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Stoßdämpfer-WerkZF schließt nun doch in Eitorf – 690 Beschäftigte verlieren ihren Job

Lesezeit 4 Minuten
Ein Luftbild des ZF-Werkes in Eitorf mit etlichen Hallen, Gebäuden und einem Hochregallager.

Das Werk von ZF Friedrichshafen an der Bogestraße in Eitorf wird geschlossen.

Die Rettung des ZF-Werks in Eitorf ist misslungen. Der Konzern hat keinen Investor gefunden und will das Werk bis spätestens Ende 2027 schließen.

Schon lange hängt das Damoklesschwert über dem Eitorfer ZF-Werk. Nunmehr ist die Schließung gewiss. Die Suche nach einem Investor, der den Standort retten könnte, war nicht von Erfolg gekrönt. Am Dienstag wurde die Belegschaft darüber informiert. 690 Männer und Frauen verlieren ihren Arbeitsplatz an der Bogestraße.

Unternehmenssprecher Florian Tausch bestätigte auf Anfrage die Entscheidung des ZF-Konzerns zum Aus des Werks. Wann allerdings der letzte Fahrzeug-Stoßdämpfer in Eitorf gefertigt wird, steht nach Tauschs Worten noch nicht fest: „Was die Terminschiene angeht, laufen jetzt die Verhandlungen.“ Dazu gehörten Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan und eine Transfergesellschaft für die Beschäftigten. Die Rede ist von einer schrittweise Reduzierung des Standorts und dessen Schließung bis spätestens Ende 2027.

Im September 2022 hatte ZF mit Sitz in Friedrichshafen mitgeteilt, dass die Stoßdämpfer-Produktion in Eitorf Ende 2025 ausläuft. Dr. Peter Holdmann, Leiter der ZF-Division Pkw-Fahrwerktechnik, informierte damals die Beschäftigten bei einer Betriebsversammlung.

Danach folgten massive Proteste der Belegschaft und der Gewerkschaft mit Mahnwachen und lautstarken Demonstrationen. Auch die Kommunalpolitik setzte sich für die Rettung des Werks ein. Bürgermeister Rainer Viehof wetterte Anfang 2023 in seiner Haushaltsrede in Richtung Friedrichshafen: „Nur weil einige Manager es nicht schaffen, die Produktreihe richtig zu setzen und Produktionsabläufe zu optimieren, sollten nicht 690 Beschäftigte ,gefeuert' werden.“

Plan B: Untersuchung für städtebauliche Entwicklung des ZF-Areals vorbereitet

Zugleich wurde im Rathaus Plan B – Plan A war der Fortbestand des Werks – vorbereitet. Was soll mit dem 45.000 Quadratmeter großen, im Eigentum von ZF stehenden Betriebsgelände und den Bauten passieren? Der Gemeinderat beschloss, vorbereitende Untersuchungen für eine städtebauliche Entwicklung des Areals an der Bogestraße, der direkten Umgebung und seiner Verflechtung mit dem Eitorfer Zentrum einzuleiten.  

Im November 2022 keimte noch einmal Hoffnung auf: Die Konzernleitung kündigte an, Gespräche mit dem Betriebsrat zur Zukunft des Standorts wieder aufzunehmen. Die Entscheidung, Ende 2025 zu schließen, wurde für ein Jahr auf Eis gelegt. Jetzt ist sie wieder aktuell. Der Vorsitzende des Betriebsrates, Heiko Höver, wollte sich am heutigen Mittwoch noch nicht öffentlich zu der neuen Situation äußern.

Potenzieller Investor erteilte eine Absage

„Um alternative Perspektiven für den Standort zu suchen, haben ZF und die Arbeitnehmervertretung in den vergangenen Monaten gemeinsam mit einem potenziellen Investor und unterstützt von einer renommierten Unternehmensberatung intensiv an einer möglichen Zukunft für den Standort Eitorf gearbeitet“, heißt in einem Statement von ZF Friedrichhafen. „Hierbei ging es um den potenziellen Aufbau eines neuen Geschäfts ohne ZF-Beteiligung.“

Dabei habe sich die Wiederaufbereitung von Pkw-Komponenten „als möglicherweise erfolgversprechendes Geschäftsmodell“ herausgestellt, so das Unternehmen weiter. Mehrere Szenarien seien entwickelt worden, „deren Prüfung aber selbst unter optimistischen Annahmen keine wirtschaftlich tragfähige Perspektive für den Standort ergeben hat“. Dies habe dazu geführt, dass der potenzielle Investor kein Angebot abgegeben und stattdessen eine Absage erteilt habe.

Der Eitorfer Bürgermeister reagiert mit Kritik an der Unternehmensführung auf die Nachricht. „Die Entwicklung, die ZF betreibt, ist nicht schlüssig“, sagte Rainer Viehof im Gespräch mit dieser Zeitung. Das im Eitorfer Werk vorhandene Know-how, „im Musterbau die Nummer eins in Europa“, hat seiner Ansicht nach größere Beachtung und die Produktionsstätte eine bessere Ausstattung verdient. „Der Standort ist, so meine Wahrnehmung, immer klein- und runtergerechnet worden“, beklagt Viehof. In Eitorf lagere ZF Kosten ab, während etwa die Sparte Schienendämpfer für die Bahn, mit der man schwarze Zahlen schreibe, von Eitorf abgezogen worden sei. 

Enttäuscht von der weiteren De-Industrialisierung an der Oberen Sieg zeigt sich der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Bonn-Rhein-Sieg, Michael Korsmeier: „Das ist eine Katastrophe.“ Das Unternehmen werde nicht seiner Verantwortung gerecht, wenn es die Produktion ins Ausland verlagere. „Schließen kann jeder“, so Korsmeier. Primäres Ziel sei weiterhin, ZF dazu zu bewegen, Zukunftsperspektiven für den Standort Eitorf und das ebenfalls von Schließung bedrohte ZF-Werk in Gelsenkirchen zu entwickeln.

Für nächsten Mittwoch, 17. Januar, ist eine Großkundgebung der Arbeitnehmer vor dem ZF-Sitz in Friedrichshafen geplant. Auch von Eitorf aus sollen Busse in Richtung Bodensee fahren.

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