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„Gelebte Freiheit“Ausstellung im Kunsthaus Troisdorf bietet Iranerinnen eine Plattform

Lesezeit 3 Minuten
Zarah Hassanabadi

Zarah Hassanabadi fertigt Kunstwerke aus menschlichen Haaren an, auch aus ihren eigenen.

Im Kunsthaus Troisdorf ist die Ausstellung „Woman Life Freedom“ eröffnet worden. Die Exposition zeigt die Werke von sechs iranischen Künstlerinnen.

„Diese Ausstellung ist gelebte Freiheit.“ Bürgermeister Alexander Biber wollte in seiner Begrüßung nicht beurteilen, ob die Ausstellung „Woman Life Freedom“ im Kunsthaus Troisdorf dazu beitragen könnte, „die Unterdrücker der Freiheit im Iran zu besiegen.“ Sie gebe aber Gelegenheit, „Stimmen zu hören, die woanders nicht frei reden dürfen.“

Es gab Stimmen zuhauf bei der Vernissage, die Werke von sechs iranischen Künstlerinnen zeigte. Es waren die Stimmen von Menschen und solche, die aus den Bildern sprachen. Und die zu Tränen rührten. Es gab viele Umarmungen, tröstende und verzweifelte Worte. Aber auch solche, die Mut machten.

Kunstwerke aus menschlichen Haaren

Die lyrische Rede der Schauspielerin Caroline Schreiber, bei der sie abwechselnd Deutsch und Persisch sprach, wirkte emotional. Sie malte kontrapunktisch ein romantisches Bild des Vielvölkerstaates mit blühenden Aprikosenbäumen, spielenden Kindern und dem Kaspischen Meer. „Der Staat erstickt sein Volk bei lebendigem Leib, lässt es ausbluten“, sagte Schreiber: „Was uns bleibt, ist die Freiheit, uns ausdrücken zu dürfen, durch Kunst und den Glauben an die Liebe.“

Mit Kunstwerken aus menschlichen Haaren, auch den eigenen, drückt Zarah Hassanabadi ihre „Ohnmacht und Verzweiflung“ aus. „Haar ist doch unser Schmuck“, sagt sie. Doch dürfe man es im Iran nicht zeigen, ohne mit dem Staat in Konflikt zu geraten. Mit Grafitstift zeichnet Asal Khosravi Menschen, bei denen nur Köpfe und Hände realistisch abgebildet sind. Die Körper bestehen aus Konturen.

Frau, Leben, Freiheit, Mut

„Mit dem Gesicht und den Händen drückt sich der Mensch aus, nur das ist mir wichtig“, sagt die Wahl-Frankfurterin. Auf konkrete Mimik und Gestik verzichtet sie bewusst. Auch die Körperhaltung bleibt rätselhaft. „Im Iran muss man sich einer indirekten Sprache bedienen, die Botschaft darf nie erkennbar sein.“ Es zeige aber auch die steigende Frustration und Leere in den Menschen.

Mit vielen Blättern, die jeweils mit den Wörtern Frau, Leben, Freiheit und Mut in Persisch, Deutsch, Englisch und Kurdisch bedruckt waren, beklebte Homa Emami die Eingangstüren des Kunsthauses. In einer Performance nahm sie sämtliche Blätter ab, stapelte sie und reinigte umgehend die Glastüren, um sie von den als Kleber dienenden Farbstrichen zu befreien. „Das Reinigen ist ein Zeichen des Vergänglichen“, sagte sie. Doch blieben die vier meistbenutzten Wörter der Revolution auf dem Stapel erhalten.

Homa Emami: „Es ist eine ewige Aufbewahrung von Momenten.“ Seit 37 Jahren lebt sie in Deutschland, hier schlage ihr Herz, auch für den Iran. Mittels der Tradition der persischen Ornamentmalerei illustrierte Parastou Forouhar die Brutalität des Regimes.

Erst bei genauem Betrachten ihres Bildes „Red is My Name“ bricht die scheinbare Harmlosigkeit der Ornamente. Angedeutete Frauenkörper, männliche Genitalien und Folterinstrumente kommen zum Vorschein. „Das berührt mich alles sehr hier“, sagte der 16-jährige Jan Wolf aus Bergheim. „Solche Verbrechen am Volk belasten auch uns Jugendliche“, so der Schüler an der Gertrud-Koch-Gesamtschule: „Es ist wichtig, hier zu sein.“

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