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Forscher der Uni BonnZecken in Köln und Bonn vermehren sich rasant

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Größenvergleich: Eine Zecke neben einer Ein-Cent-Münze.

Größenvergleich: Eine Zecke neben einer Ein-Cent-Münze. 

Der Holzbock lauert im hohen Gras oder Gebüsch. Wenn potentielle Wirte mit ihm in Berührung kommen, dann wird er abgestriffen und sucht sich eine geignete Stelle zum Beißen.

Man kommt von einem ausgiebigen Spaziergang zurück, und der Hund kratzt sich immer wieder an derselben Stelle im Fell. Beim genauen Hinschauen wird klar: Es hat sich eine Zecke festgesaugt. Sie muss schnell entfernt werden. Denn diese Spinnentiere können Kranheiten wie Borrelliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen.

Nicht nur Hundebesitzer haben es schon längst gemerkt. Die Anzahl der Zecken in der Region nimmt zu. Das kann Dr. Timo Falkenberg von der Uniklinik Bonn bestätigen. Er leitet das Projekt „GreenBalance“. Sein Team  untersucht Grünflächen und stellt deren positive und negative Gesundheitseffekte einander gegenüber. Dazu gehört auch, wie sich die Population der Zecken entwickelt. 

Anstieg der Zeckenpopulation im Raum Köln und Bonn um 40 Prozent in einem Jahr

Im Untersuchungsgebiet in Bonn und Köln stieg die Anzahl der Zecken an elf ausgewählten Orten von 2500 im Jahr 2024 auf 3500 Tiere im Jahr 2025. Bestätigt wurde dieser steigende Trend durch Kontrolluntersuchungen in Königswinter. Die Forscherinnen und Forscher streifen dabei Büsche und Grünflächen mit weißen Tüchern ab. Die Zecken, die sich dort verfangen, werden per Hand gezählt. „In der Region ist nur der gemeine Holzbock gefunden wurden“, so Falkenberg. Diese Art ist hier weit verbreitet.

Im hohen Gras sitzen Zecken an den Halmen und warten nur darauf, dass sie von Hund, Katze oder Mensch abgestreift werden.

Im hohen Gras sitzen Zecken an den Halmen und warten nur darauf, dass sie von Hund, Katze oder Mensch abgestreift werden.

Der Holzbock lauert im hohen Gras oder Gebüsch. Wenn potentielle Wirte mit ihm in Berührung kommen, dann wird er abgestriffen und sucht sich eine geignete Stelle zum Beißen. Ganz anders ist das bei der Jagdzecke Hyalomma. Sie kann ihre potentiellen Wirte wie Menschen oder Hunde auf Entfernungen bis zu zehn Metern gut erkennen. Ist das Opfer gesichtet, verfolgt die Jagdzecke es über mehrere hundert Meter. „Hyalomma haben wir in unserer Untersuchung noch nicht gefunden“, so Falkenberg. Jagdzecken können ihre Wirte mit dem Krim-Kongo-Fieber und dem Zecken-Fleckfieber infizieren.

Grundsätzlich kann man sagen, dass Zecken in urbanen Regionen wie der Marktplatz in Siegburg, der Fußgängerzone in Troisdorf oder der Hauptstraße in Lohmar eigentlich nicht vorkommen
Dr. Timo Falkenberg, Universität Bonn

„Grundsätzlich kann man sagen, dass Zecken in urbanen Regionen wie der Marktplatz in Siegburg, der Fußgängerzone in Troisdorf oder der Hauptstraße in Lohmar eigentlich nicht vorkommen“, sagt Falkenberg. Auch gut geschnittene Rasenflächen mit direkter Sonneneinstrahlung meiden diese Blutsauger. Gefährlich wird es aber, wenn man die Wege im Wald verlässt. Dann lauern die Zecken an hohen Gräsern und Gebüschen auf ihre Opfer. Und es werden immer mehr, wie die Wissenschaftler in ihren Untersuchungen herausgefunden haben.   

Im Wald in Hennef ist ein Warnhinweis auf Zecken aufgestellt worden.

Im Wald in Hennef ist ein Warnhinweis auf Zecken aufgestellt worden.

Siegeritta Gebauer kümmert sich seit Jahren in ihrer Auffangstation in Sankt Augustin um Igel. Sie bestätigt, was der Forscher sagt. „Im Prinzip ist jeder Igel, der zu uns kommt, von mehreren Zecken befallen. In den letzten Jahren ist der Befall immer stärker geworden.“ Und sie hat deswegen schon dramatische Situationen mit ihren Schützlingen erlebt. 60 bis 70 Zecken hätten sich an einem kranken und nur 300 Gramm schweren Tier festgesaugt. „Der Igel hat ums Überleben gekämpft, weil die Zecken ihm das Blut herausgesaugt haben.“

Der Igel hat ums Überleben gekämpft, weil die Zecken ihm das Blut herausgesaugt haben
Siegeritta Gebauer betreibt eine Auffangstation für Igel

Sie entfernt dann sorgfältig diese Plagegeister. „Man muss sie aber immer umbringen“, so die Tierfreundin. Wer eine Zecke herunterspült, der sorge nur dafür, dass sie andere Tier befalle. Im Knie der Toilette stehe zwar das Wasser, das Fallrohr danach sei aber an den Wänden trocken. Dorthin rette sich die Zecke und warte auf neue Opfer wie zum Beispiel Ratten. „Die befallenen Nager verlassen irgendwann die Kanalisation, die Zecke ist wieder im Grünen und kann sich neue Opfer suchen“, warnt Gebauer.

Ganz so schlimm sieht Falkenberg die Situation nicht. Er bestätigt aber, dass man dafür sorgen mus, dass Zecken nicht in die Umwelt gelangen.  Man müsse achtsam sein und sich auf den Gehwegen bewegen. „Dann ist das Risiko gering.“ Man sollte sich aber nach Aufenthalten im Wald immer nach Zecken absuchen.

Der Wissenschaftler verfolgt einen „Planetary-Health-Ansatz“, welcher eine ganzheitliche und interdisziplinäre Betrachtung der Mensch-Umwelt-Beziehung beinhaltet. Insbesondere die Interaktion zwischen menschlichem Verhalten und physischen Parametern von Umwelt und Gesundheit werden von seinem Forscherteam analysiert. „Eine Besonderheit des Projekts ist der kleinräumige Fokus, welcher es uns ermöglicht, die Gesundheitseinflüsse der wahrgenommenen Biodiversität mit der gemessenen Biodiversität zu vergleichen“, so Falkenberg. Und da gehört auch die Population der Zecken dazu.