Im 523 Hektar großen Waldgebiet wird an 91 Punkten eine dauerhafte Vermarktung durchgeführt.
VVSForstwissenschaftler machen Stichprobeninventur im Siebengebirge

Die Vermessung am Oelberg führen (v.l.) Jan-Hendrik Hofmann und mit Lukas Koch durch. Thomas Deckert (rechts) und der VVS Siebebgebirge ist der Auftraggeber.
Copyright: Ralf Klodt
Lukas Koch und Jan-Hendrik Hofmann arbeitet im Wald im Siebengebirge Hand in Hand. Als Inhaber ihres Wald- und Umweltplanungsbüro Ent-Thing sind sie im winterlichen Wildnisgebiet am Oelberg mit speziellen Outdoor-Laptop, diversen Messgeräten, Umfangmessbändern, Kluppen und Fluchtstäben unterwegs.
Messungen an 91 Punkten im Siebengebirge
Die Forstwissenschaftler arbeiten im Auftrag des Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS) an einer umfangreichen ökologischen Inventur. „Es handelt sich um eine permanente Stichprobeninventur zur Erfassung von Waldstruktur und Vegetation“, beschreibt Thomas Deckert, stellvertretender Vorsitzender im VVS, das Projekt.
Diese Stichprobeninventur basiert auf einem regelmäßigen Raster von 91 dauerhaft vermarkten Stichprobenpunkten in dem 523 Hektar großen Wildnisgebiet des VVS. Es erstreckt sich vom Nonnenstromberg über den großen Oelberg, vom Drachenfels durch das Rhöndorfer Tal bis kurz vor Rommersdorf.
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Rund alle 250 mal 250 Meter sind die Zielpunkte verteilt. Die beiden Forstwissenschaftler arbeiten seit Anfang Januar bis in den Februar hinein alle 91 Stichprobenpunkte ab. Die Gehölzverjüngung wird auf einer kleineren Stichprobenfläche von 25 Quadratmetern innerhalb des Probekreises erfasst.
„Wir schaffen so bis zu vier Punkte am Tag“, sagt Jan-Hendrik Hofmann, bevor er sich vom Zielpunkt entfernt und mit dem Kollegen in einem Durchmesser von 12,62 Metern mit der Erfassung beginnt. Mit einer speziellen Software wird der stehende und liegende, lebende und tote Waldbestand nach Baumarten aufgenommen.

Die erfassten Bäume werden nummeriert und der Umfang wird in 1,30 Höhe gemessen.
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Die Stichprobenpunkte werden zudem mit einem 30 Zentimeter langen Stahl-Vermarkungsrohr im Erdboden verankert und somit dauerhaft markiert. Zu jedem Punkt wird ein Messprotokoll angefertigt.
Nach einer beschränkten Ausschreibung haben die Forstwissenschaftler vom VVS den Auftrag erhalten. „Die permanente Stichprobeninventur dient der Erkundung von Aufbau und Entwicklung der natürlichen und naturnahen Lebensgemeinschaften im Rahmen unseres Gebietsmonitorings des Wildnidgebietes“, erläutert Deckert.
Die Möglichkeiten der Erkenntnisse dieser Inventur sind vielschichtig und können sich durchaus auf die kommenden zehn Jahre beziehen. Zunächst sollen mithilfe geeigneter Parameter die horizontale und vertikale Waldstruktur beschrieben und die Deckungsgrade der einzelnen Vegetationsschichten bestimmt werden. „Wir müssen diese Inventur jetzt machen. Wenn die Bäume Blätter tragen, wäre eine wissenschaftliche Erfassung nicht möglich“, ergänzt der stellvertretende Vorsitzende.

Das versenkte Stahlrohr als Ausgangspunkt der Messung wird markiert.
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Ziel dieser erstmals durchgeführten Inventur ist es, den Zustand der Vegetation, insbesondere der Wälder im Windnisgebiet, zu beschreiben sowie Aussagen zu deren Naturnähe beziehungsweise Naturferne und Biodiversität zu machen. Auch ihre Entwicklung haben die Verantwortlichen durch Wiederholungsaufnahmen in einem zehnjährigen Turnus im Blick.
Aber auch die Kleinstrukturen, die sogenannten Mikrohabitate, am lebenden und toten Gehölzobjekten wie Höhlen, Moosdecken, Rindenspalten oder Kosolenpilze werden lagengenau identifiziert und protokolliert. Sie seien wertvolle Indikatoren beziehungsweise der Treibstoff für die Biodiversität von Wäldern.
Hier ruht die Motorsäge seit etwas 15 Jahren. „Solche Inventuren hätte man besser früher schon gemacht, aber es ist auch eine Frage des Geldes“, so Deckert. „Wir sind ein privatwirtschaftlicher Verein, aber man bekomme ja auch Ausgleichzahlungen des Landes NRW, die man jetzt in ein solches Forschungsvorhaben reinvestieren würde.“ Die Kosten beliefen sich auf rund 27.000 Euro.
Die Waldstrukturaufnahme erfolgt nach einem geringfügig modifizierten Verfahren der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt und des Landesbetriebes Wald und Holz für das Monitoring in Naturwaldreservaten. Es wird mittlerweile in mehreren Großschutzgebieten wie den Nationalparken Eifel, Kellerwald-Edersee, Harz und Hunsrück-Hochwald sowie den Biosphärenreservaten Rhön und Karstlandschaft Südharz eingesetzt.
Es erlaube somit eine kohärente, wissenschaftliche Vernetzung und Vergleichbarkeit mit diesen Großschutzgebieten, insbesondere mit der biogeografischen Verbundachse Eifel-Siebengebirge-Kellerwald, erläuterte Deckert: „Die Ergebnisse der Waldstrukturaufnahmen und der Vegetationskartierungen werden uns in die Lage versetzen, wissenschaftlich fundierte Aussagen über das natürliche Veränderungs- und Anpassungspotenzial eines Naturwaldes zu treffen und durch Wiederholungsaufnahmen zu untermauern.“

