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Neuer BildungscampusStadt Siegburg saniert Boden am ehemaligen Bertramsweiher

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Die Baustelle des Bildungscampus Neuenhof

Rüttelstopfverdichtung heißt das Verfahren, mit dem der Boden für den Neubau am Bildungscampus vorbereitet wird.

Einst war die Baufläche für den neuen Bildungscampus in Siegburg ein Sumpf. Der Boden muss für den Neubau nun saniert werden.

„Früher war das mal ein Sumpf“, bringt Stefan Langerbeins das größte Problem seiner Baustelle am Neuenhof auf den Punkt. Heute noch erinnere der Straßenname am Bertramsweiher an ein Feuchtgebiet, das in alter Zeit just dort zu finden war, wo gerade ein Neubau für den Bildungscampus entsteht.

Dazu muss einiges an Vorarbeit geleistet werden, die der Projektleiter in beeindruckende Zahlen fasst: 1300 Bohrlöcher werden gerade mit mächtigen Maschinen in den Boden getrieben und mit Kies verfüllt, sie sind vier bis zehn Meter tief und haben einen Durchmesser von 80 Zentimetern, so dass 9000 Tonnen Material verfüllt werden können. „Damit schaffen wir das Fundament für die Bodenplatte“ schildert Langerbeins, 40 000 Euro koste der Einsatz der Maschinen für die „Rüttelstopfverdichtung“ am Tag. Mithilfe eines kleineren Bohrfahrzeugs wird zuvor sichergestellt, dass im Boden keine Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg schlummern.

Eine Visualisierung des neuen Campus.

Von einem Ort des Lernens soll das Schulzentrum Neuenhof zu einem Ort des Lebens werden.

Bis vergangenen Oktober war der Sozialpädagoge, der Zusatzqualifikationen in Projekt- und Qualitätsmanagement sowie Betriebswirtschaft hat, Geschäftsführer des Evangelischen Jugendwerks Sieg-Rhein-Bonn, um nach 26 Jahren den neuen Job bei der Stadt anzutreten – und damit ein 120 Millionen-Euro-Vorhaben zu verantworten. Technischer Projektleiter ist Pascal Mengede aus der Stadtverwaltung. „Wir sind im Zeitplan“, erläutert Langerbeins vor Ort. Sollte es dabei bleiben, hat er zur Eröffnung am 30. November 2027 seinen letzten Arbeitstag: „Dann gehe ich auch in Rente.“

Der Neuenhof wird dann ganz anders aussehen, das Schulzentrum von 1972 soll aber noch erkennbar sein. Auf der Bodenplatte entstehen zwei ineinander verschachtelte Baukörper, einer mit drei Etagen für Unterrichtsräumen, einer mit zwei Stockwerken für die Verwaltung. Die alte Schulverwaltung wurde bereits abgerissen und kam in einem Containerdorf unter. Dort sind derzeit schon erste Schulklassen, aber auch die städtische Musikschule und die VHS Rhein-Sieg untergebracht, deren Räume an der Humperdinckstraße gerade saniert werden.

Vom „Ort des Lernens“ zum „Ort des Lebens“

Neu gebaut wird auch eine Mensa, während die übrigen Bestandsgebäude von Real- und Gesamtschule saniert werden und durch eine Holzfassade eine andere Anmutung bekommen. Saniert wird auch die Sporthalle, an der auch der sogenannte Theaterschatz mit der Studiobühne, dem Theater Tollhaus für Kinder und Jugendliche und der Schauspielschule Siegburg unterkommen. Das Zeithwerk mit verschiedenen Jugendhilfeangeboten des Jugendwerks gehört ebenfalls zum Campus. Langerbeins spricht von einem „Ort des Lernens“, der zu einem „Ort des Lebens“ werden solle.

2025 wird ein besonderes Jahr auf der Baustelle. Dann soll der Neubau fertig sein, und die große Containeranlage wird komplett für Klassenzimmer gebraucht – Musikschule und VHS müssen dann zurück an die Humperdinckstraße ziehen. Auf der Zeitachse darf also nicht viel schiefgehen. Wenn anschließend die Sanierung der alten Schultrakte beginne, hätten die Schülerinnen und Schüler noch weniger Platz in den Pausen als jetzt schon, fürchtet Langerbeins. Ihm sei aufgefallen, wie klaglos die Kinder und Jugendlichen die Arbeiten ertragen haben: „Da habe ich wirklich Respekt vor.“ In seiner gesamten Laufbahn habe er mit Schulen zu tun gehabt. „Für mich ist das eine Herzensangelegenheit.“