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Kreis fordert NachweiseLohmarerin gibt Geflügel-Auffangstation nach 22 Jahren auf

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Enten picken Futter auf einem Hof.

22 Jahre lang kümmerte sich die Lohmarerin Manu Gardeweg ehrenamtlich um Pfauen, Enten und Gänse. (Archivfoto)

Nach einem Bericht über den Konflikt um ihren Herdenschutzhund forderte der Kreis von einer Lohmarerin diverse Nachweise für ihre Geflügel-Auffangstation. Nun wirft sie die Brocken hin.

22 Jahre lang hat sich Manu Gardeweg ehrenamtlich um Pfauen und Enten gekümmert, um Gänse und seit Kurzem auch um Moorschnucken. In ihrer Geflügelauffangstation in Jexmühle versorgte sie die Tiere, die bei ihr abgegeben wurden, auf ihrem privaten Grundstück und auf eigene Kosten. Nun ist Schluss. Die Vorsitzende des Vereins „Lohmar hilft“ wirft die Brocken hin, erdrückt von der Bürokratie.

Angefangen hatten die Probleme mit Beschwerden aus der Nachbarschaft beim Ordnungsamt über Gardewegs Herdenschutzhund. Der durfte nachts nicht mehr aus dem Haus, um die Füchse zu verjagen. Obwohl das Grundstück jenseits der Bahnstrecke im Wald liegt, habe das Bellen einen der Nachbarn gestört, so Gardeweg. Das reichte für eine Bußgeldandrohung der Stadt.

Nach Berichterstattung sollte Lohmarerin Nachweise einreichen

Unsere Redaktion berichtete über den Konflikt – mit Folgen. Das Kreisveterinäramt schickte der Ehrenamtlerin eine Aufforderung, Sachkundenachweise in Theorie und Praxis vorzulegen. Das müsse für jede einzelne Tierart erfolgen, die mehrtägigen, kostenpflichtigen Schulungen endeten mit einer Prüfung. Ohne diese könne eine tierschutzrechtliche Erlaubnis nicht erteilt werden.

Manu Gardeweg, Kreistagsmitglied der Lohmarer Grünen, steht in einem Garten.

Manu Gardeweg sitzt für die Lohmarer Grünen im Kreistag. (Archivbild)

Nötig sei auch ein amtliches Führungszeugnis. Gegebenenfalls seien Praktika erforderlich. Dass Gardeweg – übrigens Kreistagsmitglied für die Lohmarer Grünen – den Schutzhof seit 22 Jahren betreibe, befreie sie nicht von den Auflagen, teilte auf Nachfrage der Redaktion die Pressestelle des Kreises mit. „Ausnahmegenehmigungen sieht das Tierschutzgesetz in diesen Fällen nicht vor.“

Die 54-Jährige wundert sich über das Schreiben, ihre Arbeit sei doch seit langem bekannt. Der Kreis widerspricht: Das Veterinäramt habe erst durch den Zeitungsbericht „Amt verbietet dem Hund das Hüten“ von der Auffangstation erfahren.

Lohmarerin lehnt Anfragen ab und verweist auf Auffangstation in Hattingen

Manu Gardeweg hat nun den Betrieb auf private Hobbyhaltung umgestellt. Vermutlich werde der Fuchs die Zahl der Vögel dezimieren, den Schafen könnte nur der Wolf gefährlich werden, der zwar noch nicht in Jexmühle gesichtet wurde, aber in anderen Teilen Lohmars schon Spuren hinterließ.

Sie werde nun alle Anfragen ablehnen müssen und verweist auf die nächste Geflügel-Auffangstation: Die ist in Hattingen, knapp 100 Kilometer entfernt.

Auf die Frage, ob es dem Tierschutz dient, solch privates Engagement zu erschweren, verweist das Kreisveterinäramt auf höhere Instanzen: „Die Vorgaben macht der Gesetzgeber.“