Unter dem Namen „Zwei Fründinne“ sind Luisa Klüser und Celina Sysk als Büttenrednerinnen unterwegs. Doch im Karneval hat es der Nachwuchs nicht leicht.
„Man muss dem Nachwuchs eine Bühne geben“Zwei junge Lohmarerinnen mischen Karnevalssitzungen auf

Es gibt zu wenige Chancen für junge Frauen im Karneval, finden „Die Zwei Fründinne“, Celina Sysk (22) und Luisa Klüser (21).
Copyright: Lilian von Storch
Der Karneval wird immer mehr zur großen Party, während Traditionen wie Büttenreden und das Krätzchensingen an Bedeutung verlieren; das beklagen vor allem ältere Karnevalisten. Haben jüngere Leute kein Interesse daran, diese Bräuche weiterzuführen? Für Celina Sysk (22) und Luisa Klüser (21), die seit 2018 als „Die Zwei Fründinne“ auf Karnevalssitzungen auftreten, liegt das Problem woanders.
„Zwei Fründinne“ reden in Lohmarer Mundart über Skurriles aus dem Alltag
Das Sprungbrett für die in Lohmar aufgewachsenen Freundinnen war ein Mundart-Kurs von Erwin Rußkowski, der es sich mit der Gründung des Vereins „Sach hüür ens“ zur Aufgabe gemacht hatte, den karnevalistischen Nachwuchs zu fördern. Hier lernten sich Celina Sysk und Luisa Klüser vor etwa zehn Jahren kennen. Ruskowski brachte ihnen die Lohmarer Mundart, die Kunst des Witzeschreibens und der Bühnenpräsenz bei. Kurse wie diese gibt es jedoch selten, auch Rußkowski löste seine Mundartgruppe auf.

„Die Zwei Fründinne“ haben sich in einem Mundart-Seminar von Erwin Rußkowski kennengelernt.
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„Früher haben wir typische Schulwitze gemacht, jetzt geht es bei uns um die Uni, Beziehungen und so weiter“, sagt Luisa Klüser, „unsere Reden wachsen also quasi mit uns.“ Dabei müssen beide ihren Humor etwas anpassen, denn sie treten in der Regel vor einem Publikum auf, das weitaus älter ist als sie - so beispielsweise im Lohmarer Seniorenheim.
„Wir versuchen, die Leute in Alltagssituationen mitzunehmen, die viele nachvollziehen können“, sagt Celina Sysk. „Zum Beispiel das Thema Dating ist für die älteren Leute interessant: Wie ist das in der Enkelgeneration, wie war das bei mir?“ Beide beobachten ihre Eltern und Großeltern im Alltag, notieren sich skurile Situationen und tragen so das gesamte Jahr über ihre Witze zusammen. So auch, als sie gerade im Seniorenheim auf ihren Auftritt warten und ihnen ein Abstellraum voller Rollatoren ins Auge fällt: „Da überlegt man direkt, wie sieht das aus, wenn alle später ihre Rollatoren herausholen und Chaos ausbricht? Da könnte man was draus machen“, sagt Celina Sysk.

Wenn sie nicht auf der Bühne steht, macht Celina Sysk eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau.
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Die Witze notieren die beiden Freundinnen dann jeweils in einem Google-Dokument, an dem sie gleichzeitig arbeiten können. Ihre Sammlung umfasst mittlerweile 14 Seiten, nach Themen und alphabetisch sortiert. Wöchentlich telelefonieren beide oder treffen sich, überlegen, wie sie die gesammelten Erlebnisse in einen Dialog packen können.
Das Büttenreden habe ihnen auch viel Nützliches für das Leben außerhalb des Karnevals mitgegeben. Beispielsweise habe sie gerade erst bei einem Bewerbungsgespräch gemerkt, „wie ungemein das hilft, wenn man weiß, wie man präsentiert, wie man Gestik und Mimik einsetzen kann“, erzählt Luisa Klüser.

