Die Leuscheider wollten für den Postboten eine Überraschungsparty schmeißen, doch ihn dorthin zu bekommen, war gar nicht so leicht.
„So ein lieber, hilfsbereiter Mensch“Windecker verabschieden Postboten nach 34 Jahren mit großer Party

Postbote Hartmut Weller war etwas überfordert von all den Leuscheidern, die zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand in den Landmarkt gekommen waren.
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„Ich glaube, Hartmut wurde als Briefträger geboren, so lange bringt er in Leuscheid die Post rum“, erzählte Helga Jussen, während sie mit Ute Klein den Landmarkt der Dorfgenossenschaft mit Girlanden schmückte. Erst am Vortag hatten die beiden die Idee ausgeheckt, Hartmut Weller an seinem vorletzten Arbeitstag vor dem Ruhestand mit einer Spontanparty zu überraschen. Dicht gedrängt wartete nun eine stattliche Ansammlung Leuscheider im Dorfladen geduldig auf ihren Postboten der Herzen.
Über den Dorf-Funk hatte sich die Kunde wie ein Lauffeuer verbreitet: Überraschungsparty für Hartmut, Treffpunkt Landmarkt, Fingerfood willkommen. Mit Macht schoben erste Grüppchen, mit Tabletts „bewaffnet“, herein. Rasch war der Platz knapp für Menschen, Häppchen, Schnittchen, Käsewürfel und Gebäck. Die Tische waren längst besetzt, der Laden rammelvoll, bis vor die Tür standen Wartende, nur der ahnungslose Postbote ließ sich Zeit auf seiner vorletzten Tour.
Nein, du hast nichts vor, das weiß ich von deiner Frau!
Die Ehefrau war eingeweiht, ebenso ein „Spitzel“ bei der Post in Rosbach, wo die tägliche Tour des Postboten endet. Als Helga Jussen dort vorfuhr, um ihn abzuholen, fragte er: „Was willst du denn hier?“ Die Partymacherin antwortete schlagfertig, er habe im Landmarkt ein Paket vergessen. Weller grantelte: „Nee, ich komme nicht mit, ich habe noch was vor.“ Jussen legte nach: „Nein, du hast nichts vor, das weiß ich von deiner Frau!“ Wellers Kollegen lachten im Hintergrund über die Fluchtversuche.
Mit einiger Verspätung traf der scheidende Postbote schließlich am Landmarkt in Leuscheid ein. Eine starke Eskorte setzte ihn auf einen Stuhl auf dem Paketwagen und schob ihn in den Laden, wo er von warmem Applaus eingehüllt wurde und sichtlich überfordert war, derart im Scheinwerferlicht zu stehen beziehungsweise zu sitzen.

Eine Eskorte hat auf Hartmut Wellers Ankunft gewartet.
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„Ich war total überrascht und stehe nicht gerne im Mittelpunkt“, verriet er später. „Hartmut, zwar klein von Statur, aber groß im Herzen und groß im Humor“, bedankte sich Jussen für die vielen Jahre, die er tagtäglich, auch bei Wind und Wetter, immer mit einem Lächeln Post, Pakete und Rechnungen zugestellt hat.
Unzählige Kilometer ist er im Laufe von 34 Jahren als Bote in Leuscheid unterwegs gewesen, immer mit einem offenen Ohr für die Anliegen der Menschen. Selbst die Hunde fraßen ihm aus der Hand. „Wir haben viele Hunde in der Straße, die waren wie bekloppt auf ihn, er hatte immer Leckerchen dabei“, so Jussen.
Leuscheider verabschieden Postboten nach 34 Jahren mit reichlich Geschenken
Hartmut Weller hat die Leuscheider als spendierfreudig kennengelernt. Und auch zu seinem Abschied kamen sie mit reichlich Gaben in einem großen Karton. „Wir sind sehr traurig, wenn Hartmut nicht mehr kommt, aber wir gönnen ihm auch den Ruhestand. Er ist so ein lieber, hilfsbereiter Mensch“, sagte Marianne Steinke. Als zuverlässig, freundlich, entgegenkommend und unkompliziert beschrieben ihn andere Leuscheider.
So ganz geht der Postbote den Leuscheidern allerdings nicht verloren, als Abrufkraft möchte er auch im Ruhestand einen Tag in der Woche arbeiten. „Der Abschied fällt schwer, aber immer Neues bei der Post macht keinen Spaß mehr, die Paketmengen sind zu hoch, und obwohl Briefpost weniger geworden ist, hat die Lauferei deshalb nicht abgenommen.“ Hartmut Weller freut sich darauf, mehr Zeit zu haben für seine Frau, das Haus, seine Hunde und Hobbys wie die Angelei.

