Nachfolge von RealEdeka und Aldi ziehen im Huma Sankt Augustin ein

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Der bisherige Real-Getränkemarkt im Huma wird sehr wahrscheinlich von Aldi gemietet. 

Sankt Augustin – Die Nachfolger des Real-Marktes im Huma stehen wohl fest: Ein Edeka-Markt wird voraussichtlich die Fläche mieten, die jetzt der Haupteingang zu Real im Huma-Einkaufszentrum ist. Der Real-Getränkemarkt, einige Meter weiter hinten, wird Platz für eine Aldi-Filiale bieten. Damit wird der Leerstand im Gebäude, der derzeit rund 15 Prozent beträgt, nicht weiter steigen.

Rolltreppe wird abgerissen

Den größten Teil der Fläche eine Etage darüber soll vom Sportausrüster Decathlon genutzt werden. Daher wird die Rolltreppe, die bisher mitten in der Ladenfläche von Real beide Etagen verbindet, abgerissen.

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Statt Real könnte hier bald eine Edeka-Filiale öffnen.  

Diese Arbeiten werden, so teilt Real mit, auf mehr als drei Monate veranschlagt. Das hat zur Folge, dass die 120 Mitarbeitenden von Real arbeitslos werden, da sie nicht – wie bei einem Betriebsübergang – von den beiden neuen Einzelhändlern übernommen werden müssen. Das stößt bei der SPD auf deutliche Kritik. „Wir stehen an der Seite der Beschäftigten von Real und fordern alle beteiligten Akteure auf, die Arbeitsplätze am Standort Sankt Augustin zu sichern.

SPD erinnert Huma-Eigentümer und Real an Verantwortung für Arbeitnehmer

Dass nun – durch den notwendigen Umbau – die arbeitsrechtliche Regelung des Betriebsübergangs nicht greife, sei „ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“. An dieser Stelle hätten Real und der Eigentümer des Huma, Jost Hurler, eine gemeinsame Verantwortung zur Sicherung der Arbeitsplätze, teilt der SPD-Landtagskandidat und Vorsitzender der Kreistagsfraktion, Denis Waldästl, mit.

Leerstand im Huma „kein Problem“

Fluktuationsreserve in Einkaufszentren wichtig

„Ein aktueller Leerstand von 15 Prozent der Ladenflächen in einem Einkaufszentrum wie bei Huma in Sankt Augustin sind erst einmal kein Problem“, sagt Theo Kötter, Professor für Städtebau und Bodenordnung an der Universität Bonn. Oft sei es von Vorteil, wenn nicht alle Flächen vermietet seien. Einkaufszentren bräuchten eine Fluktuationsreserve, um durch Neuvermietungen auf neue Trends im Handel eingehen zu können. Dadurch wären sie flexibler. „Ein Einkaufszentrum lebt davon, dass es ein breites Angebot für seine Kunden hat.“ (vr)

Aktualität lockt Kunden an

Dazu gehöre die Aktualität, die immer wieder Menschen locke. „Wenn die Mietverträge stimmen, und vielleicht eine Anpassungsklausel enthalten ist, dann ist der Leerstand gut zu verkraften.“ Ältere Objekte, die hohe Nebenkosten hätten, bekämen schneller Probleme als moderne Gebäude, die auf dem neuesten Energiestandard seien. Da der Huma in Sankt Augustin grundlegend neu gebaut worden sei, sei dort auch moderne Technik vorhanden. (vr)

Länger leerstehende Flächen sind problematisch

Problematisch werde es jedoch, wenn der Leerstand strukturelle Gründe hätte. „Flächen, die sich über eine lange Zeit nicht belegen lassen, führen dazu, dass die anderen Ladeninhaber Gespräche über ihre Mietzahlungen mit den Eigentümern führen wollen.“ Im schlimmsten Falle könnten sie in ein anderes Einkaufszentrum wechseln, das deutlich billigere Flächen anbiete. Dann steige der Leerstand in dem betreffenden Einkaufscenter weiter. Deswegen kämen immer weniger Kunden, und eine Spirale nach unten setze sich in Gang. 

Die Umbauarbeiten und deren Dauer lägen in der Verantwortung der Hurler-Gruppe. Diese müsse sicherstellen, dass die Voraussetzungen für einen Betriebsübergang gegeben seien und die Arbeitsplätze der Beschäftigten gesichert würden. Alles andere sei ein Aushebeln des Beschäftigungsschutzes. Das habe man beiden Firmen schriftlich mitgeteilt.

Bau-Experten teilen Auffassung der SPD

Kenner aus der Baubranche bestätigen diese Auffassung. „Der Abbau der Rolltreppen mit dem Schließen der Decke und das Einbauen von neuen Brandschutzwänden sind eine Sache von wenigen Wochen und nicht von Monaten“, sagt ein Architekt auf Nachfrage der Redaktion. Das könne schnell erledigt werden.

Die Wirtschaftsfördergesellschaft (WFG) der Stadt ist ebenfalls aktiv geworden, nachdem die Entlassungen bekannt wurden. Sie hat in einem Brief an die SCP Group mit Sitz in Luxemburg gebeten, die Arbeitsplätze zu sichern. Diese Holding gehört dem russischen Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow.

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Er hatte die kriselnde Supermarktkette im Jahr 2020 von der Metro-Gruppe gekauft. Im Anschluss daran wurde die Schließung der Filiale in Sankt Augustin und anderer Standorte in Deutschland beschlossen. Auch Huma-Betreiber Jost Hurler bekam einen Brief der WFG mit der Bitte um Sicherung der Arbeitsplätze. „Wir können die Arbeitsplätze aber nicht retten“, teilten die beiden WFG-Geschäftsführer Edgar Bastian und Rainer Gleß gemeinsam mit. Dazu habe die WFG keine Möglichkeiten.

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