Bürgermeisterin im Interview„Ein Ärztehaus in Lohmar wäre ein großer Fortschritt“

Claudia Wieja, Bürgermeisterin von Lohmar, sucht Wege gegen den Ärztemangel.
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Lohmar – In Lohmar besteht ein Ärztemangel. Hausärzte sowie Fachärzte sind rar. Eine Statistik verzerrt das Bild, weil Arztsitze in der Kreisstadt Siegburg für Lohmar mitzählen. Die Politik will nun tätig werden. Wie die Bürgermeisterin Claudia Wieja das angehen möchte, hat Redakteurin Cordula Orphal sie im Interview gefragt.
Sie sind jetzt seit einem Jahr im Amt. Wann schlug das Thema Ärztemangel bei Ihnen auf?
Claudia Wieja: Damit waren schon meine beiden Vorgänger befasst, es gab in der Vergangenheit schon Gespräche, angestoßen von der Seniorenvertretung. Mit unserem städtischen Wirtschaftsförderer habe ich mit den ortsansässigen Ärzten über ein Medizinisches Versorgungszentrum gesprochen, das aber nicht gewünscht wurde. Bei einem solchen Modell sind die Ärzte nicht mehr selbstständig, sondern angestellt.
Gibt es andere Lösungen?
Ein Ärztehaus im Zentrum wäre ein großer Fortschritt, ein privater Investor zeigt Interesse, Baubeginn könnte Anfang kommenden Jahres sein. Das Projekt ist aber noch nicht in trockenen Tüchern.
Ein Hausarzt würde einziehen, der bereits jetzt seine Praxis in Lohmar hat und über 60 ist. Dieser Arztsitz könnte künftig geteilt werden und dann vermutlich mehr Patienten versorgen. Interesse hat auch ein Augenarzt aus Siegburg gezeigt, der in Lohmar eine Dependance gründen würde.
Reicht das?
Nein. Wir brauchen eine bessere Planung. Ich werde jetzt schauen, welche Ärzte sind da, wie alt sind sie, damit wir rechtzeitig eingreifen und beraten können. Leider hat zwischenzeitlich ein älterer Hausarzt in Lohmar seine Praxis geschlossen, die Räume wurden anderweitig vermietet. Ein möglicher Nachfolger hat kurzfristig trotz unserer Hilfe bei uns nichts Passendes gefunden und ist abgesprungen.


