Redaktionsleiterin Sandra Ebert und die stellvertretende Redaktionsleiterin Anica Tischler zu Frauen im Journalismus.
WeltfrauentagMachen Frauen anders Zeitung? Ja!

Führen die Rhein-Sieg-Redaktion: Redaktionsleiterin Sandra Ebert (r.) und Stellvertreterin Anica Tischler.
Copyright: Laura Hofschlag
Einer Kollegin passierte vor einigen Jahren folgendes: Sie war mit der Sekretärin gerade allein in der Redaktion, als ein Leser hineinkam, sich umsah, sagte: „Oh, keiner da“ – und wieder ging. Das, so unterstellen wir einmal, würde heute so wohl nicht mehr passieren. Frauen sind im Job längst angekommen, in Führungspositionen dagegen noch lange nicht. Verlagsleitungen, Chefredaktionen, Ressort- und Redaktionsleitungen sind immer noch mehrheitlich in männlicher Hand.
Sind das Frauenthemen? Aus unserer Sicht nicht: Es sind gesellschaftliche Themen
Die Gleichstellungsinitiative Pro Quote Medien hat im Juli 2023 die Besetzung von Führungspositionen in deutschen Redaktionen untersucht. In der deutschen Zeitungslandschaft - von Bild, Spiegel, über Die Zeit bis hin zur Südddeutschen Zeitung - waren 39,3 Prozent der Redaktionsleitungen weiblich besetzt, 0,4 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Edith Heitkämper, die Vorsitzende von Pro Quote Medien sagte dazu: „Wenn wir in dem Tempo weitermachen, dauert es noch Jahrzehnte, bis Frauen in den Führungsetagen deutscher Medien angemessen repräsentiert sind.“
Umso stolzer sind wir, seit knapp einem Jahr als weibliches Führungsteam die Rhein-Sieg-Redaktion zu leiten - das einzige in einer Außenredaktion von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau.
Machen Frauen anders Zeitung? Klares: ja! Natürlich reagieren wir auf aktuelle Entwicklungen, wollen informieren und meinungsstark sein, genau wie unsere männlichen Kollegen. Dennoch haben wir einen anderen Blick auf Themen, die wir auch bewusst setzen. Gewalt gegen Frauen, Stärkung von Jugendlichen, um in gleichberechtigten Strukturen selbstverständlich agieren zu können, die Position von Frauen in Job und Alltag. Sind das Frauenthemen? Aus unserer Sicht nicht: Es sind gesellschaftliche Themen, die wir in den Fokus rücken.
Sprache ist unser Job, als Journalistinnen sowieso, aber wir achten beim Redigieren sehr auf Sprache, die gleichberechtigt ist. Mehr als unsere männlichen Kollegen, weil wir finden: Hier beginnt bereits die Awareness. In einer Bildunterschrift zu einem Foto, auf dem fünf Frauen und ein Mann zu sehen sind, hätte dort vor ein paar Jahren lediglich gestanden: „Die Mitarbeiter der Firma XY“ – falsch, respektlos und unrichtig.
Führen wir unser Team anders? Ja! Aber das hat wahrscheinlich weniger damit zu tun, dass wir Frauen sind. Sondern einfach mit uns als Persönlichkeiten.

