Verrückte Tauschaktion für den guten ZweckWie zwei Hennefer ein paar Bonbons gegen einen Grill tauschten
Hennef – Es lief so ähnlich wie beim sagenhaften „Hans im Glück“, nur umgekehrt. Valentin Kaymer und Bünyamin Sarikaya fingen mit wenig an und hielten am Ende einen „Schatz“ in den Händen, den sie dem Kinderschutzbund vermachen. Dem „Rhein-Sieg-Anzeiger“ erzählen sie die irre Geschichte ihrer Tauschaktion.
„Das war mehr so eine spontane Idee“, sagt Valentin. „Eine Schnapsidee“, so Bünyamin. Am Sonntag besuchten die beiden Freunde in Hennef die Deutsche Grillmeisterschaft. Mehr als das Eintrittsgeld hatten sie nicht mitgenommen. An Werbeständen griffen die 16-Jährigen drei Bonbons, Kugelschreiber und ein paar Sticker ab. Damit war das Grundkapital für ihre Idee einer Hochtauschaktion beschafft. „Komm, wir setzen uns ein Ziel!“, schlug Valentin seinem Kumpel vor. Und was lag auf einer Grillmeisterschaft nahe? Natürlich ein Grill.
Mit jugendlichem Charme
Für die Bonbons bekamen die Jungs ein Prospektheft. „Das hätte schon etwas gekostet.“ Zum Durchbruch verhalf jedoch erst eine Frau, die Grillbücher feilbot. „Die fand unsere Idee gut.“ Dass sie für Prospekt und Werbematerial ein 20 Euro teures Buch hergab, mag indes auch am „Süßheitsbonus“ gelegen haben, wie Valentin es ausdrückt. Soll heißen: Der Blonde und der Dunkelhaarige setzten fröhlich lächelnd ihren ganzen jugendlichen Charme ein.
Der dritte Tauschpartner war schnell gefunden, „aber der hatte das Buch schon“. Stattdessen wollte er ein Keramikgrillbuch. Bünyamin und Valentin marschierten zurück zu der netten Dame, die bereit war, das zuvor überlassene Buch gegen das Gewünschte umzutauschen. Von dem Besteller bekamen die Freunde wiederum ein Buch sowie einen großen Sack Grillkohle. Dafür rückte der Nächste zwei Flaschen Wodka und zwei Energydrink-Dosen heraus.
Jetzt kam der Tauschhandel so richtig auf Touren. „Alkoholisches ging gut weg, das war die beste Währung“, berichtet Bünyamin. Nun konnten die beiden auch mit Teilen ihres Tauschschatzes weitermachen, das Geschäft verzweigte sich quasi. „Für eine Flasche Wodka haben wir Kohlebriketts bekommen“, die, aufgestockt um einen Energydrink, bessere Kohlebriketts einbrachte. Wie es danach genau weiterging, lässt sich kaum mehr rekonstruieren.
„Wir hatten doch auch noch die Snackbox“ „und eine Grillschürze“, versuchen sie sich zu erinnern. „Hatten wir vorher nicht auch Gläser?“ Ein Riesenpacken Streichhölzer, ein Flasche Hugo, eine Fünf-Liter-Dose Bier, Ananas, Pfirsiche, Limetten und Zwiebeln wechselten ebenso die Besitzer. Tannenzapfen waren zudem dabei – „ein echt guter Deal“ – und nicht zu vergessen: ein Schweinerücken.
Transportprobleme
Mit der Zeit wuchs das Transportproblem. „Wir konnten nicht mehr alles tragen.“ Die Jugendlichen mussten die Tauschgüter sogar zwischenlagern, ehe sich schließlich ein Grillfan überreden ließ, ihnen einen hochwertigen Holzkohlegrill zu geben. Nach gut einer Stunde hatten die beiden ihr Ziel erreicht. Als sie den Grill über das Gelände schoben, kam ihnen der Stand des Kinderschutzbundes in den Sinn, an dem Mütter Kuchen verkauften. „Können wir die unterstützen?“ Aktionen für den guten Zweck und soziales Engagement sind den beiden Waldorfschülern nicht fremd. Mutig begaben sie sich zur Bühne und sprachen die Veranstalter an.
Der Rest ist schnell erzählt: Der Grill wurde versteigert. 125 Euro war das Höchstgebot. Der neue Besitzer gab sogar 130 Euro, über die sich der Kinderschutzbund freuen kann. „Das hat total Spaß gemacht“, resümiert Valentin, und Bünyamin kann sich gut eine weitere Tauschaktion vorstellen – und ein höheres Ziel: „Ein Kleinwagen, das würde man schaffen.“
