Ein Jahr nach der FlutDiese Forderungen stellen Feuerwehren im Rhein-Sieg-Kreis

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Auf einem Campingplatz in Lohmar waren 22 Menschen vom Wasser bedroht, die Feuerwehr versorgte sie.

Rhein-Sieg-Kreis – „Die schlimmste Naturkatastrophe im Rhein-Sieg-Kreis“, nennt Landrat Sebastian Schuster die Flut in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021. Bis zu 2000 Rettungskräfte waren im Einsatz, ganze Wohnviertel wurden unbewohnbar, neun Menschen starben. „Jetzt gilt es, den Hochwasserschutz weiter voran zu treiben, um auf derartige Unwetter besser vorbereitet zu sein.“ Derzeit wird in Abstimmung mit den Kommunen ein Starkregen-Risikomanagement entwickelt, außerdem ist eine kreisweite Starkregen-Gefahrenkarte in Planung.

Die Feuerwehren im Land haben, durchaus forciert von Kreisbrandmeister Dirk Engstenberg, die Hochwasserlage analysiert und Anregungen entwickelt. So fordern sie einen Landes-Katastrophenschutzbedarfsplan. Zudem halten sie eine Einsatzleitung auf Landesebene für unabdingbar. Aus dem fehlenden Informationsfluss in jener Nacht ziehen sie den Schluss, dass die verschiedenen Leitstellen besser vernetzt werden müssen, um ein umfassendes, landesweites Lagebild zu ermöglichen.

Rhein-Sieg-Kreis: Feuerwehren und Technischem Hilfswerk fehlen watfähige Fahrzeuge

Weil der Einsatz sämtlicher Bereitschaften bei weitem nicht ausreichte, regen sie weitere Einheiten und die Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Benelux-Staaten an. Bei der Warntechnik wollen sie alle etablierten Medien nutzen, von Social Media bis zu Anzeigetafeln in den Innenstädten und gezielten Hinweisen per „Cell Broadcast“ auf mobile Endgeräte.

Sirenen sollten ausschließlich die Bevölkerung warnen und auch Lautsprecherdurchsagen liefern können. Einige Kommunen im Kreis haben das inzwischen umgesetzt. Es fehlten so genannte watfähige Fahrzeuge, daran arbeiten die Feuerwehren.

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Auch beim Technischen Hilfswerk ist das ein Thema: „Wir haben festgestellt, dass wir mit unseren nicht watfähigen Fahrzeugen nicht weit kommen“, sagte der Siegburger Ortsbeauftragte Oliver Schieferstein. Der Aufbau von Bereitstellungsräumen müsse optimiert werden, im Bundeshaushalt werde das THW aber gut berücksichtigt.

Mehr als 30 neue Helfer sind seither dazu gekommen. „Das Engagement geht ganz klar auf diese Ereignisse zurück.“ In den Erinnerungen an den 14. Juli kommt der Gedanke an Hilflosigkeit auf. „Du schickst deine Leute in den Einsatz und weißt nicht, was sie erwartet. Das kann unfassbares Leid sein. Wir werden achtsamer, reden miteinander und sensibilisieren uns.“

Einer der ersten Helfer an der Ahr hadert mit den öffentlichen Stellen

Wolfgang Behner war einer der ersten Helfer in Dernau an der Ahr, hat unzählige Pumpen und Hochdruckreiniger repariert. Er ist einer der Tunnelhelden, die Weinbergschlepper fit gemacht haben, und die jetzt einen Traktor restaurieren, um Spenden zu generieren. „Die Straßen sind sauber, die Schuttberge weggeräumt. Aber in der zweiten und dritten Reihe muss noch viel passieren.“

Er hadert mit den öffentlichen Stellen, die zu wenig pragmatisch agieren und die von der Katastrophe Betroffenen nach seiner Ansicht nicht ausreichend unterstützen. Behner kritisiert, dass das Baustoffzelt abgebaut wird. „Das sind doch auch Kommunikationszentren für die Menschen.“ 20 Jahre ist er als Tourist ins Ahrtal gefahren: „Da habe ich die Schönheit genossen, jetzt muss ich was zurückgeben.“ Mindestens zwei bis drei Jahre wird das wohl noch dauern.

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