Der Verband der Legehennenhalter hält die Versorgung mit Eiern deutscher Herkunft nicht mehr für gewährleistet. Als Grund werden die gestiegenen Preise für Energie und Futter sowie die grassierende Vogelgrippe genannt.
Nach Speiseöl und MehlWerden nun auch noch die Eier knapp?

Verband der Legehennenhalter warnt vor Eier-Engpass - das Landwirtschaftsministerium beschwichtigt allerdings.
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Erst war das Speiseöl knapp, dann das Mehl, und nun kündigte sich pünktlich zum Beginn der Plätzchenzeit die nächste Lebensmittelkrise an: Die Eier drohen auszugehen. Das zumindest behauptet der Verband der Legehennenhalter (BVEi), der die Versorgung mit Eiern deutscher Herkunft nicht mehr für gewährleistet hält. „Die Eier sind alle“, sagt Verbandschef Henner Schönecke. Schuld seien die gestiegenen Kosten für Energie und Futter sowie die grassierenden Vogelgrippe, die beide zu einer Dezimierung der Bestände geführt hätten.
Die Warenbeschaffungskosten seien „drastisch gestiegen“, heißt es beim Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), dem der BVEi angehört. Versorgungsengpässe bei den Produzenten sowie „massive Kurzarbeit“ seien die Folge. Bereits im März hatte der Verband darauf verwiesen, dass sich die Preise für Futtermittel in kürzester Zeit mehr als verdoppelt hätten und unter Landwirten Existenzängste herrschten.
Viele Halter könnten deshalb keine neuen Legehennen einstallen – was im Umkehrschluss auch weniger Eier bedeute. Hinzu komme die Vogelgrippe, die in diesem Jahr in Europa besonders stark wütete und neben Wildvögeln auch vielen Hühnern, Gänsen und Puten das Leben gekostet habe.
Eierproduzenten ebenso von Tierseuche betroffen
Laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC wurden allein im vergangenen Herbst und Winter europaweit 48 Millionen Tiere gekeult, um ein weiteres Ausbreiten der Seuche zu verhindern. Und die diesjährige Grippesaison beginnt gerade erst. Geflügelzüchter warnen bereits, dass auch die Weihnachtgans in Gefahr sei. Und Eierproduzenten sind von der Tierseuche genauso betroffen. „Durch die Vogelgrippe, die nun durch den Vogelzug an Fahrt aufnimmt, spitzt sich die bereits knappe Versorgungslage weiter zu“, heißt es beim ZDG.
Das habe Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette, die durch die Maßnahmen in den betroffenen Gebieten „komplett aus den Fugen“ geraten sei. Laut „Lebensmittelzeitung“ haben Packstellen für Eier sowie Hersteller von Ei-Produkten für die Industrie bereits große Schwierigkeiten, den deutschen Markt mit Ware zu beliefern.
Bis Ostern werde sich die Lage wohl nicht bessern. BvEi-Chef Schönecke appelliert deshalb an Handel und Politik. Dem Handel müsse in dieser Situation klar sein, dass „die Einhaltung vertraglich vereinbarter Mengen nicht mehr leistbar“ sei, weswegen es bei den Verträgen ein Entgegenkommen brauche. Von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) fordert er, die Branche mit einem Soforthilfeprogramm zu unterstützen, um die heimische Erzeugung von Eiern abzusichern. Das Ministerium räumt die schwierige Lage auf dem Eiermarkt ein.
„Versorgung mit Eiern dennoch gesichert“
„Die Preise sind aktuell hoch, ausschlaggebend sind nach wie vor die Energiekosten“, heißt es auf RND-Anfrage. Zudem beeinflusse die Vogelgrippe die Marktlage. Allerdings schätzen Özdemirs Beamte die Situation weniger kritisch ein. „Nach den uns vorliegenden Erkenntnissen ist die Versorgung mit Eiern dennoch gesichert“, sagte ein Ministeriumssprecher. „Der Bundesregierung ist bewusst, dass die hohen Energiekosten und Strom eine Belastung für Unternehmen bedeuten“, so der Sprecher weiter.
Zu den von den Eierproduzenten geforderten Hilfen verweist das Ministerium auf die drei Entlastungspakete, die die Ampelregierung bisher auf den Weg gebracht hat. Davon werde auch die Ernährungswirtschaft profitieren, heißt es.
Bei weiteren Hilfen, etwa der Soforthilfe für Gas und Wärme, sollen demnach im Dezember auch kleine und mittlere Unternehmen „spürbar entlastet“ werden. Außerdem arbeite die Bundesregierung derzeit an der Umsetzung weiterer Entlastungen. Das von Özdemir geführte Ministerium setze sich dabei dafür ein „dass die Ernährungswirtschaft als zentrales Glied der Wertschöpfungskette“ von den Preisbremsen profitiere. (rnd)

