Die Einkaufsfunktion von TikTok wird bereits von rund 15 Prozent der deutschen Online-Shopper verwendet, während die EU-Kommission die App untersucht.
Ein Jahr TikTok ShopWer in Deutschland einkauft und warum die App in der Kritik steht

Der TikTok-Shop wird nicht nur von Jüngeren genutzt.
Copyright: Sebastian Gollnow/dpa
Der TikTok Shop hat sich ein Jahr nach seiner Einführung in Deutschland einen Platz im Markt erobert. Gleichzeitig wird die Plattform für unzureichenden Jugendschutz kritisiert.
In Deutschland ist es seit rund einem Jahr möglich, Einkäufe direkt über die Video-Anwendung zu tätigen. Die als „TikTok Shop“ bekannte Funktion hat sich zwölf Monate nach ihrer Einführung im E-Commerce festgesetzt, wie die Nachrichtenagentur dpa meldet. Erhebungen des Marktforschungsunternehmens NIQ belegen, dass bis zum ersten März des aktuellen Jahres mehr als 15 Prozent der deutschen Online-Kunden wenigstens einen Kauf im TikTok-Shop getätigt haben. Dies stellt eine Zunahme gegenüber den 10,5 Prozent vom vorherigen Herbst dar.
Laut NIQ-Marktforscher Stefan Heidenreich deutet diese Entwicklung darauf hin, dass die Einkaufsfunktion immer mehr Teil der regulären Kaufgewohnheiten wird. Die Nutzung des Angebots beschränkt sich nicht auf eine junge Zielgruppe; die Käuferschaft ist über die Altersklassen bis zu einem Alter von 66 Jahren relativ homogen verteilt. Gemäß NIQ stellt Mode mit 17 Prozent die Kategorie mit dem höchsten Umsatz dar, worauf Elektronikartikel mit 16 Prozent folgen.
Zufriedenheit bei TikTok, doch konkrete Daten fehlen
Max Burianek, der den deutschen TikTok-Shop leitet, äußert sich positiv: «Wir sehen seit dem Start eine starke Entwicklung in allen Bereichen.» Das Unternehmen veröffentlicht keine genauen Nutzerstatistiken, gibt aber an, dass sich die täglichen Einnahmen der Händler im Verlauf der vergangenen sechs Monate fast verdoppelt hätten. Laut Firmenangaben sind mittlerweile über 25.000 Verkäufer auf der Plattform aktiv, zu denen auch Marken wie L'Oréal, Philips, Samsung und WMF zählen.
Resultate einer YouGov-Erhebung zeigen, dass sieben Prozent der Bundesbürger wöchentlich über TikTok einkaufen, wohingegen 50 Prozent die Einkaufsfunktion nicht einmal kennen. Ein Algorithmus präsentiert auf der Plattform Produkte, die auf dem Verhalten der Nutzer basieren. Diese Artikel können unmittelbar aus Videos oder Live-Übertragungen erworben werden. TikTok bekommt für jeden abgeschlossenen Kauf eine Gebühr.
Anreiz zu Spontankäufen und Debatte um Jugendschutz
Influencer, die Artikel anpreisen, nehmen eine wesentliche Funktion ein. TikTok bezeichnet dieses an Teleshopping angelehnte Modell als „Discovery commerce“. Frank Düssler, der Sprecher des E-Commerce-Verbandes BEVH, erkennt darin eine Methode, um Konsumenten „wieder zum Impulskauf bringen“ zu können. Ungeachtet des kommerziellen Erfolgs ist TikTok umstritten. Wegen potenziell suchterzeugender Algorithmen sowie negativer Folgen für Minderjährige hat die EU-Kommission ein Verfahren gegen den Betreiber eingeleitet. Dem Konzern könnte eine empfindliche Geldstrafe bevorstehen, wobei TikTok die Anschuldigungen von sich weist.
Der negative Einfluss von sozialen Netzwerken wird durch rezente Studien, wie eine Erhebung der Krankenkasse DAK-Gesundheit, untermauert. Laut dieser Untersuchung verwendet über ein Viertel der Minderjährigen soziale Medien in einem bedenklichen Umfang. In politischen Kreisen wird eine Verschärfung der Regelungen erörtert, wobei sich CDU und SPD für ein vollständiges Verbot von sozialen Medien für Kinder, die jünger als 14 Jahre sind, aussprechen. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
