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Flexibler KunststoffSchreinermeister produziert in Pohlhausen Schutzvisiere

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5000 Visiere können schätzungsweise pro Woche hergestellt werden.

Neunkirchen-Seelscheid – Wenn alles schläft, hat Andreas Stauf die besten Ideen, skizziert dann Entwürfe für Möbel, Ladeneinrichtungen und anderes aus Holz auf dem kleinen Notizblock auf seinem Nachtschränkchen. Seine neueste Entwicklung ist allerdings nur rund 20 Zentimeter groß, aus flexiblem Kunststoff und schon am Produktionstag Nummer eins ein Renner.

Der Schreinermeister von „Andreas Stauf Design“ produziert in Pohlhausen ein transparentes Visier als Schutz. „Das ist unser Beitrag in schwierigen Corona-Zeiten“, sagt er.

Staufs Handy surrt wie ein Bienchen

Wir treffen uns am frühen Morgen, doch die Hoffnung, dass es um 8 Uhr noch ruhig zugeht, trügt. Alle 13 Mitarbeiter arbeiten schon in der Werkstatt und im Büro, Fräse und Bohrmaschine laufen, Staufs Handy surrt wie ein Bienchen, das Firmentelefon klingelt am laufenden Band, E-Mails ploppen minütlich auf.

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Die Idee entwickelte Andreas Stauf zum Schutz gegen das Coronavirus.

Am späten Abend des Vortages hat der 36-Jährige den ersten fertigen Kopfschutz auf die Facebook-Seite des Unternehmens gestellt. Der Post verbreitete sich in Windeseile.

Material kommt aus der Region

„Ich bin Podologin und möchte eine Maske bestellen“, sagt eine Anruferin. Stauf bittet die Fußpflegerin, eine E-Mail zu schreiben. Interesse haben schon Beschäftigte in Apotheken und Altenheimen bekundet und auch Mediziner.

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Auch Handarbeit ist gefragt.

Das Erfolgsrezept des Handwerkers ist die Nähe zum Kunden. Die jüngste Idee entwickelte er in einer Zahnarztpraxis in Bergisch Gladbach. Den Kontakt zum Dentisten stellte der Apotheker im selben Haus her. Stauf hatte dorthin den Vorläufer des Visiers, einen recht einfach gehaltenen Gesichtsschutz in Form eines Handspiegels, geliefert. Der Vorteil gegenüber den herkömmlichen Atemschutzmasken ist, dass er das Gesicht nicht verhüllt. Nachteil: Der Träger hat nur eine Hand frei.

Viele Modelle sind aus nicht so hochwertigem Material

Die neue Haube bietet nun Sichtkontakt und Bewegungsfreiheit, keine ganz neue Erfindung, wie Stauf einräumt. Doch komme es auf die Details an. Zum Beispiel bezieht er die zentimeterdicken Kunststoffplatten aus der Region, bewusst, um den heimischen Markt zu stärken und aus Qualitätsgründen.

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Mit Genauigkeit wird hier gearbeitet.

Die auf dem Markt erhältlichen Modelle seien aus nicht so hochwertigem Material gefertigt. Seine Visiere haben einen verstellbaren und mit zwei Edelstahlschräubchen fixierten Stirnriemen und seien daher auch für Brillenträger geeignet; ein Gummiband, das geknotet wird, hält die Enden zusammen.

Mit 24 Jahren bereits in die Selbstständigkeit gegangen

„Wir experimentieren aber schon mit Klettverschlüssen. Das ist vielleicht praktikabler“, meint der Schreiner, der sich bereits mit 24 Jahren selbstständig gemacht hat. Das Telefon klingelt, ein Kollege aus dem Nachbarort ist dran. Er hatte sich auf Messebau spezialisiert, die Aufträge sind ihm weggebrochen. „

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Wir hingegen haben zu viel zu tun“, sagt er, schätzungsweise 5000 Visiere könne seine Schreinerei pro Woche produzieren. Zuwenig für die große Nachfrage. Stauf hat eine Idee. Er will seine Aufträge verteilen: „Warum sollten die Betriebe im Umland nicht zusammenarbeiten?“