Der Baumaschinenhersteller Ammann will seine Produktion von Hennef nach Tschechien verlagern. Deshalb haben die Beschäftigten jetzt gestreikt.
Drohende ProduktionsverlagerungWarnstreik beim Hennefer Baumaschinenhersteller Ammann

Rund 50 Beschäftigte des Schweizer Baumaschinenherstellers Ammann in Hennef nahmen an dem Warnstreik teil.
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Mehr als 50 Beschäftigte der Firma Ammann haben am Mittwoch (6. Mai) vor dem Standort in Hennef gestreikt. Der Schweizer Baumaschinenhersteller will die Produktion nach Tschechien verlagern. Die Mitarbeitenden in Hennef fürchten nicht nur um ihre Stellen, sondern bangen auch auch um eine angemessene Abfindung, denn das Unternehmen, so der Vorwurf, nutze Angebote als Druckmittel.
Zu dem zweistündigen Warnstreik aufgerufen hatte die Gewerkschaft IG Metall. Dem Ortsverband Bonn-Rhein-Sieg gehört Florian Steinhauer an. Der Konzern habe angekündigt, Arbeitsplätze in Hennef zu schließen, über die Bedingungen würde der Gewerkschaftssekretär gerne verhandeln: „Die IG Metall hat ihre Forderungen ebenso gestellt wie der Betriebsrat, darauf geht Ammann aber nicht ein.“
Das Vertrauen in die Konzernspitze sei ohnehin verloren gegangen. Ende vergangenen Jahres seien bereits tschechische Mitarbeiter im Hennefer Werk angelernt worden. „Da hatte der Betriebsrat Verhandlungen gefordert, weil er schon was geahnt hatte. Der Konzern hatte beteuert, keine Arbeitsplätze verlagern zu wollen – dann hat man sich anders entschieden. Für uns sieht das aus als sei es von langer Hand geplant“, sagte Steinhauer. Die Entscheidung stehe offenbar fest, deswegen versuchten die Vertreterinnen und Vertreter der Belegschaft gar nicht erst, um den Erhalt der Stellen zu kämpfen.
Produktion in Hennef wäre betroffen
Betroffen wäre in Hennef die Produktion. Der Bau von Prototypen sowie Service und Verwaltung seien wohl nicht betroffen. „Wir wissen nicht einmal, wie viele Arbeitsplätze genau bedroht sind. Das dürfte auch schwierig werden, denn viele Mitarbeitende haben einen langen Kündigungsschutz“, schilderte Steinhauer. Seit Februar werde verhandelt: Der Konzern habe eine Summe geboten, aus der Mitarbeitende, die freiwillig kündigten, eine Einmalzahlung erhalten sollen.
„Als wir Bedingungen gestellt hatten, haben sie das Angebot zurückgezogen. Es ist eine Friss-oder-stirb-Taktik, die wir so noch nicht erlebt haben. So geht man nicht mit Menschen um, die ihren Arbeitsplatz verlieren werden“, kritisierte er. Der Konzern habe gedroht, die Finanzmittel mit jedem Monat der Verhandlungen um 100.000 Euro zu kürzen. Mit großen Überredungskünsten habe die IG Metall Ammann wieder an den Verhandlungstisch bringen können. Doch am Dienstag habe der Schweizer Konzern nach demselben Muster das Angebot zurückgezogen – daraufhin folgte der Warnstreik. „Wir glauben, dass der Wirkung erzielt, weil hier noch immer produziert wird“, sagte Steinhauer.
Sebastian Schliefer, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, unterstrich die Forderung nach einem Sozial-Tarifvertrag, der den Stellenabbau sozialverträglich regeln solle. „Wir verlangen, dass mit dem Budget nur zehn Prozent der Mitarbeitenden abgefunden werden sollen, der Rest soll in den Sozialplan fließen“, sagte er. Auch der Betriebsrat sei empört über die Vorgehensweise der Konzernspitze: „Als sie die Verhandlungen wieder aufgenommen und ihr Angebot erneuert hatten, haben wir eine schriftliche Bestätigung verlangt. Daraufhin kam gestern die zweite Absage, weil man angeblich keine Einigung sehe“, schilderte Schliefer.
Seine Stelle sei zwar nicht betroffen, dennoch sorge er sich, dass der Standort ganz geschlossen werden könnte. „Manche sind extrem traurig, haben Schlafprobleme, weil sie kurz vor der Rente stehen und fürchten, in dem Alter keine neue Stelle zu finden. Und es herrscht viel Wut, dass man uns so abspeisen will“, sagt er. Viele Kolleginnen und Kollegen würden wohl auf Arbeitssuche gehen müssen. „Die Industrie erlebt in vielen Bereichen wirtschaftliche Einbrüche, viele haben Kurzarbeit, stellen keine neuen Leute ein.“ Wie es weitergeht, könne niemand sagen. Die Redaktion hat die Schweizer Konzernleitung um eine Stellungnahme gebeten, bis zum Abend jedoch keine Antwort erhalten.
