Das Verkehrsunternehmen hofft, so die Zahl der Übergriffe deutlich zu reduzieren und Vorfälle besser aufzuklären.
Nach AngriffenREVG reagiert auf Gewalt – Bodycams für Kontrolleure in Rhein-Erft

REVG-Kontrolleure wurden mit Bodycams ausgestattet. Das soll den Schutz vor aggressiven Fahrgästen erhöhen.
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Die Rhein-Erft Verkehrsgesellschaft (REVG) hat ihre Ticket-Kontrolleure in den Linienbussen mit Bodycams ausgestattet. Ziel sei es es, die Sicherheit der Mitarbeitenden zu erhöhen, die Zahl der Übergriffe deutlich zu reduzieren und Vorfälle künftig besser aufklären zu können. Dies teilte eine Sprecherin des Verkehrsunternehmens am Mittwoch (29. April) in Kerpen mit. Ab sofort verfügt ein Mitarbeitender eines Teams, bestehend aus zwei oder drei Leuten, über diese Technik.
Der Einsatz der am Körper getragenen Kameras diene mehreren Zwecken: zum einen dem Eigenschutz der Fahrausweisprüferinnen und -prüfer, der Beweissicherung bei Angriffen beziehungsweise der nachträglichen Identifikation von Tatverdächtigen sowie der Wahrung des Hausrechts und der Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche.
Kerpen: Busse sind zudem mit Kameras ausgestattet
REVG-Prokurist Ralf Brüning betont: „Der Schutz der Mitarbeitenden und die Sicherheit der Fahrgäste hat bei uns höchste Priorität. Daher haben wir uns nach zwei gravierenden Vorfällen zu dem Einsatz von Bodycams entschieden.“ Eine Überwachung von Fahrgästen mit den Bodycams sei nicht vorgesehen. Der Datenschutz werde gewährleistet.
Für Aufsehen hatten zwei Fälle gesorgt: Im Juni 2025 hatte in Bergheim ein 25-Jähriger auf einen Busfahrer (59) eingeprügelt. Vorausgegangen war ein Streit wegen des Tickets. Der Fahrer erlitt Verletzungen am Kopf, Hals, Oberkörper und im Gesicht. Er wurde im Krankenhaus behandelt.

An dieser Haltestelle in Bergheim war ein 25-Jähriger mit Frau und Kind zugestiegen. Er griff einen 59-jährigen Busfahrer an und verletzte ihn schwer.
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Ende April hatten drei Unbekannte an der Bushaltestelle „Bergheim Rathaus“ auf einen Fahrkarten-Kontrolleur (36) eingeschlagen und -gestochen, ebenfalls in Bergheim. Er trug Stich- und Schnittverletzungen am Oberkörper sowie am Bein davon.
„Es vergeht keine Woche, in der ich nicht von Übergriffen auf unser Personal erfahre“, sagte REVG-Geschäftsführer Walter Reinarz in einem früheren Gespräch zu dieser Problematik. Er sprach von Pöbeleien gegen Fahrgäste, Angriffe gegen Fahrer oder Drohungen gegen Kontrolleure. Von den fast alltäglichen Beschimpfungen und Beleidigungen will der REVG-Geschäftsführer gar nicht erst reden. Damit hätten sich viele Fahrer abgefunden, „das wird kaum noch gemeldet“ – es sei denn, Grenzen würden deutlich überschritten.

REVG-Geschäftsführer Walter Reinarz.
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REVG und die Ordnungsbehörden hatten daher 2025 den Busbahnhof in der Kreisstadt bewusst ins Zentrum eines gemeinsamen Großeinsatzes gestellt. Dabei ging es darum, Präsenz zu zeigen und mögliche Randalierer abzuschrecken. Es sollte aber auch ein Zeichen für die Belegschaft sein, dass die Geschäftsführung deren Ängste ernstnimmt.
KVB hatten bereits 2022 ein Pilotprojekt mit Bodycams gestartet
Die Forderung nach besserem Schutz ist nicht neu. Bereits Mitte 2024 hatte die REVG eigenen Angaben zufolge darauf gedrängt, das Sicherheits- und Fahrausweisprüfpersonal mit Stichschutzwesten und Bodycams auszustatten. Hintergrund waren Berichte über steigende Gewalt in öffentlichen Verkehrsmitteln und Überlegungen von Verkehrsunternehmen, wie sie darauf reagieren sollten.
So hatten bereits 2022 hatten die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) ein Pilotprojekt gestartet und positive Erfahrungen gemacht: „Die Bodycams werden eindeutig erfolgreich eingesetzt. Sie wirken deeskalierend und verbessern das Sicherheitsgefühl bei Kunden wie Mitarbeitenden gleichermaßen“, erklärte unlängst eine Sprecherin. Auch bei der Düsseldorfer Rheinbahn sind fast alle eigenen Prüfer mit einer Bodycam ausgestattet.
Eine schnellere Umsetzung bei der REVG war nach Recherchen dieser Redaktion jedoch an Bedenken der hauseigenen Datenschützer und der beauftragten Sicherheitsunternehmen gescheitert. Die gravierenden Ereignisse, bei denen im April und Juni 2025 Kontrolleure schwer angegriffen worden sind, hätten aber zu einem Umdenken geführt, teilte die Sprecherin weiter mit.
Zur Höhe der Anschaffungskosten machte das Verkehrsunternehmen mit Sitz in Kerpen keine Angaben. Die Sicherheitsfirma habe die Geräte gekauft und werde nun in einem Gesamtpaket mit seinen Leistungen besser als zuvor für seine Dienste entlohnt.
Rhein-Erft-Kreis: Viele Busse verfügen über Videokameras
Der Aufsichtsratsvorsitzende Gregor Golland (CDU) begrüßt, dass die Fahrkartenkontrolleure nun Bodycams zum Schutz und Beweissicherung bekommen haben. Leider sei dieser Einsatz von Technik heutzutage ebenso wie bei Polizei und Ordnungsämtern offenbar notwendig.
Eine Mehrzahl der REVG-Busse ist zusätzlich mit Überwachungskameras ausgestattet. Deren Aufzeichnungen können bei Anfragen der Polizei als Beweismittel ausgewertet werden. Dabei handelt es sich um die eigenen Fahrzeuge der REVG, die Busse der Subunternehmer verfügen über diese Technik nicht. (jtü)
