Der Meteorologe Dr. Karsten Brandt schaut auf das Karnevalswetter der nächsten Tage und blickt zurück auf die Wetterkapriolen der vergangenen Jahrzehnte.
Mix aus Schneeschauern und RegenSo wird das Karnevalswetter in Rhein-Sieg

Die Wetteraussichten für den Straßenkarneval in der Region sind nicht gut: Regen, Wind und kalte Temperaturen sind angesagt.
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Ein Blick auf die Wetter-App kann die Stimmung für den Straßenkarneval und die Züpge in der Region durchaus trüben. Doch wie sieht die Prognose für die tollen Tage im Rhein-Sieg-Kreis denn genau aus - wierd es wirklich nur nass und kalt? Der Meteorologe Dr. Karsten Brandt hat das Karnvelaswetter in der Region unter die Lupe genommen
An Weiberfastnacht ist es mild, aber unbeständig
Zum Start in den Straßenkarneval erwartet die Jecken zunächst mildes, aber unbeständiges Wetter. Am Donnerstag ziehen viele Wolken auf, dazu bringt ein überquerendes Tiefdruckgebiet etwas Regen. Wer an Weiberfastnacht unterwegs ist, sollte also wetterfeste Kleidung einplanen – warme Kostüme sind ratsam.
Ab Freitag sinken die Temperaturen deutlich: Bei etwa sieben Grad sind einzelne Schauer und etwas Wind möglich. Ein kleiner Hinweis für die Kostümträger: Leichte Kopfbedeckungen wie Toupets könnten bei stärkerem Wind schnell davonfliegen.
Am Sonntag wird es sonnig, aber frostig
Am Samstag droht ein Mix aus Schneeschauern und Schneeregen, die Temperaturen bewegen sich nur noch knapp über dem Gefrierpunkt. Besonders höheren Lagen, etwa im Siebengebirge, können auch leicht angezuckert werden. Wer an diesem Tag an Karnevalsumzügen teilnimmt, sollte sich auf winterliche Verhältnisse einstellen.
Der Sonntag zeigt sich nach aktuellem Stand von seiner sonnigen Seite, bleibt aber frostig: Temperaturen um den Gefrierpunkt sorgen für klare, kalte Winterbedingungen.
Für Rosenmontag bleibt die Prognose unsicher: Es ist alles möglich, von Schnee über Schneeregen bis hin zu Regen. Wahrscheinlich startet der Tag mit Schneefall, der im Verlauf in Schneeregen übergeht und die Temperaturen von null auf etwa sechs Grad steigen lässt.
Kalte Rosenmontage waren vor allem früher keine Seltenheit
Seit den 1950er-Jahren hat sich das Rosenmontagswetter in Troisdorf, Siegburg und Umgebung deutlich verändert. Während die Durchschnittstemperaturen damals bei 2 bis 3 Grad lagen, liegen sie heute meist über 5 Grad. Ein klarer Hinweis auf den langfristigen Temperaturanstieg – auch wenn es für luftige Kostüme auch heute noch nicht in jedem Jahr reicht!
Die ersten offiziellen Rosenmontagszüge nach dem Zweiten Weltkrieg fanden in der Region am 6. Februar 1950 statt – ein ungewöhnlich früher Termin. Dennoch war das Wetter damals auf der Seite der Jecken: Angenehm mild mit bis zu 10 Grad und sieben Stunden Sonnenschein.
Kalte Rosenmontage waren vor allem früher keine Seltenheit. 1956 sank das Thermometer in den frühen Morgenstunden auf etwa -16 Grad, bei einer Schneedecke von 11 cm. Rekordhalter ist der 18. Februar 1985 mit knapp -20 Grad am Morgen und -16 Grad am Flughafen in der Wahner Heide. Tagsüber stieg das Thermometer immerhin auf -1 Grad bei acht Stunden Sonnenschein – eiskalt, aber trotzdem ein sonniger Karnevalshöhepunkt. Auch 1986 sanken die Temperaturen unter Minus zen Grad.
An Rosenmontag 1979 türmten sich die Schneeberge
Schnee ist an Rosenmontagen zwar selten, tritt aber immer wieder auf: 1969 etwa fielen nicht nur bunte Konfetti- sondern auch weiße Schneeflocken auf die Närrinnen und Narren. Zehn Jahre später, an Rosenmontag 1979, türmten sich in den Straßen noch Schneeberge der vorangegangenen Tage. Und auch in den Jahren 2010, 2013 und 2018 gab es leichten bis mäßigen Schneefall. 1986 kam es sogar zu Eisregen.

Rosenmontagszug in Siegburg 1953: Ein Jahr davor, 1952, war es ganz besonders nass.
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Apropos Regen: Ab und zu landen am Rosenmontag die Kamelle auch schon mal in tiefen Pfützen. Besonders nass waren die Rosenmontage in den Jahren 1952, 1962 und 1987 mit Tagesregenmengen zwischen 14 und 15 Liter pro Quadratmeter. Eigentlich ist Regen aber selten – nur in jedem dritten Jahr wird es nach der Statistik nass.
Erst am Dienstag beruhigt sich das Wetter wieder
Auf der anderen Seite gab es auch immer wieder sehr milde Temperaturen: 1961 steht im Ranking der bislang mildesten Rosenmontage nach dem Zweiten Weltkrieg ganz oben: Überraschend früh, am 28. Februar, wurde am Rhein eine Höchsttemperatur von knapp 15 Grad erreicht. 1989 und 1990 gab es in zwei aufeinanderfolgenden Jahren Werte weit über 10 Grad am Rosenmontag. In jüngerer Zeit ist der Trend noch deutlicher: 2022 und 2023 wurden 13–14 Grad gemessen. Im vergangenen Jahr brauchte es bei 14,3 Grad ebenfalls kein dickes Bärenfell um warm zu bleiben. Späte Rosenmontagstermine, Ende Februar oder Anfang März, begünstigen solche milden Tage oft zusätzlich durch mehr Sonnenschein.

Rosenmontagszug in Siegburg 1961: Es war das Jahr mit dem mildesten Wetter an Karneval.
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Neben Temperatur und Schnee kann auch Sturm die Karnevalsumzüge beeinträchtigen. Ein Beispiel ist 2011, als Sturmböen Probleme mit Bühnen und Wagen verursachten.
Wie das Wetter in diesem Jahr ausfallen wird, bleibt spannend – vielleicht wird ja erstmals die 15-Grad-Marke geknackt!
Am Dienstag jedenfalls beruhigt sich das Wetter etwas, es wird milder mit vier bis sechs Grad und vereinzelten Schauern.


