Tankstellen in Rheinbach und UmgebungChaos an der Zapfsäule ist nicht ausgeschlossen

Im Juni 2021 war der Sprit bei Arwed Presuhn noch viel günstiger.
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Rheinbach – Es soll diejenigen Autofahrer geben, die in den vergangenen zwei Wochen immer nur das nötigste an Treibstoff nachgefüllt haben, um am 1. Juni den Tank voll zu machen. Heute ist es soweit. Nun kann der im Bundesrat beschlossene Rabatt greifen und das Benzin und der Diesel günstiger werden. Die Steuersenkung ist Teil des Entlastungspakets der Bundesregierung. Ob das nun für einen großen Ansturm an den Zapfsäulen sorgt, da sind sich Tankstellenbetreiber aus der Region uneinig.
Arwed Presuhn von der ED-Tankstelle in Swisttal-Odendorf befürchtet Chaos: „Wenn ich ehrlich bin, rechne ich mit langen Schlangen. So wie ich das sehe, spielt der Deutsche beim Auto gerne verrückt.“ Vorbereiten könne er sich und seine Mitarbeiter darauf kaum, denn zusätzliche Zapfsäulen und Kassenplätze seien nicht mal eben herbeizuzaubern. Deswegen sehe er den erwarteten Ansturm gelassen. Auf das Verhalten der Autobesitzer habe er ohnehin keinen Einfluss: „Der Kunde entscheidet, wann er tankt.“ Allerdings wünscht sich Presuhn, dass der Umgang gesittet bleibt. Er berichtet von zahlreichen Anfeindungen in den vergangenen Monaten aufgrund der hohen Spritpreise – oder wenn es beim Bezahlen mal länger dauert.
Wie es zu der Preisentwicklung kommt? Da glaubt der Tankstellenbetreiber: „Es könnte durchaus sein, dass das System hat.“ Gerade der Preis für den Liter Super ist seit Anfang Mai noch einmal auffällig angestiegen. Laut Vergleichsportalen im Internet lag der Durchschnitt in Deutschland am 1. Mai noch bei 2,03 Euro. Am 30. Mai bereits bei 2,20 Euro je Liter. Mit dem Tankrabatt würde ein Liter immer noch rund 1,90 Euro kosten. Auch Karl-Heinz Breuer, Shopleiter bei Raiffeisen in Rheinbach, hat das beobachtet. „Die Industrie spielt mit uns“, konstatiert er.
Pendler und Spediteure haben keine Wahl
Seit drei Wochen ist die Tankstelle nach zehn Monaten Zwangspause durch Flutschäden wieder im Regelbetrieb. Breuer ist froh, dass das Geschäft wieder läuft, wundert sich aber über das hohe Preisniveau. „Euphorie kommt aktuell schon auf, wenn der Liter Benzin weniger als zwei Euro kostet“, sagt er. Und obwohl er in den vergangenen Wochen beobachtet hat, dass weniger getankt wird und er vermutet, die Leute würden abwarten, ist er sich sicher: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass da jetzt viel kommt. Und wenn doch, dann vermutlich auch nur diese Woche.“
Der Shopleiter erzählt, er habe kürzlich in einer Runde mit Bekannten das Thema Kraftstoff gehabt und nachgefragt, wer denn am 1. Juni tankt. Die Antwort sei ernüchternd gewesen: „Was ist denn am 1. Juni?“ Er geht davon aus, dass viele die Senkung der Steuer nicht auf dem Schirm haben und ebenfalls viele auch gar nicht auf den Spritpreis schauten. Die Pendler und Speditionen hätten ohnehin keine andere Wahl als zu tanken.

Super für 2,20 Euro wie an dieser Tankstelle in Rheinbach ist ganz schön happig.
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Deswegen hat Breuer auch nicht die Tanks leerer werden lassen, um nun etwa günstigeren Sprit zu bestellen. „Bei uns tanken Feuerwehr, Polizei und viele andere. Wir müssen gewährleisten, dass die Tanks voll sind.“ Für die Zeit nach dem Tankrabatt der Bundesregierung hat er schlimme Befürchtungen: „Dann sind wir plötzlich im September bei 2,30 Euro den Liter oder mehr.“
Wann der Tankrabatt von knapp 30 Cent auf Benzin und 14 Cent auf den Liter Diesel tatsächlich beim Autofahrer an der Zapfsäule ankommt, steht für Experten noch nicht fest. Der ADAC empfiehlt, noch ausreichend Kraftstoff im Tank zu haben, um noch ein paar Tage nach Monatsbeginn auszukommen. Der lagernde Sprit in den Tanks sei bereits zu den höheren Sätzen versteuert. Erst wenn die Tankstellen ab dem 1. Juni neuen Sprit zu dem günstigeren Steuersatz einkaufen könnten, sinke auch der Preis für den Verbraucher.
Ein weiterer Betreiber aus der Region, der aus firmenpolitischen Gründen nicht genannt werden möchte, ist sich dagegen sicher, dass Kraftstoff schon heute deutlich günstiger sein wird. Besonders vorbereitet habe er sich darauf nicht: „Ich sehe das entspannt, da der Tankrabatt ja nicht nur für eine Woche, sondern für drei Monate kommt.“ Es sei lediglich wichtig, ausreichend Personal im Haus zu haben. Dabei erklärt er, dass die Region mit der Nähe zum Energy and Chemicals Park Rheinland, der Raffinerie in Wesseling und Godorf, gut aufgestellt sei. Wegen der kurzen Lieferwege schließe er eine Unterversorgung aus. Selbst wenn manche Betreiber ihre Tanks gezielt bis zum 31. Mai hätten leerlaufen lassen, würden sie am Mittwochmorgen rechtzeitig günstigen Sprit erhalten.
Zu der aktuellen Preisentwicklung wollte der Mann nichts sagen, betonte aber, dass die Konzerne selbst zum Festpreis einkauften. „Wir haben auch schon mal Unterdeckung gehabt, da haben wir draufgezahlt“, so der Betreiber: „Wir sind in einer schwierigen Zeit und müssen da durch kommen!“
