Der Nachfolger von Torsten Becker will die Feuerwehr in der Kreisstadt zukunftssicher machen und setzt dabei auch auf Digitalisierung.
FührungswechselDaniel Winterscheidt ist neuer Leiter der Siegburger Feuerwehr

Der 40-Jährige hat die Position zum 1. Januar übernommen.
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Die Siegburger Feuerwehr hat einen neuen Leiter: Daniel Winterscheidt übernimmt die Stelle von Torsten Becker. Dieser geht zum 30. Juni 2026 in Pension, hat seine Position aber bereits zum 1. Januar an Winterscheidt übergeben.
Daniel Winterscheidt ist in Siegburg geboren und aufgewachsen. Im Jahr 2000 trat der heute 40-Jährige in die Jugendfeuerwehr ein, 2008 machte er die Grundausbildung und wurde hauptamtlicher Feuerwehrmann. „Ich war zuletzt stellvertretender Leiter der Feuerwehr gewesen und konnte in die Aufgabe reinwachsen. Vor zwei Jahren habe ich den Aufstieg in den höheren Dienst absolviert, es war also die einzige Richtung, die ich einschlagen konnte“, sagt Winterscheidt.
Siegburger Feuerwehrkräfte lernen in Portugal
In der Leitung der Feuerwehr gehe es vor allem um ihre Organisation und Strukturierung. „Ich möchte die Feuerwehr zukunftssicher machen und in alle Richtungen aufstellen. Dazu gehört auch die Digitalisierung, um den Einsatzkräften das Leben einfacher zu machen. Die haupt- und ehrenamtlichen Kräfte sollen in der Ausbildung besser auf heutige Herausforderungen vorbereitet werden.“
Damit meine er vor allem die zunehmende Waldbrandgefahr. „Wir hatten zuletzt aufgrund der trockenen Sommer viele Vegetationsbrände, zwar nicht so wie in Portugal und Spanien, aber trotzdem müssen wir darauf vorbereitet sein“, sagt Winterscheidt. Unter Torsten Becker sei eine Ausbildungskooperation mit Feuerwehren aus Portugal entstanden: Siegburger Feuerwehrleute fliegen nach Südeuropa, um Erfahrungen zu sammeln.
Winterscheidt will den Umbau der Hauptwache vorantreiben
Zugleich wurde die neue Waldbrandeinheit gegründet, der auch die Feuerwehren aus Sankt Augustin, Hennef, Eitorf und Troisdorf angehören. „Früher war es normal, dass eine Feuerwehr alles allein gemacht hat. Heute geht man dazu über, Ressourcen zu bündeln und sich gegenseitig bei nicht alltäglichen Einsätzen zu unterstützen“, sagt Winterscheidt.
Ein solcher Einsatz habe auch ihn geprägt, obwohl er gar nicht dabei war: der Brückberg-Brand im Jahr 2018, als ein vorbeifahrender ICE einen Böschungsbrand auslöste, der neun Wohnhäuser vernichtete. „Da war ich im Urlaub gewesen. Im Nachhinein hat es mich als Feuerwehrmann schon geschmerzt, nicht mit anpacken zu können“, sagt er. Vorantreiben wolle er den Umbau der Hauptwache auf dem derzeitigen Gelände, ebenso den Neubau des Gerätehauses im Stadtteil Brückberg.
Im Kern sind wir ja immer noch eine freiwillige Feuerwehr
„Im Kern sind wir ja immer noch eine freiwillige Feuerwehr“, betont Winterscheidt. „Tagsüber ist die Wache mit sieben hauptamtlichen Kräften besetzt, davon mit sechs auf der Straße. Sie bewältigen kleinere Einsätze wie Türöffnungen und Mülleimerbrände selbst, bei größeren Lagen werden die Freiwilligen alarmiert.“ Dieser Aufteilung werde auch in der Wehrleitung Rechnung getragen. „Mit Markus Völker ist ein Freiwilliger Stellvertreter, der auch die Qualifikation als A-Dienst hat“, schildert Winterscheidt.
Bei der Feuerwehr gebe es nicht einen Einsatzleiter, sondern einen Zirkel aus Führungskräften, die die Ausbildung und persönliche Eignung für den B-Dienst besäßen. „Und das sind eben hauptamtliche, aber auch freiwillige Kräfte, die sich gemäß Dienstplan abwechseln“, erläutert Winterscheidt. „Ich bin überzeugt, dass man auf diese Weise die Interessen beider Gruppen vertreten kann. Ich schätze das Ehrenamt und sage nicht, dass die Hauptamtlichen alles besser können und wissen. Deswegen binde ich die Freiwilligen weiter mit ein, auch bei Entscheidungen.“
Zwar werde der Leiter einer Feuerwehr alle sechs Jahre neu bestimmt, doch Winterscheidt sagt, er sei sich sicher, diese Funktion die kommenden 21 Jahre, bis er selbst in Pension geht, auszufüllen. „In dieser Zeit kann man viel bewegen, und Kontinuität ist etwas, das eine Feuerwehr weiterbringt. Ich freue mich auf diese Herausforderung und bin auch etwas stolz, mit nur 40 Jahren eine Feuerwehr dieser Größe leiten zu dürfen.“

