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ProzessTrio ging in Siegburger Drogerien mit einem „Klaubeutel“ auf Diebestour

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Vor dem Amtsgericht in Siegburg stehen Polizeifahrzeuge

Das Amtsgericht in Siegburg

Mit einem „Klaubeutel“ und zwei Komplizen ging ein 29-Jähriger in Siegburg auf Diebestour. Die Beute des Trios: teure Parfums.

Gezielt ging der Angeklagte auf Diebestour, immer wieder, auch nachdem er mehrfach erwischt und verurteilt worden war. Unterwegs war er meist mit zwei Komplizen, das Trio sackte pro Beutezug Parfums im Wert von bis zu 1700 Euro ein und brachte sie in einer präparierten Tasche aus dem Laden. Zwei dieser Fälle wurden jetzt vor dem Siegburger Schöffengericht verhandelt.

Der Angeklagte sei profimäßig vorgegangen, stellte der Vorsitzende Richter Dr. Alexander Hahn fest. Der Beutel schirmte die Flakonverpackungen so ab, dass an der Kasse kein Alarm ertönte. So war es auch am 8. September 2021 in einer Drogerie in der Siegburger Innenstadt.

Überwachungskamera filmte Tat in Siegburger Drogerie

Die Täter gingen arbeitsteilig vor, das zeigte das Überwachungsvideo: Einer nahm die Ware aus dem Regal und stellte sie nach ganz oben, der zweite, im Gang gegenüber, verstaute die Edel-Düfte im Wert von fast 1700 Euro blitzschnell in dem dunklen Beutel und brachte diesen in die hinterste Ecke des Ladens, versteckte das Diebesgut hinter Fönen und Lockenstäben. Dort holte es der Dritte wenige Minuten später ab, steckte es seelenruhig in seinen Rucksack und ging.

Die Tat sei dem Personal wenig später aufgefallen, weil einige Flakons noch oben auf dem Regal stehengeblieben seien, schilderte eine Verkäuferin im Zeugenstand. Daraufhin schaute der Abteilungsleiter die Überwachungsfilme an und sicherte diese, machte aber einen entscheidenden Fehler: Er vertauschte zwei Sequenzen, so dass sich auf der gebrannten CD, die er bei der Polizei abgab, nur einer der Täter befand.

Sie sind ununterbrochen kriminell, seit Sie in Deutschland sind
Dr. Alexander Bluhm, Vorsitzender Richter

Auf den grobkörnigen Handy-Fotos, die der Angestellte zusätzlich von den Standbildern gemacht hatte, waren die zwei Komplizen, darunter mutmaßlich der Angeklagte, zwar zu sehen, aber nicht mit Sicherheit zu identifizieren, da sie zudem Corona-Masken trugen.

Zwei Wochen später wurde der Angeklagte aber gefasst, nach einem ähnliche Beutezug in einem Siegburger Warenhaus. Die Parfümflakons im Wert von knapp 700 Euro konnten sichergestellt werden.

Mit der Masche auch in Gießen, Hessen und Bayern Edel-Parfums gestohlen

Diese Tat räumte der 29-Jährige ein. Nicht nur in Siegburg war er mit dem „Klaubeutel“ unterwegs, dieselbe Masche wandte er auch in Gießen, in Hessen und in Bayern an, kassierte dafür seit 2020 insgesamt 23 Geld- und Haftstrafen. In Siegburg wurde er in Fußfesseln vorgeführt, derzeit sitzt er in der JVA Würzburg, auch wegen unbezahlter Geldstrafen.

Der Angeklagte, der in seinem Heimatland in Nordafrika nur sechs Jahre die Schule besucht hat und danach als Sardinenverkäufer am Strand arbeitete, war über Spanien und Frankreich Ende 2019 in die Bundesrepublik eingereist, in einem Asylheim in Gießen lernte er seine Komplizen kennen. Weil er nicht arbeiten durfte, verdingte er sich stundenweise auf dem Bau, „schwarz“, erzählte der Mann. Er hat keinen gesicherten Aufenthaltstitel, seine Duldung wurde bislang für jeweils sechs Monate verlängert.

„Sie sind ununterbrochen kriminell, seit Sie in Deutschland sind“, sagte Richter Hahn. Es gebe für ihn keine positive Sozialprognose und wohl auch keine Zukunft in Deutschland. Das Urteil: sechs Monate Haft. Nach dem Prozess wurde der 29-Jährige ins Gefängnis zurück gebracht.

Der Richter äußerte allerdings gegenüber den Zeugen Unverständnis darüber, dass die teuren Parfüms weiterhin offen und ungesichert im Regal präsentiert würden. Fast im Wochentakt gebe es ähnliche Diebstahlsanzeigen: „Da können Sie sie gleich auf die Straße stellen zum Mitnehmen.“