TierrettungAcht Fohlen werden in Hennef aufgepäppelt
Hennef – Seit drei Wochen kümmern sich Jenny Nitschmann und Maren Jürgens um acht Shetland-Ponys, die eine Kölner Pferdeliebhaberin vor dem Schlachthof gerettet hat. „Der jüngste Hengst war nach Angaben des Tierarztes noch keine zwei Monate alt, als er hier ankam“, berichtet Nitschmann, die den Hof Richrath in Rott gemeinsam mit ihrem Freund in den vergangenen vier Jahren zu einem pferdewirtschaftlichen Betrieb umgewandelt hat. Die 26-Jährige ist Tierarzthelferin und hat gut zwölf Jahre bei einer Pferdewirtschaftsmeisterin gelernt.
Als die Kölnerin von den acht kleinen „Shetties“ erzählte, war Nitschmann sofort dabei. Ihre Geschichte hat sie berührt. Ein Zwischenhändler habe die Ponys von einem Transporter mit insgesamt 500 Tieren herunter verkauft. Freimütig habe er erzählt, dass er regelmäßig nach Italien zur Tierverwertung fahre. Eine Tierliebhaberin erwarb eine Gruppe von 50 Ponys. Acht davon gingen an die Kölnerin, die ungenannt bleiben will.
Acht Monate bei der Mutter
Nitschmann und Jürgens, Konrektorin der Hauptschule in Eitorf, haben sich der „Neuen“ angenommen. „Das ist eine Intensivkur“, sagt die Hofbetreiberin. In der Regel bleiben die „Babys“ bis zu acht Monate bei ihrer Mutter. Die in Rott Aufgenommenen sind aber viel jünger. Nur vier haben einen Chip, zwei einen Equiden-Pass, der eigentlich seit 2010 Pflicht ist. Keines der Tiere ist wohl älter als sechs Monate.
Deshalb rühren die beiden Frauen regelmäßig Ersatzmilch an, die sie in Schüsseln und Eimern den Fohlen anbieten. Die trinken mit großer Freude. Vor drei Wochen noch waren sie scheu, keilten aus, wenn sich Menschen näherten. Das verspielte Verhalten, das Shetland-Ponys auszeichnet, zeigten sie nicht. Außerdem waren einige krank, darum leben sie in Quarantäne. Glücklicherweise hat Nitschmann einen eigenen kleinen Stall, der jetzt Heimat der Acht ist.
Der Tierarzt kommt alle zwei Tage, die Kosten allein dafür summieren sich. Ein Junghengst hat eine Fehlstellung der Hinterläufe. Die Behandlung wird sich auf 2000 bis 3000 Euro summieren, schätzt Nitschmann. Dabei kommt der Tierarzt aus Swisttal seiner früheren Mitarbeiterin mit den Preisen noch entgegen.
Zufriedener in der Gruppe
Sie warnt eindringlich davor, aus Mitleid für kleines Geld ein Pony aufzunehmen. „Viele können die Folgekosten nicht abschätzen, von Futter über das Stroh bis zu den Kosten des Veterinärmediziners“, erklärt sie. Shetland-Ponys leben zudem zufriedener in der Gruppe, auf einer Weide und nicht im Garten eines Wohnhauses.
Die kleine Herde in Rott darf sich auf ein behütetes Babyjahr freuen. Ist die Ansteckungsgefahr gebannt, werden sie langsam an die Luft geführt, damit sie ihren Bewegungsdrang ausleben können. Im Frühjahr kommen sie auf die Wiese. Bis zum Alter von drei Jahren werden sie an Menschenkontakt gewöhnt, Nitschmann kann sich vorstellen, dass Kinder aus der Nachbarschaft sich um sie kümmern können. Das würde sich auch die Besitzerin wünschen. Erst dann werden sie geritten.
