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Leben in Gemeinschaft Viele Zimmer im Troisdorfer Hospiz sind schon belegt

Viel zu besprechen gibt es auch bei den regelmäßigen Treffen aller Mitarbeiterinnen.

Viel zu besprechen gibt es auch bei den regelmäßigen Treffen aller Mitarbeiterinnen.

Troisdorf – Stimmen sind wieder zu vernehmen in dem alten Gebäude, das einst fröhliche Kinder beherbergte.

Wenngleich: Es ist heute zum Sterben da. Zuerst kamen ab Mitte Dezember die Mitarbeiter des neuen Hospizes in die frühere evangelische Grundschule Viktoriastraße. Dann die ersten Gäste, wie die Todkranken genannt werden.

Am Neujahrstag waren es sieben, am Tag danach kam ein achter hinzu, und am Mittwoch waren bereits zehn der 13 Gästezimmer belegt. Damit geht das neben Lohmar-Deesem (16 Gästezimmer) zweite Hospiz im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis zügig in Vollbetrieb.

An den Festtagen war ein Ehrenamtler zugegen, der wie auch an Silvester im großen Wohnzimmer Klavier spielte für die Sterbenskranken, für ihre Angehörigen und Freunde, für die 24 professionellen, pflegenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für die Ehrenamtler, die Sterbebegleitung, Gespräche und kleine Hilfen bieten. Das sind die vier Gruppen, die das Leben im Haus prägen.

Die baulichen Voraussetzungen sind geschaffen. Darauf konnte Hospizleiter Martin Keßler (43) beim Rundgang mit dieser Zeitung verweisen. Der Muff der alten Schule (Baujahr 1900) ist gewichen. Sogar die Treppe wurde freigelegt, der hässliche Linoleumbelag von den Stufen entfernt.

Das war natürlich nicht die Hauptarbeit. Aus den großen Klassenräumen wurden je zwei Gästezimmer mit eigenen Badezimmern. Viel Licht fällt durch die erhaltenen Klassenfenster. Neben dem Krankenhausbett gibt es bequeme Sitzmöbel für Angehörige.

Sie können im Zimmer mit übernachten. Zudem gibt es ein Angehörigenzimmer im Haus. Auf den Fluren findet man geschmackvoll eingerichtete Ecken mit gemütlichen Sesseln zum Verweilen.

Im Erdgeschoss lockt eine große Wohnküche mit einladendem Esstisch zum gemeinsamen Kochen. Ein großes Wohnzimmer mit Klavier ermöglicht weitere gemeinsame Aktivitäten. Damit auch Bettlägerige an die frische Luft kommen, wurde eine Tür erweitert. Sie führt auf den Schulhof, der nun eine Terrasse mit Glasdach und ein bisschen Garten bietet.

Von 2,5 auf 2,8 Millionen Euro stiegen die Sanierungs- und Umbaukosten, bestätigte Karl Geßmann (64), der das Hospiz vorangetrieben hat. Er war Verwaltungsdirektor des St.-Josef-Hospitals in Troisdorf. Der Träger ist die GFO (Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe), die auch fürs Hospiz zuständig ist. 500 000 Euro der Summe steuerte der Förderverein dank zweier außergewöhnlicher Erbschaften bei. Und 1,5 Millionen Euro hatten die Franziskanerinnen der Stadt für den Kauf des Gebäudes gezahlt.

„Bei Sanierung, Einrichtung und bei der Arbeit konnten und können wir aus 20 Jahren Erfahrung mit der Palliativstation an St. Josef schöpfen“, erläuterte Keßler. Einige Mitarbeiter wechselten von dort ins Hospiz. Alle neugewonnen Kräfte mussten auf der Palliativstation zuvor hospitieren.

Geßmann freut sich über die zentrale Lage des Hospizes. Es liegt 300 Meter vom Bahnhof entfernt. Das ist wichtig für Angehörige aus einem Einzugsbereich des Hospizes von rund 500 000 Menschen. Das Hospiz befindet sich auch nahe am evangelischen Kirchencafé und an der Fußgängerzone, also mitten im Leben, und nicht abseits, wohin manche den Tod verdrängen wollen. Im Haus ist Platz für Ruhe, Geselligkeit und würdiges Sterben.

Es gab auch schon den ersten Todesfall, an Weihnachten. Manche, die kommen, sind so krank, dass ihnen nur wenige Tage bleiben, andere haben noch Monate. Im Obergeschoss befindet sich ein stilvoll gestalteter „Raum der Stille“. In ihm hängt ein großes Olivenkreuz. Es wurde im italienischen Assisi, dem Ort des Ordensgründers Franziskus eigens für das Hospiz hergestellt. Die Mitarbeiter selbst haben es dort abgeholt.

Bedarf steigt

Das neue Troisdorfer Hospiz mit seinen 13 Plätzen sieht sich nicht in Konkurrenz zu dem 1990 eröffneten Hospiz Lohmar-Deesem (16 Plätze), dem bisher einzigen im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Es gebe nämlich immer mehr Bedarf an Hospizplätzen, heißt es. Im linksrheinischen Kreisgebiet findet sich kein Hospiz, in Bonn sind es zwei.

Im St.-Josef -Hospital in Troisdorf gibt es zudem seit 20 Jahren eine spezielle Palliativstation (zehn Betten), sonst gibt es diese Einrichtung nur noch in Bonn. Angeschlossen an die Station in Troisdorf ist seit 16 Jahren der Ambulante Palliativdienst. Dabei besuchen Ärzte und Pflegekräfte, bezahlt von der Krankenkasse, Schwerstkranke und sterbende Menschen zu Hause.

Davon zu unterscheiden sind die ambulanten Hospizdienste, davon gibt es 14 in Bonn/Rhein-Sieg. Das sind Ehrenamtler, die nach Ausbildung Todkranke besuchen, mit ihnen spielen, sprechen und kleine Hilfen geben. Sie pflegen aber nicht und sind kein Ersatz für Pflegekräfte, ob ambulant oder im Hospiz.

Sie sind aber unverzichtbar in der Sterbebegleitung. So hat das neue „Hospiz St. Klara“ (offizieller Name) in Troisdorf Kooperationen mit fünf ambulanten Hospizdiensten abgeschlossen, deren Ehrenamtler die Todkranken sowohl in Hospizen als auch zu Hause besuchen. Es handelt sich dabei um die ambulanten Dienste Beuel, Niederkassel, Hennef, Much sowie die große „Ökumenische Initiative zur Begleitung Schwerkranker, Sterbender und Trauernder“ Sankt Augustin. Sie ist der ambulante Hospizdienst für Sankt Augustin, Siegburg und Troisdorf. (ca)