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Initiative zum Erhalt des Naafbachtals
Statt Abriss – Fischerhof in Lohmar erwacht zu neuem Leben

Ein Mann mit Anorak und Mütze steht an einer lehmverputzten Wand, an der an einer Stelle das Strohgeflecht sichtbar ist.

Gerd Melchior zeigt das neue Strohgeflecht einer Innenwand des Fischerhofs.

Der alte Fischerhof über dem Naafbachtal soll endlich fertig saniert werden. Dafür gab es jetzt Fördergelder vom Land NRW.

Für Franz-Josef Lersch-Mense von der NRW-Stiftung steht fest: „Wir machen keine halben Sachen.“ Damit die Bürgerinitiative zum Erhalt des Naafbachtales den Fischerhof über dem Naafbachtal in diesem Jahr fertig sanieren kann, hat Lersch-Mense 50.000 Euro ins Bergische gebracht.

Seit 2016 hat die Stiftung den Fischerhof mit 292.400 Euro gefördert. Die Bürgerinitiative habe weitere 65.000 Euro und Eigenarbeit im Wert von 30.000 Euro in das Projekt gesteckt, berichteten deren Vorsitzender Gerd Melchior und sein Stellvertreter Frank Miebach.

Die Pläne für eine Naafbachtalsperre liegen schon lange auf Eis

Die Bürgerinitiative wehrt sich seit den 70er Jahren gegen Pläne, das Naafbachtal zu fluten. Ursprünglich, so Melchior, sei es um die Versorgung Kölns gegangen. Inzwischen habe sich allerdings herausgestellt, dass der Wasserbedarf gar nicht so hoch sei wie einst angenommen. Gegen die Naafbachtalsperre habe auch gesprochen, dass sie mit Pumpen aus der Agger hätte gefüllt werden müssen, weil der Naafbach und seine Zuläufe nicht genug Wasser liefern könnten.

Drei Männer stehen im Schnee vor einem Fachwerkhaus, rechts und links neben der hölzernen Eingangstür. Zwei halten ein bedrucktes Blatt Papier in die Höhe.

Die NRW-Stiftung fördert die Sanierung des Fischerhofs mit weiteren 50.000 Euro. Den Bescheid nahmen Frank Miebach (l.) und Gerd Melchior von Franz-Josef Lersch-Mense (rechts) entgegen.

Während die Talsperrenpläne seit langem auf Eis liegen, hatte der Aggerverband seinerzeit bereits im Vorfeld viele Flächen und Gebäude im Einzugsgebiet gekauft. Der Fischerhof sollte abgerissen werden. Nachdem eine große Scheune gleich neben dem Haus, um 1800 gebaut, schon den Baggern zum Opfer gefallen war, hätten sich Mitglieder seines Vereins schützend vor das Gebäude gestellt, berichtet Melchior. Vor sieben Jahren fasste die Bürgerinitiative den Entschluss, das alte Bauernhaus zur Anlaufstelle für Naturfreunde und Wanderer sowie lokale Vereine umzubauen.

Der Aggerverband hat den Hof inzwischen für einen symbolischen Betrag verpachtet. Auch eine alte Obstwiese gehört dazu. „Der Pachtvertrag endet automatisch, falls die Talsperre doch noch gebaut werden sollte“, berichtet Frank Miebach. Damit rechne aber derzeit niemand mehr, schiebt er nach.

Handwerksfirmen arbeiten zum Teil unentgeltlich an der Sanierung des Fischerhofs

Mitglieder des Vereins und Handwerksfirmen, die zum Teil unentgeltlich im Einsatz sind, haben in den vergangenen Jahren den Dachstuhl des alten Hauses erneuert. Balken wurden geprüft und verstärkt, neue Fenster ebenso eingebaut wie eine Heizung. Der Außenanstrich ist nahezu fertig. Am Hintereingang wurde eine alte Eichentür eingebaut, die auch Platz für Rollstühle bietet. Vorn blieb die alte Haustür samt Vordach erhalten. „Die alten Dielen waren in den meisten Räumen nicht mehr zu retten, weil es lange reingeregnet hat“, erzählt Miebach.

Im gesamten Haus wurden neue Elektrische Leitungen eingezogen. „Da werden Bakelit-Schalter installiert“, kündigt Melchior an und erinnert an die schwarzen Schalter und Steckdosen, die in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Standard waren. Bis zum Herbst will die Bürgerinitiative die restlichen Wände mit Lehmputz verkleiden. Im Erdgeschoss soll eine Ausstellung Besucher locken. Die Bodenfliesen liegen bereits.

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