Anna J. war ein Instacop: Seit bekannt ist, dass sie einen mutmaßlichen Neonazi als Lebensgefährten hat, wurde ihr der exponierte Job entzogen. Folgenlos ist die Beziehung für die Beamtin bis heute nicht geblieben.
RechtsextremismusPolizistin mit mutmaßlichem Neonazi-Freund bleibt weiter im Staatsdienst

Eine Polizistin führt Geschwindigkeitskontrollen durch (Symbolbild)
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Die Polizistin Anna J. bleibt weiterhin im Staatsdienst. Sie war im Sommer 2022 in den Innendienst versetzt worden. Das „Recherche Kollektiv Ostwestfalen“ hatte berichtet, dass die Polizeikommissarin mit dem mutmaßlichen Rechtsextremisten Jannik R. zusammenlebe. Der Mann ist bereits wegen rechtsradikaler Delikte verurteilt.
„Nach Abschluss mehrmonatiger Untersuchungen haben sich keinerlei Hinweise von dienst- oder strafrechtlicher Relevanz ergeben“, erklärte Polizeisprecherin Janique Bohrmann am Montag. Im Vordergrund der Ermittlungen habe gestanden, ob Anna J. enge Kontakte ins rechtsradikale Milieu gehabt habe.
Kommissarin war Aushängeschild der Polizei Hannover
Die Diensthundeführerin hatte innerhalb der Polizeidirektion eine exponierte Stellung. Als sogenannte „Instacop“ gab sie seit September 2020 auf Instagram Einblicke in ihre tägliche Arbeit – in Bildern und Kurzvideos. Damit wollte sich die Sicherheitsbehörde bürgernah und transparent darstellen. Und auch Eigenwerbung für den Polizeiberuf machen. Ende Juni 2022 sperrte die PD dann ihren Account in dem sozialen Medium.
Jannik R. ist laut des „Recherche Kollektiv Ostwestfalen“ seit mindestens 2010 in der Neonaziszene aktiv. Außerdem habe der heute 32-Jährige Verbindungen zu Personen aus den rechtsextremistischen und verbotenen Gruppen „Combat 18″ und „Blood and Honour“.
Lebensgefährte der Polizistin überfiel linken Szene-Treff
R. zählte zu einer Gruppe von Rechtsradikalen, die im November 2010 den linken Szenetreff Hamburger Hof in Minden (Nordrhein-Westfalen) überfallen hat. Sie verwüsteten die Einrichtung, eine Person wurde verletzt. R. wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. 2014 soll Jannik R. zudem die Partei „Der III. Weg“ mitgegründet und bei Neonaziaufmärschen in Bad Nenndorf als Ordner fungiert haben.
Wie t-online meldet, hat R. laut Verfassungsschutz auch in der jüngeren Vergangenheit der rechtsextremistischen Szene angehört. Der Fall schlug hohe Wellen – bis in den Landtag. So wurde bekannt, dass das Innenministerium seit September 2021 von der problematischen Beziehung der Kommissarin zu Jannik R. wusste. Laut eines Sprechers der Polizeidirektion sei Anna J. weiterhin im Innendienst tätig, „wenn auch nicht auf eigenen Wunsch“. (rnd)
