Wertvoll, aber zu teuerWindeck soll höheren Anteil an Schulsozialarbeit bezahlen und wehrt sich

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Kinder spielen gemeinsam Fußball

Fußballspielen gehört zur Schulsozialarbeit an der Gesamtschule Windeck.

Die Gemeinde Windeck soll ab diesem Jahr 92.000 Euro für Sozialarbeit an Schulen bezahlen. Jetzt wehrt sich der Gemeinderat.

Die Gemeinde Windeck soll statt 62.000 Euro ab diesem Jahr 92.000 Euro für die Sozialarbeit an ihren Schulen zuschießen. Weil das als freiwillige Ausgabe gewertet wird, muss sie an anderer Stelle einsparen. Die dringend notwendigen Stellen an den Schulen wie von Lehrern gewünscht aufzustocken und so soziale Probleme anzugehen, ist gleich gar nicht drin. Dagegen wehrt sich der Gemeinderat jetzt mit einer Resolution.

„Das darf nicht davon abhängig sein, ob wir eine arme oder eine reiche Gemeinde sind“, machte Dirk Bube von der SPD seinem Ärger Luft. „Wenn Kinder Hilfe brauchen, ist niemand da, das kann nicht sein“, regte sich auch Ulrike Kachel von der CDU auf. 1,6 Stellen für alle Windecker Schulen reichten nicht aus. Schon in den Grundschulen sei Hilfe nötig.

Steuern angehoben

„Von den Lehrern ist das nicht zu leisten“, urteilte Kachel. „Es geht um Kinder, die wichtigsten Personen“, unterstrich Jacob Esser (Linke). „Das Wichtigste, das wir haben“, ergänzte Petra Buttelmann (FDP). „Es ist nicht möglich, das Niveau zu halten, wenn wir an dieser Stelle sparen“, erklärte Annette Kaufmann von den Grünen, und ihr Kollege Thomas Ritzer fordert, die Resolution, die CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke gemeinsam formuliert haben „auf allen Ebenen weiterzugeben“.

Den Gemeinderat beschäftigt die Schulsozialarbeit seit Jahren. Um sie zu finanzieren, hat er bereits die Steuern für Baugrundstücke angehoben. Ursprünglich gab es vom Bund neben dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) Geld für diese Arbeit.

Als diese Quelle versiegte, sprang das Land mit Förderprogrammen ein. Jetzt soll die Schulsozialarbeit zwar dauerhaft aus Düsseldorf finanziert werden. Gleichzeitig melden aber mehr Kommunen in der Region Bedarf an. Für alle bleibt für weniger übrig.

Aufsichtsbehörden sehen „freiwillige Ausgabe“ der finanzschwachen Gemeinde kritisch

Schon eine geänderte Finanzierung 2021 hatte die drei Windecker Grundschulen in Dattenfeld, Herchen und Schladern eine gemeinsame Stelle für Schulsozialarbeit gekostet. Weil sie an anderer Stelle sparen konnte, verlängerte die Gemeinde den Vertrag bis Sommer 2022. Einzige Grundschule mit Schulsozialarbeit ist derzeit die Grundschule Rosbach-Obernau , wo es eine halbe Stelle für Schulsozialarbeit gibt. Die wird gerade neu besetzt.

Für insgesamt drei Schulsozialarbeiter, die an allen Windecker Schulen 1,6 Stellen besetzen, bekam die Gemeinde mit 62 000 Euro die Hälfte der Kosten als Zuschuss. 2023 soll dieser Eigenanteil auf 92 000 Euro steigen. Die Aufsichtsbehörden sähen diese „freiwillige Ausgabe“ der chronisch finanzschwachen Gemeinde Windeck besonders kritisch, bestätigte Bürgermeisterin Alexandra Gauß auf Nachfrage.

In seiner Resolution fordert der Gemeinderat nun, aktuelle Daten statt der von 2018/19 zur Berechnung der Zuschüsse heranzuziehen. Der Sozialindex des Kreises solle überprüft werden. Zudem sollten die Fälle des Jugendamtes in der jeweiligen Gemeinde berücksichtigt werden. Langfristig müsse Schulsozialarbeit Landesaufgabe sein. Sie sei nur wirksam, „wenn sie als dauerhafter Bestandteil multiprofessioneller Teams in den Schulen verstetigt wird“.

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