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Schweres Unwetter in der NachtWassermassen überfluten Rhein-Sieg

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Die gesamte freiwillige Feuerwehr wurde alarmiert und eilte von Einsatzstelle zu Einsatzstelle, um das Wasser abzupumpen.

Rhein-Sieg – Als in Neunkirchen-Seelscheid noch alles trocken war, meldeten die Feuerwehren vor allem in Windeck, Bad Honnef, Königswinter, Eitorf und Hennef „Land unter“. Eine Gewitter- und Starkregenfront hatte Teile des Kreises am Dienstagabend erreicht und bis gegen 2 Uhr rund 210 Einsätze in zwölf Kommunen durch Überflutungen ausgelöst. In Windeck war Dattenfeld am stärksten betroffen. In viele Keller und Garagen drang Wasser ein. Die gesamte freiwillige Feuerwehr wurde alarmiert und eilte von Einsatzstelle zu Einsatzstelle, um das Wasser abzupumpen.

In Bonn lief eine Unterführung voll Wasser. Im münsterländischen Ennigerloh musste die Feuerwehr 60 Keller leer pumpen.

In Herchen stürzten die großen Niederschlagsmengen kurz hinter dem Ortsausgang von den Felsen herunter, ein regelrechter Wasserfall. Sturzbäche ergossen sich über die Landstraße 333 und bildeten einen gefährlichen Film. Einsatzkräfte sperrten die Strecke. Ein Stück weiter, kurz vor dem Abzweig auf die Landstraße 312 nach Werfen, hatte sich derweil ein kleiner See gebildet. Die Gullys waren teils verstopft und mussten erst mühsam gefunden und geöffnet werden. Für  Autos mit durchschnittlicher Bodenfreiheit gab es kein Durchkommen mehr.

THW stand schon bereit

Vollalarm gab es auch für die Wehrleute in Eitorf. An verschiedenen Stellen im Stadtgebiet waren Keller voll gelaufen, der Dehlenbach war über die Ufer getreten und hatte Fahrbahnen mit Schlamm überzogen. Im Sand nahe der Kläranlage fasste der Kanal die Wassermassen nicht mehr. Fast einen Meter hoch stand die braune Brühe in einer Garage, ein Blumenkasten schwamm darin. Die Feuerwehrmänner hatten reichlich zu tun, um den Wasserstand nach unten zu drücken. Der Eipbach schwoll kräftig an und schoss, noch in seinem Bett, durch das Ortszentrum.

Das Technische Hilfswerk (THW) aus Siegburg stand schon bereit, um die Einsatzkräfte in Königswinter zu unterstützen. Dort waren bereits 160 Freiwillige insbesondere in den Berggemeinden dabei, die fast 100 bis Mitternacht gemeldeten Einsatzstellen abzuarbeiten. Mehrere Firmenhallen standen bis zu einem Meter hoch voll, mehrere Keller waren bis zur Decke überflutet, Straßen glichen Seenlandschaften. Aus dem Nachtigallental ergoss sich eine Gerölllawine, die über die Bahnhofsstraße floss. Der Bauhof versuchte, der angespülten Mengen Herr zu werden.

Glimpflicher ging es in Hennef zu, rund um Uckerath und Eulenberg gab es einige Einsätze. Als wäre das noch nicht genug, musste die auf zehn  Beamte aufgestockte Feuer- und Rettungsleitstelle die Troisdorfer Feuerwehr zu einem Großbrand alarmieren. In einem Haus an der Siebengebirgsallee sollte es brennen, zwei Personen galten als vermisst. Ein Großaufgebot an Fahrzeugen sowie zwei Notärzte eilten zu der angegebenen Adresse. Wie sich herausstellte hatte Essen auf dem Herd für für reichlich Qualm gesorgt. Alle Bewohner waren wieder gefunden und weitgehend unverletzt. Nur die Tochter des Hauses wurde mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung mit ins Krankenhaus genommen.