Umweltschutz schlägt NaturschutzLohmarer Ahornbaum darf für Solarstrom gefällt werden

Nur auf dem Carportdach sind Solarpaneele erlaubt, dafür dürfte der Ahorn fallen.
Copyright: Cordula Orphal
Lohmar – Der große Ahorn gegenüber den Honrather Kirche ist schön und gesund, wirft aber einen langen Schatten – ungünstig für eine Photovoltaikanlage. Deshalb darf er gefällt werden, das entschied jetzt mehrheitlich der Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz. Umweltschutz schlägt Naturschutz, ein Dilemma, dessen Ursache im Denkmalschutz steckt.
Denn die drei Eigentümer der Hofanlage würden den Solarstrom am liebsten auf der ausladenden Dachfläche erzeugen, erklärt der Künstler Georg Leiste, der dort seit mehr als 20 Jahren mit seiner Familie wohnt und ein Atelier für Proben nutzt. Doch auf der ehemaligen Gaststätte mit Saalanbau aus dem Jahr 1894 erlaubt der Denkmalschutz keine Paneele.
Ahorn an der Kirche in Lohmar-Honrath darf für Solarstrom fallen
Nächste Idee: Solarmodule auf dem Carport, der auf dem Privatgrundstück steht und drei Autos Platz bietet. Direkt davor aber steht besagter Ahorn auf städtischem Grund und streckt seine Äste aus. Er sei „ortsbildprägend“, befand die Stadtverwaltung. Das sehen die Nachbarn ähnlich, meint Leiste: „Wir würden den Baum lieber stehen lassen.“
Einfach so dürfe das Grün ohnehin nicht entfernt werden. Die Eigentümer müssten zwei neue Bäume pflanzen und pflegen lassen – ebenfalls auf städtischem Grund und mit einem Stammumfang von mindestens 20 bis 25 Zentimetern. Kostenpunkt: 2000 Euro pro Baum. Für die sachgemäße Fällung würden laut einem Kostenvoranschlag der Stadt rund 1600 Euro fällig.

Der Ahorn ist ortsbildprägend für Honrath. Georg Leiste möchte ihn nicht fällen lassen.
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Mit dieser Zahlung von insgesamt 5600 Euro aber würde die Anlage zur Erzeugung erneuerbarer Energien, deren Preis durch die starke Nachfrage stetig steige, erst recht unwirtschaftlich, meint Leiste; zudem nach der langen Corona-Flaute, in der ihm als freischaffendem Komödianten oft das Lachen verging. Auch seine Frau, ebenfalls Bühnenkünstlerin, und die anderen im Veranstaltungssektor tätigen Freunde traf die Pandemie.
Mit dem Solarstrom würden sie gern unabhängiger werden von den stark steigenden Energiepreisen – und perspektivisch die Verbrennerautos gegen umweltfreundlichere E-Fahrzeuge wechseln, berichtete der kürzlich von der Bürgerstiftung ausgezeichnete Clown. Er wundert sich nur über die Haltung der Behörden.
Die Solar-Paneele würden den Denkmalcharakter angeblich stark beeinträchtigen, die vom Brandschutz vorgeschriebene Feuertreppe an der Hausseite nah der Kirche hingegen nicht. Und auch eine zweite Treppe im Innenhof, gewendelt und aus Metall, sowie der Windfang erhielten das offizielle Okay. Die Begründung: „Die Bauten wirkten nicht wie zum Haus gehörig.“
Angesichts der Komplikationen wollen die Eigentümer nun erstmal abwarten. Vielleicht ändern sich die Vorzeichen schneller als erwartet. Nach Baden-Württemberg und Bayern hat die schwarz-grüne Regierung in Nordrhein-Westfalen angekündigt, die strengen Vorschriften des Denkmalschutzes in puncto Ökostrom lockern zu wollen.
Abgeschafft würden die Einschränkungen sicherlich nicht, sagt der Erste Beigeordneter der Stadt, Bernhard Esch, zuständig fürs Bauwesen, auf Anfrage der Redaktion. Eventuell wären Module auf einer Seite des Gebäudes möglich, so Esch, das müsse von der Unteren Denkmalbehörde geprüft werden.
Ein Hoffnungsschimmer für die Eigentümer. Und vielleicht die Rettung für den Baum.
