Ein 29 Jahre alter Mann muss sich vor dem Bonner Landgericht auch wegen Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung verantworten.
Landgericht BonnNotorischer Dieb war im ganzen Rhein-Sieg-Kreis aktiv

Wegen Diebstahl und Raub in 67 Fällen muss sich derzeit ein 29 Jahre alter Mann vor dem Bonner Landgericht verantworten.
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Die Strategie der Verteidigung sorgte für deutlich sichtbares Stirnrunzeln bei Richter Frederik Glasner: Vor der Großen Strafkammer 7a am Bonner Landgericht unter Glasners Vorsitz muss sich derzeit ein 29-Jähriger verantworten, weil er in sage und schreibe 67 Fällen gestohlen beziehungsweise geraubt haben soll.
Meistens ging es dabei um Lebensmittel, Alkoholika, Zigaretten oder Kleidung; der junge Mann muss sich aber auch wegen Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung verantworten. Die Taten ereigneten sich überwiegend im östlichen Rhein-Sieg-Kreis, Schwerpunkt waren die Orte Hennef, Eitorf und Lohmar, aber auch in Troisdorf, Siegburg und einmal in Bonn soll der mutmaßliche Dieb aktiv gewesen sein.
Einstündige Anklageverlesung
Nach der rund einstündigen Anklageverlesung verkündete der Anwalt des Mannes dann, dass sein Mandant viele Taten zugebe, zu einigen aber komplett schweigen werde. Da es sich bei Letzteren wohl um die gravierenderen Vorwürfe handelt, bezeichnete Glasner das Schweigen des Angeklagten als „mehr als erstaunlich“.
Er möge bedenken, dass er – für den Fall, dass dem Angeklagten diese Taten ebenfalls nachgewiesen werden könnten – den mit Abstand wichtigsten Strafzumessungsgrund eines Geständnisses verschenken würde. Man werde versuchen alle Taten akribisch aufzuklären.
Richter: Geständnis nicht verschenken
Zuvor hatte der Anwalt des jungen Angeklagten ebenfalls akribisch jene 43 Straftaten aufgezählt, für die sein Mandant die Verantwortung übernimmt: meist geht es dabei um Diebstähle – der Wert der gestohlenen Dinge beträgt in vielen Fällen nur wenige Euro. Von einer Dose Thunfisch oder einer Packung Rindersteaks über eine Flasche Jägermeister bis zu Zigaretten reicht die Bandbreite.
Unter den Anklagepunkten, zu denen der Angeklagte schweigt, war hingegen ein Diebstahl am 12. September 2022 in einem Tankstellenshop in Lohmar: Hier wird dem 29-Jährigen vorgeworfen, dass er über die Theke gegriffen und 42 Zehn-Euro-Scheine aus der Schublade der Kasse gestohlen haben soll. Der Pächter der Tankstelle konnte als erster Zeuge des Tages allerdings nicht allzuviel zur Aufklärung beitragen. Er habe seinerzeit nur die Anzeige erstattet, so der 66-Jährige im Zeugenstand. Vor Ort gewesen sei er nicht. Offenbar ist der Täter auf den Aufnahmen einer Überwachungskamera nicht eindeutig zu identifizieren.
1000 Euro Sachschaden angerichtet
Auch zu zwei weiteren Taten in Königswinter schwieg der Angeklagte: Hier wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor am 8. Mai 2023 in einem Supermarkt in Niederdollendorf zunächst versucht zu haben, die verschlossene Eingangstür mit einem Einkaufswagen gewaltsam zu öffnen. Nachdem das fehlgeschlagen war, soll der Täter seine Strategie gewechselt und mit Steinen die Glastür der angrenzenden Bäckerei eingeworfen haben. Der Sachschaden von rund 1.000 Euro überstieg den der Beute – einer Kiste Becks-Bier – mehr als deutlich.
Auch zu dem schwersten ihm vorgeworfenen Delikt schweigt der Angeklagte: In dem Fall aus dem September 2023 soll er in Bonn ein Schuhgeschäft betreten haben, um Schuhe und Socken für sich zu entwenden. Dabei soll er ein aufklappbares Messer mit einer Klingenlänge von neun Zentimetern bei sich geführt haben.
Der Diebstahl fiel auf, aber der Zeuge ließ sich auch von dem Messer nicht einschüchtern. Daraufhin soll der Angeklagte Socken und Schuhe wieder ausgezogen und unbeschuht von dannen gegangen sein. Das Gericht will nun bis Mitte des Monats ein Urteil verkünden. Sollten zur Aufklärung der nicht eingeräumten Taten allerdings weitere Zeugen geladen werden müssen, könnte es auch länger dauern.

