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Brand von E-AutosAntworten auf Fragen nach der Explosion eines Kleinwagens in Sankt Augustin

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In Sankt Augustin-Menden ist ein E-Auto in Flammen aufgegangen. Die Löscharbeiten gestalteten sich aufwendig, das ausgebrannte Fahrzeug wurde schließlich in eine Mulde gezogen, die geflutet wurde.

In Sankt Augustin-Menden ist ein E-Auto in Flammen aufgegangen. Die Löscharbeiten gestalteten sich aufwendig, das ausgebrannte Fahrzeug wurde schließlich in eine Mulde gezogen, die geflutet wurde.

Was man tun kann, wenn es aus dem E-Auto qualmt und ob Stromer wirklich brandgefährlicher sind als Verbrenner.

Der Großeinsatz der Freiwilligen Feuerwehr Sankt Augustin in Menden am Mittwoch (25. Februar) hat Fragen rund um Brände bei Elektroautos aufgeworfen. An der Otto-Guericke-Straße war ein Firmenauto vor einer Halle in Brand geraten. Eine Explosion hatte Türen und Fenster aufgerissen. Die Löscharbeiten dauerte länger als bei einem Verbrennerauto, der Kleinwagen wurde zur Kühlung 24 Stunden in eine mit Wasser gefüllte Mulde gestellt.

Was ist die größte Gefahr, wenn ein Elektroauto brennt?

Auf einem Video aus einer Überwachungskamera, die am Dach der Halle montiert war, ist deutlich zu sehen, wie es zunächst hellen Rauch gab, der das Fahrzeuginnere komplett füllte. Plötzlich und unerwartet kommt es zu einer heftigen Explosion. Fenster fliegen heraus und die Türen werden gewaltsam nach außen gedrückt. Es ist erkennbar, dass sich Gas im Fahrzeug entwickeln. Die hellen Ausdünstungen kommen aus der Batterie", sagt der Leiter der Sankt Augustiner Feuerwehr, Herbert Maur. 

Brand eines E-Autos in Sankt Augustin

Zu diesem Zeitpunkt brennt es noch nicht, Flammen sind nicht zu sehen. „Wenn schwarzer Rauch aufsteigt, verbrennt Kunststoff“, so Maur. Ist der Rauch aber hell, helfe nur eines: Abstand halten und kühlen. „Die Situation ist gefährlich, weil unberechenbar ist, wie die Gase weiter reagieren und wann der Zündzeitpunkt erreicht ist.“

Wie kann ein solcher Brand gelöscht werden, was können Ersthelfer tun?

„Mit viel Wasser löschen“, erklärt Maur, „es dauert etwas länger als bei einem Verbrenner, weil es aus der Batterie immer wieder aufflackert, aber letztlich ist es nichts anderes als ein normaler Pkw-Brand.“ Von der Leitstelle erhält er während des Einsatzes Pläne des Herstellers, wo genau der Batterieblock sitz. „Inwischen haben einigie Modelle Löcher, durch die die Batterie geflutet und damit gekühlt werden kann.“

Von Löschversuchen vor dem eigentlichen Brand, also vor dem Hochschlagen von Flammen, rät er ab. Gartenschläuche und Pulverlöscher haben, wie jetzt in Menden, keinen Löscherfolg gezeitigt. „Es treten aber giftige Gase aus und Privatleute ohne Atemschutzgeräte bringen sich in Gefahr.“

Was passiert, wenn die Flammen niedergeschlagen sind?

Das Auto steht immer noch unter Strom, Energie wird frei gesetzt. Deshalb wird immer weiter gekühlt. Der Einsatzleiter ließ Hydroschilder unter den Wagen schieben. Die verteilen das Wasser breitflächig, bei Riegelstellungen im Falle von Hausbränden entsteht ein Wasserschild. Bei dem Pkw-Brand wird die Batterie beständig von unten auf ganzer Fläche besprüht.

Das ausgebrannte Fahrzeug wurde schließlich in eine Mulde gezogen, die geflutet wurde.

Das ausgebrannte Fahrzeug wurde schließlich in eine Mulde gezogen, die geflutet wurde.

Maur entschied zudem, eine Mulde der Siegburger Feuerwehr nachzualarmieren. Das ausgebrannte Autowrack wurde dort hineingezogen, und der Metallbehälter mit Wasser geflutet. Aus der Batterie heraus habe es aber weiter geblubbert, da seien noch Reaktionen abgelaufen. Mindestens 24 Stunden sollte ein Fahrzeug in der gefluteten Mulde stehen.

Ist das Löschwasser besonders belastet, wenn Gase so giftig sind?

„Das Wasser wird hochgradig kontaminiert, das ist Sondermüll“, beschreibt Maur. Es müsse aus der Mulde heraus fachgerecht entsorgt werden. Das bei der Bekämpfung der Flammen eingesetzte Wasser werde im Kanal zurückgehalten und abgepumpt. Die Feuerwehr arbeitet in solchen Fällen eng mit dem Zentralen Abwasserwerk zusammen.

Gibt es alternative Löschmethoden?

„Wir haben spezielle Löschdecken ausprobiert, mit denen das Feuer erstickt werden kann“, sagt der Stadtbrandinspektor. „Aber wir haben Abstand davon genommen. Es ist nichts mehr zu sehen von dem Fahrzeug und wenn die Decke heruntergenommen wird, können die Flammen genau so wieder aufflackern. Viel Wasser, das ist das Mittel der Wahl.“

Wie sieht es bei einem Brand in einer Tiefgarage aus?

Es gibt inzwischen zahlreiche E-Stationen in Tiefgaragen, weiß Maur. Aber die Einsatztaktik sehe genau so aus wie bei jedem anderen Pkw-Brand auch. So lang der Rauch hell ist, Abstand halten und kühlen. Anschließend löschen und dann das Fahrzeug herausziehen. Die Einsatzkräfte trügen in jedem Fall Atemschutzgeräte, wie beim Brand eines Verbrennerautos liege die Sicht bei Null.

Brennen E-Autos öfter als Verbrenner?

Statistisch gesehen geht von E-Autos keine höhere Brandgefahr aus als von Verbrennern, das geht aus einer Information des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft) hervor. Laut GDV gab es 2023 bei insgesamt über 49 Millionen Pkw in Deutschland, nur etwa 14.200 Brände (bei kaskoversicherten Fahrzeugen). Nach Antriebsart aufgeschlüsselt sind diese Fälle nicht, zeigen aber, dass die Wahrscheinlichkeit eines Fahrzeigbrandes insgesamt bei unter 0,03 Prozent liegt.  „Tatsächlich ist die Gefahr eines Fahrzeugbrands sehr gering, und E-Autos stehen klassischen Verbrennern in puncto Sicherheit in nichts nach“, so Dr. Hermann Dinkler, Brand- und Explosionsschutz-Experte beim TÜV-Verband.