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„Wortbruch“UGG stoppt Glasfaserausbau in Ruppichteroth und Teilen Sankt Augustins

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Ein Bündel Glasfasern

Der Anschluss ans schnelle Internet verzögert sich vielerorts. So hat das Unternehmen UGG in Teilen des Rhein-Sieg-Kreises den Glasfaserausbau gestoppt.(Symbolbild)

„Unsere Grüne Glasfaser“ stoppt den Breitbandausbau in Teilen des Rhein-Sieg-Kreises. Den Vorwurf des „Wortbruchs“ weist das Unternehmen zurück.

Abgehängt fühlt sich die Perle im Bröltal: Das Unternehmen „Unsere grüne Glasfaser“ (UGG) hat den lang erhofften Breitbandausbau gestoppt. Bürgermeister Matthias Jedich zeigt sich „entrüstet“. Im ebenfalls betroffenen Sankt Augustin, wo es nur um einige Ortsteile geht, spricht Bürgermeister Max Leittersdorf von „Wortbruch“.

Das weist die UGG-Pressestelle zurück. Man habe zwar hat mit den Kommunen Absichtserklärungen unterzeichnet, sogenannte MoUs (Memorandums of Understanding), heißt es in der Antwort auf die Anfrage der Redaktion. Der rein eigenwirtschaftlich finanzierte Glasfaserausbau, ohne Steuergeld oder Kosten für die Bürgerinnen und Bürger, sei aber von einer „wirtschaftlich machbaren Lage“ abhängig.

Kosten seien der Hauptgrund für den Rückzug in Rhein-Sieg

UGG habe bereits viel Zeit und Planung in diese Projekte gesteckt. Dass man gezwungen sei, in einigen Gemeinden nicht alle ursprünglich geplanten Gebiete oder gar nichts auszubauen, sei auch aus Unternehmenssicht bedauerlich. 

Ursache für den Stopp sei „die stark veränderte Lage am deutschen Glasfasermarkt, mit erschwerten technischen Bedingungen und gestiegene Kosten beim Ausbau“, dazu zählten Kapazitäten und Kosten der Baupartner, steigende Materialkosten und Inflation. Kurzum: Die Firma müsste zu viel Geld investieren, während der Gewinn nicht steige.

Vom Rückzug ist offiziell nicht die Rede, im Schreiben aus Ismaning heißt es: „Aktuell passen wir deshalb aufgrund der wirtschaftlichen Lage im Glasfasermarkt einige unserer Ausbaugebiete an. Hier informieren wir gerade die Gemeinden.“ Betroffen seien nicht nur Kommunen im Rhein-Sieg-Kreis. 

In den Jahren 2026/2027 werde sich UGG auf die am schnellsten und einfachsten zu realisierenden Projekte konzentrieren. Ziel sei es, möglichst viele Haushalte mit Glasfaser bis ins Gebäude auszubauen und an das Netz anzuschließen. 

Von Information könne keine Rede sein, entgegnet der Ruppichterother Bürgermeister mit. Über mehrere Jahre habe das Unternehmen den Ausbau immer wieder angekündigt. Wiederholte  Anfragen seitens der Verwaltung und der Bürger seien ohne konkrete Antwort geblieben. Die Gemeinde habe von dem Stopp lediglich auf der Internetseite des Unternehmens erfahren.

Man arbeite bereits intensiv daran, alternative Möglichkeiten zu finden, sagte Jedich, der Ausbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur sei „ein zentraler Bestandteil der zukünftigen Daseinsvorsorge und Standortentwicklung“.

In Sankt Augustin geht man davon aus, dass in den Ortsteilen und Straßen, in denen die UGG und deren Sub-Unternehmer Artemis schon Leitungen verlegt haben, die Hausanschlüsse wie geplant gelegt werden. Die Anwohner anderer Gebiete und Straßen könnten indes in die Röhre gucken. Wer betroffen sein wird, sei noch nicht bekannt. Man warte auf  Karten und Adressübersichten, heißt es aus der Stadtverwaltung.  

Vertragsparter informieren die Bürger in Ruppichteroth und Sankt Augustin direkt

Betroffene Kunden müssen laut UGG nichts tun. Die Verträge seien nicht mit der UGG, sondern mit den Internetanbietern geschlossen worden. Diese informierten die Bürger direkt. Die Verfügbarkeit von UGG Glasfaser beziehungsweise die Information, ob die eigene Adresse  betroffen ist, könne auf der UGG-Internetseite überprüft werden. 

Dass der zugesagte flächendeckende Ausbau nicht erfolgt, sei „ein klarer Wortbruch“, meint der Sankt Augustiner Bürgermeister Leittersdorf. Die Stadt werde das Ziel, dass in jeder Straße ein Glasfaseranschluss verfügbar sei, weiterverfolgen. Der UGG-Rückzug sei nicht das einzige Ärgernis. Das Telekommunikationsgesetz des Bundes gebe der Stadt nicht die Möglichkeit, die Glasfaserverlegung über einen Anbieter verbindlich sicherzustellen, so Leittersdorf: „Stattdessen müssen wir jedem Anbieter eine Aufbruchgenehmigung für unsere Straßen und Wege erteilen.“


Immer wieder Ärger beim Ausbau

Im Rhein-Sieg-Kreis bauen diverse Firmen das Breitbandnetz aus, UGG ist außer in Sankt Augustin in Siegburg, Hennef und Eitorf tätig. In Lohmar-Wahlscheid gab es kürzlich Ärger, als verschiedene Anbieter parallel oder kurz nacheinander die Straßen aufrissen, um Kabel zu verlegen. In Waldbröl, einem Nachbarort Ruppichteroths im oberbergischen Kreis, sollte UGG exklusiv mehr als 90 Prozent des Stadtgebiets mit High-Speed-Internet versorgen. Doch die Telekom-Tochter Glasfaser Plus setzte gerichtlich gegen die Stadtverwaltung durch, dass sie ebenfalls buddeln darf.