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1. FC KölnChristian Keller reagiert auf scharfe Kritik von Jörg Jakobs

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Jörg Jakobs und Christian Keller sheen gemeinsam ein Spiel der U21 des 1. FC Köln.

Im Jahr 2022 noch gemeinsam für den 1. FC Köln tätig: Jörg Jakobs und Christian Keller (v.l.).

Nach heftiger Kritik von Jörg Jakobs meldet sich der ehemalige FC-Geschäftsführer Christian Keller zu Wort und weist die Vorwürfe zurück.

Eine scharfe Kritik an Christian Keller (drei Jahre Sport-Geschäftsführer bis Mai 2025) wurde im September 2025 von Jörg Jakobs, dem ehemaligen FC-Sportchef und Vorstandsberater, geäußert. Nun hat der frühere Geschäftsführer eine Antwort darauf gegeben.

Jakobs hatte in einem Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ zu einem Rundumschlag angesetzt. Keller sei für das Ausscheiden von Jakobs beim FC verantwortlich gewesen: „Bei mir war es so, dass ich sehr früh nach dem Amtsantritt von Christian Keller (war ab dem 1. April 2022 Sport-Geschäftsführer, d. Red.) keine beratende Funktion mehr hatte. Ich wurde wiederholt durch Christian Keller systematisch beim Vorstand diskreditiert.“

1. FC Köln: Christian Keller äußert sich zu den Vorwürfen von Jörg Jakobs

Kellers Reaktion erfolgte nun (26. Januar 2026) in einer Unterhaltung mit dem „Kicker“ auf die Jakobs-Aussagen – der hitzige FC-Streit geht damit weiter. „Ich habe das Interview nicht gelesen, aber mir wurden einige Inhalte zugetragen. Ich kann nicht verstehen, was Jörg Jakobs geritten hat, solche Aussagen zu treffen, weil sie fernab jeder Realität sind.“

Die Zusammenarbeit mit Keller sei laut Jakobs katastrophal verlaufen. Jakobs warf dem damaligen Präsidium um Werner Wolf sowie Keller zudem einen fatalen Umgang im Fall Jaka Potocnik vor, was schlussendlich zu einer Transfersperre führte.

„Ich hätte dazu geraten, das Thema möglichst geräuschlos mit Ljubljana zu klären. Ganz einfach deshalb, weil es kein so unüblicher Vorgang ist, sondern weil das in der Branche ständig so gehandhabt wird. Wir sprechen nicht darüber, ob es schlau war, den Spieler zu verpflichten. Das war es nicht, wie man heute weiß. Aber man hat Keller die komplette Deutungshoheit im Klub überlassen. In sämtlichen Themen“, so Jakobs.

Dass Keller später hervorhob, er hätte den Fall nicht seriös aufklären können, sieht Jakobs anders: „Jeder, der sich halbwegs in der Branche auskennt, sowohl im sportlichen als auch im juristischen Bereich, weiß, dass das kompletter Blödsinn ist.“

Keller meint nun dazu: „Im Nachhinein könnte man sagen: Es war ein Fehler, sich im Herbst 2022 mit Ljubljana nicht außergerichtlich geeinigt zu haben. Aber es gab, wie gesagt, sehr gute Gründe, dies nicht zu tun. Ab Herbst 2022 konnte man die Causa nicht mehr lösen, obwohl wir lange den Standpunkt hatten, dass ein Vergleich möglich wäre. Bei einem Vergleich hätte aber auch die Fifa mitwirken müssen. Und das war der Denkfehler aller Beteiligten. Denn die Fifa wollte und konnte einem Vergleich nicht zustimmen, obwohl sich beide Klubs zwischenzeitlich sogar schriftlich einig waren.“

Jakobs wollte zudem nicht gelten lassen, dass Keller den FC finanziell saniert habe: „Die Konsolidierung begann nicht mit Keller, sondern nachweisbar am 1. Juni 2021. Dass Christian Keller diesen Sparkurs fortgeführt hat, halte ich für grundsätzlich sinnvoll. Die Frage stellt sich allerdings: Wie weit sollte Sparen im Wettbewerbsumfeld Bundesliga gehen und wann beginnt das Kaputtsparen? Am Ende stand ein vermeidbarer Abstieg.“

Kellers Antwort auf diese Behauptungen: „Auch da halte ich es gerne mit Fakten: Der 1. FC Köln hatte in der Spielzeit 2021/22 den höchsten Personalaufwand seiner Historie für die Lizenzmannschaft, 60 Millionen Euro. Ich kam im April 2022. Wir senkten den Etat für 2022/23 auf 45 und für 2023/24 auf 38 Millionen Euro.“

Schließlich sprach Jakobs Keller auch die Anerkennung für einige Transfers ab, darunter den von Said El Mala: „Um mit einer Legende aufzuräumen: Es war auch vieles sehr gut vorbereitet für Christian Keller, etwa die Transfers. Denis Huseinbasic zum Beispiel war der Scouting-Abteilung bekannt und wurde als Kandidat geführt; Linton Maina war sehr weit fortgeschritten. Dann kam Eric Martel noch, ihn hat zwar Keller geholt, doch auch Eric war schon auf dem Schirm. Und sich kürzlich Said El Mala ans Revers zu heften: Im besten Fall wurde der Transfer nicht verhindert. Said geht auf andere FC-Mitarbeiter zurück.“

Keller stellt klar: „Jörg war nicht dabei. Unabhängig davon gilt: Jeder Transfer ist ein Gemeinschaftswerk. Immer. Der Sportverantwortliche wird nie einen Transfer tätigen, ohne ein Scouting und ohne sich mit dem Trainer und anderen Verantwortlichen auszutauschen. Klar ist: Wenn der Transfer gut ist, ist es ein Gemeinschaftserfolg, deshalb ist auch Said El Mala ein Gemeinschaftserfolg. Wenn ein Transfer nicht funktioniert, ist immer der Sport-Geschäftsführer verantwortlich. Und das ist auch okay so, weil es seine Aufgabe ist, die Mitarbeiter zu schützen.“

Ob Keller bald wieder ins Fußball-Geschäft einsteigt, ließ er offen: „Ich beschäftige mich derzeit mit Optionen der Selbstständigkeit, mitverantworte zwei Bauprojekte und habe Geschäftsführer-Angebote aus der klassischen Wirtschaft ohne Sportbezug. Natürlich reizt mich aber auch eine Rückkehr, denn ich weiß, was es für ein Privileg ist, im Profifußball arbeiten zu dürfen. Bis dato war aber noch keine passende Anfrage dabei.“

Dem FC traut er für die Zukunft einiges zu: „Der 1. FC Köln hätte das Potenzial, um sich regelmäßig zwischen Platz sechs und zehn einzureihen.“ (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.