Noch vor Rosenmontag wird Luisa Klüser (21) für ein Auslandssemester nach Südkorea fliegen.
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„Die meisten Büttenredner stehen ja allein auf der Bühne – so ein Duo wie uns gibt es schon selten, und zwei Frauen meiner Meinung nach so gut wie gar nicht im Rheinland“, sagt Celina Sysk. „Wenn du allein bist, kannst du viel einfacher improvisieren.“ Klüser nickt: „Mein Text ist ja von ihrem Text abhängig. Wenn ich meinen Text nicht kann oder etwas spontan ändere, bringt das auch sie raus.“ Andererseits mache ihnen gerade das besonders viel Spaß: sich auch mal sponan ins Wort fallen zu können und zu zweit eine komplexere Dynamik auf die Bühne zu bringen.
Zu wenig Nachwuchsförderung: Warum Karnevalstraditionen aussterben könnten
Ihnen werde oft gesagt, dass es für Frauen schwer werde, auch mal Auftritte auf größeren Bühnen zu bekommen. „Das ist auf jeden Fall schade. Vielleicht gibt es viel mehr Büttenrednerinnen, die aber einfach nicht die Chance haben“, sagt Luisa Klüser. Viele Sitzungen nähmen erfahrungsgemäß jedes Jahr die gleichen - meistens männlichen - Redner ins Programm auf.
„Man muss dem Nachwuchs eine Bühne geben, sonst stirbt das einfach aus“, warnt Luisa Klüser. Celina Sysk nickt: „Viele bekannte Redner kritiseren das, aber das wird momentan noch nicht wirklich ernstgenommen.“ Schon jetzt sei auf den Sitzungen spürbar, dass die Leute immer weniger bei den Büttenreden zuhörten, auch das könne den Nachwuchs abschrecken. „Es ist halt diese fehlende Wertschätzung“, sagt Celina Sysk. Das beobachtet auch Erwin Rußkowski: „Wenn nur noch Bands auf der Bühne auftreten und die Reden in den Hintergrund geraten, dann ist das nicht mehr der Karneval, wie er ursprünglich mal gemeint war.“
Zu zeigen, warum es nicht stimmt, dass die Jugend faul ist und nicht mehr arbeiten möchte, das wäre uns wichtig.
Celina Sysk und Luisa Klüsner sprechen in ihrem Programm vor allem über leichte Themen: „Sobald wir uns positionieren, egal ob politisch oder nicht, kann das bedeuten, dass eine Person uns nicht bucht“, sagt Celina Sysk. An politische Themen tasteten sie sich daher bisher nur vorsichtig heran. Gern würden sie mal mit Klischees über die Generation Z aufräumen: „Zu zeigen, warum es nicht stimmt, dass die Jugend faul ist und nicht mehr arbeiten möchte, das wäre uns wichtig“, sagt Luisa Klüser.
Celina Sysk macht eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau, Luisa Klüser studiert dual Handelsmanagement und wird noch vor dem Rosenmontag in ihr Auslandssemester nach Südkorea fliegen. Neben Studium, Ausbildung und Zukunftsplänen möchten sie das Büttenreden auf keinen Fall aus den Augen verlieren. Das Zeitmanagement sei oft anstrengend: Gags schreiben, auf Vorstellabende gehen, Auftritte organisieren, Beiträge für Soziale Medien vorbereiten. „Aber wenn die Leute dann lachen oder jemand nach einem Auftritt auf uns zukommt und uns ermutigt, war es das Wert“, sagt Celina Sysk. „Wir wollen einfach weitermachen und besser werden, um auch mal in einem größeren Umkreis aufzutreten.“
„Die Zwei Fründinne“ Celina Sysk und Luisa Klüser sind per E-Mail an erreichbar. Außerdem sind sie auf Instagram und auf ihrer eigenen Webseite zu finden.

