Hennefer Biobauer Bernd SchmitzDie Rückkehr der vergessenen Pflanzen
Rhein-Sieg-Kreis – Wenn es nach Biobauer Bernd Schmitz aus Hennef ginge, könnte sich gentechnisch verändertes Soja sofort vom Acker machen. Er setzt auf heimische Hülsenfrüchte (Leguminosen) als Eiweißlieferanten. Auf etwa acht Prozent seiner Ackerfläche im Hanfbachtal wachsen Erbsen, die er mit Hafer in Mischfrucht sät sowie Kleegras. „Das reicht für die Eigenversorgung!“
Denn die heutzutage fast in Vergessenheit geratenen Leguminosen sind wahre Alleskönner. Sie binden Stickstoff im Erdreich; sie lockern den Ackerboden und bereiten ihn und für nachfolgende Pflanzen wie Weizen vor. Die geernteten Hülsenfrüchte dienen als Futter für die rund 25 Kälbchen auf dem Hof. „Die Kälber brauchen viel Eiweiß, das sie sonst über die Milch bekämen“, erläutert Schmitz. Auf den kleehaltigen Weiden grast sein Milchvieh. „Meine Kreislaufwirtschaft-Philosophie“ nennt der Biobauer sein Prinzip: „Was ich anpflanze und an Energie produziere, kann ich an Milch und Fleisch verkaufen!“
Gen-Soja in der Landwirtschaft
Und das ganz ohne gentechnisch verändertes und zumeist aus Südamerika importiertes Sojaschrot, das in der konventionellen Landwirtschaft rund 20 Prozent der Eiweißlieferanten ausmacht. Ackern ohne Gentechnik – als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL NRW e.V.) will Schmitz andere Bauern für dieses Thema sensibilisieren. Denn nicht nur Vorurteile gegenüber den Hülsenfrüchten wie Instabilität im Ertrag, sondern vor allem auch Unkenntnis haben in den letzten Jahrzehnten zu einem massiven Rückgang des Leguminosen-Anbaus geführt. „In der Ausbildung junger Landwirte spielen diese Pflanzen keine Rolle mehr“, klagt er.
Besser informieren will das Projekt „Vom Acker in den Futtertrog“. „Derzeit werden nur etwa auf einem Prozent der Ackerflächen in Nordrhein-Westfalen Leguminosen angebaut“, sagt Projektleiter Christoph Dahlmann. „Die Viehhalter haben aber einen Bedarf an 1,5 Millionen Tonnen Rohprotein.“ 1,2 Millionen Tonnen werden durch Weizen und Mais abgedeckt, der Rest durch importiertes Sojaschrot. Und das stammt zu 70 bis 98 Prozent von gentechnisch veränderten Pflanzen.
Würden die vorhandenen Ackerflächen jedoch anders bestellt und mehr Leguminosen in der Fruchtfolge angebaut, könnte der Anteil an Importsoja verringert werden. „Auch der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden würde vermindert, da Leguminosen zur Verbesserung des Bodens beitragen“, so Dahlmann. Eine vom Projekt in Auftrag gegebene Potenzialanalyse der Fachhochschule Südwestfalen zeigt auf, dass bei Anteilen zwischen fünf und 20 Prozent Leguminosen in der Fruchtfolge der Bedarf an zugekauftem Sojaschrot bis um die Hälfte sinken könnte, von derzeit 660 000 Tonnen auf 320 000 Tonnen.
Schützenhilfe für die regionalen Eiweißlieferanten kommt vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft Natur- und Verbraucherschutz. So werden in der neuen Förderperiode 2015 bis 2020 Prokjekte unterstützt, bei denen sich Landwirte zum Anbau von mindestens zehn Prozent Leguminosen verpflichten. „Es gibt bei den Verbrauchern eine hohe Affinität zu gentechnikfreien Lebensmitteln“, weiß der Parlamentarische Staatssekretär Horst Becker (Grüne).
Ein Trend, der sich auch im Lebensmitteleinzelhandel niederschlägt, sagt Dahlmann: „Große Player wie Rewe oder Edeka haben zum Beispiel Leitlinien für Futtermittel aufgestellt, die gentechnikfrei und perspektivisch regional hergestellt werden müssen!“
