaus von Wolf-Rüdiger Weisbach vom Siegtaler Hof und dem dahinter liegenden neuen Feuerwehrhaus trennen. Nicht selten hat er sich in den vergangenen drei Jahren mit seiner Kamera auf den Weg nach unten ins Tal gemacht, um den Fortschritt der Bauarbeiten zu dokumentieren.
Somit konnte er alleine 15 Seiten seiner 55-seitigen Broschüre über die Feuerwehr Herchen füllen. Mit dem treffenden Untertitel „100 Jahre Einsatz – bereit für morgen“ hat der 84-Jährige aber nicht nur die Abrissarbeiten für den Neubau des Feuerwehrhauses mitten im Ortskern von Herchen begleitet. Er erzählt auch eine kurze Geschichte über den Löschzug Herchen und den Siegtaler Hof.
„Aus Spaß an der Sprache und aus Liebe zur Heimat“
„Aus Spaß an der Sprache und aus Liebe zur Heimat“, begründet Wolf-Rüdiger Weisbach seine Motivation für sein neues Werk, das seit Anfang Januar auf dem Markt ist. 42 Jahre war Weisbach als praktizierender Hausarzt in Herchen unterwegs. Es ist nicht das erste Werk, das der Doktor in seinem Unruhestand veröffentlicht hat.

Das Feuerwehrhaus in Herchen im heutigen Zustand nach der Fertigstellung.
Copyright: Quentin Bröhl
Weisbach sitzt in seinem Atelier und blickt auf die vielen Bilder, die er selbst gemalt hat. Seine erste Kamera, die er zum Abitur bekommen hat, steht mit anderen historischen Filmaufnahme-Geräten in einer Vitrine.
Wolf-Rüdiger Weisbach griff gern zu Pinsel, Feder und Kamera
Neben seiner hausärztlichen Tätigkeit griff er sehr bald zu Pinsel und Feder, begann zu zeichnen und fotografieren. Er betätigte sich schriftstellerisch und gründete das „Herchener Foto- und Dorfarchiv“. Er betreibt seit seinem Ruhestand eine kleine Galerie und einen Kleinverlag.
„Ich bastele gern Bücher und ich habe eine Technik gefunden, wie ich das selber machen kann und habe eine gute Druckerei gefunden, die mir auch kleinere Mengen druckt“, erzählt der Hobby-Archivar. 75 Stück habe er von der Broschüre über die Feuerwehr Herchen in Auftrag gegeben, die zum Preis von zwölf Euro auch käuflich zu erwerben sind.

Ausflug der Herchener Feuerwehr zum Wingenbacher Hof aus dem Jahr 1931.
Copyright: Quentin Bröhl
Er produziere solche Hefte nicht aus finanziellem Interesse, sondern auch und vor allem aus Interesse an der Geschichte, sagt der zweifache Familienvater und dreifache Großvater.
„Als mich Feuerwehrleiter Guido Henrichs zu Beginn der Abrissarbeiten für den Neubau des Feuerwehrhauses fragte, ob ich die Arbeiten im Zentrum unseres Dorfes fotografisch dokumentieren würde, sagte ich gerne zu“, schreibt Weisbach in seinem Vorwort.
84-Jähriger Herchener fühlt sich der historischen Dokumentation verpflichtet
Als Verantwortlicher für das Dorfarchiv des Bürgervereins fühlte sich der 84-Jährige der historischen Dokumentation verpflichtet und wusste auch um die vielen historischen Aufnahmen in seinem Archiv.
Der in Schlesien geborene Weisbach kam als Fünfjähriger in das kleine Dorf Herchen an der Sieg. Er kann sich noch gut erinnern, wenn die Sirene auf dem Dach der evangelischen Kirche heulte. „Dann sind wir Kinder neugierig zum kleinen Feuerwehrhaus am heutigen Klosterhof gelaufen, um zu sehen, was dort Spannendes zu erleben war“, so Weisbach weiter.
Erster Neubau im Jahr 1962
Nach der Übernahme der väterlichen Landarztpraxis im Jahr 1972 gab es für den Arzt Weisbach zahllose berufliche Berührungspunkte mit der dörflichen Feuerwehr. „In den ländlichen Regionen unseres Kreises war ein geregelter Rettungsdienst nicht etabliert. Bei Verkehrsunfällen wurde ich als Hausarzt direkt zur Unfallstelle gerufen, oft unter dramatischen Umständen“, erinnert sich Weisbach.
Der Autor erzählt auch eine kurze Geschichte der Feuerwehrhäuser in Herchen. Aus seinem privaten Archiv zeigt das erste Foto ein Schörreskarrenrennen, die regelmäßig zum 1. Mai im Rahmen der Feuerwehrfeste stattfanden. Im Hintergrund ist das erste Herchener Feuerwehrhaus zu erkennen.

Das Schörreskarrenrennen fand am 1. Mai immer im Rahmen des Feuerwehrfestes statt.
Copyright: Quentin Bröhl
Dieses Gerätehaus stand neben der katholischen Volksschule. Am 14. Januar 1962 wurde das zu eng gewordene Gebäude durch einen Neubau ersetzt. Dafür wurden die Stallungen des Siegtaler Hofs abgerissen. Danach beschäftigt sich Weisbach mit der Geschichte des Hofs.

Die Stallungen des Siegtaler Hofs (unten) und das kleine weiße Haus mit den drei Fenstern, in dem Jahrzehnte die Dorfpost untergebracht war, mussten dem neuen Feuerwehrhaus weichen.
Copyright: Quentin Bröhl
Nach den Highlights aus dem persönlichen Fotoarchiv des Autors dokumentiert Weisbach den Umbau vom Arbeitsbeginn im August 2022 bis kurz vor Fertigstellung knapp drei Jahre später.
Das Nachwort betont der 84-Jährige noch einmal, dass die Broschüre keine „Auftragsarbeit“, sondern ein Teil seiner sogenannten „Altersarbeit“ sei. „Ich habe mir vorgenommen, Erlebtes und Beobachtetes aus dem Leben in diesem Dorf, in dem ich Heimat fand, festzuhalten und aufzuschreiben. Auch mitunter kritische Gedanken zuzulassen“, schreibt Weisbach.

Das Deckblatt der Festschrift.
Copyright: Quentin Bröhl
Das Gebäude mitten im Ortskern sei sicherlich quadratisch, praktisch und gut. Aber dass die gesamte Fläche rund um das Haus vollständig mit Beton und Pflastersteinen versiegelt wurde, sein aus seiner Sicht eine fast unverzeihliche Bausünde. An einigen Stellen hätte man auf die Versiegelung verzichten können und Sträucher oder kleine Bäume pflanzen können. Weisbach hat sich sogar die Mühe gemacht, mit einer Visualisierung seine Idee in dem Buch zu integrieren.
Schlussendlich gibt es versöhnliche Worte des Autors: „Möge es für die kommenden Generationen von Feuerwehrleuten ein Ort sein, an dem Kameradschaft wächst, Verantwortung geteilt und Gemeinschaft gelegt wird.“
Nach dem aktuellen Blick auf das neue Feuerwehrhaus von oben, den Stefan Scheffels per Drohne von dem Neubau gemacht hat, gibt es aktuelles Bildmaterial des Löschzugs Herchen. Mit allen Aktiven kommt die Wehr auf derzeit 55 Personen.
Das Buch über die Feuerwehr kann man beim Autor bestellen (dr.weisbach@gmx.de) oder im Malkasten/Bücherei oder der Siegtal-Apotheke während der Öffnungszeiten zum Preis von zwölf Euro erworben werden.

