Lukas Kwasniok preist nach dem Sieg über Wolfsburg die kämpferische Qualität seines Teams
1. FC Köln nach Sieg über WolfsburgDie Weltmeister vom Rhein

Trainer Lukas Kwasniok während der Partie gegen Wolfsburg am Freitagabend. Der 1. FC Köln gewann 1:0.
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In einer Liga ohne Mittelfeld ist jeder Sieg äußerst bedeutsam; das meinte Lukas Kwasniok am Freitag wohl, als er nach dem 1:0-Sieg des 1.FC Köln gegen Wolfsburg von einem „ganz wichtigen Heimerfolg für uns“ sprach. Zum Ende des 20. Spieltags steht der Aufsteiger mit 23 Punkten ziemlich solide auf dem zehnten Rang. Doch während der Rückstand auf den vierten Rang 13 Zähler beträgt, sind es nur fünf Punkte bis zum Relegationsplatz 16. Vor einem Jahr lagen zwischen dem zehnten und dem 16. Rang 15 Punkte, der Vierte war nur vier Punkte entfernt. Der Sog der Abstiegszone bleibt also spürbar für den FC, auch nach dem zweiten Heimsieg in Folge.
Die 50.000 in Müngersdorf hatten einen Abend mit sehr wenig Fußball erlebt, auch der Kölner Winterrasen hatte seinen Beitrag dazu geleistet – der Platz hat wegen des Wetters der vergangenen Wochen schwer gelitten. Das wiederum könnte eine Chance bedeuten: Am Mittwoch begrüßt die Kölner U19 Inter Mailand zum Sechzehntelfinale der Youth League im großen Stadion. Die Platzverhältnisse dürften sich dann weiter verschlechtern – was den FC-Profis vor dem Heimduell mit RB Leipzig am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) recht sein könnte.
Anspruchsvollen Fußball werden die Leipziger jedenfalls kaum anbieten können. Und die Kölner haben ohnehin andere Strategien. Auf ihrem Rasen lässt es sich gut kämpfen, das passt zu ihren Ambitionen. „Wäre ich heute TV-Zuschauer gewesen, hätte ich wahrscheinlich ausgemacht“, sagte Lukas Kwasniok, was nicht als Kritik zu verstehen war. „Wenn die Menschen Zauberfußball sehen wollen, müssen sie in ein anderes Stadion gehen.“ Was die Zuschauer zu sehen bekommen, ist „unfassbare Aufopferungsbereitschaft. Das sind Dinge, die ein bisschen in Vergessenheit geraten sind, weil das ein bisschen unsexy wirkt“, sagte der 44-Jährige.
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Er sei „extrem stolz, weil Fighten, füreinander da zu sein und sich in Bälle zu werfen Attribute sind, die zu diesem Verein und dieser Mannschaft gehören und auch zu meiner Identität. Deswegen bin ich stolz, wie die Jungs diese drei Punkte mit allen Mitteln verteidigt haben“, sagte er. Kwasniok hat eine gewisse Neigung, Spieler hart anzugehen, die ihre Aufgaben nicht erfüllen das hat ihn von seinen vorherigen Stationen begleitet. Neuerdings lenkt er die Aufmerksamkeit jedoch besonders auf die Qualitäten seiner Mannschaft, auch wenn diese nicht immer mit der Qualität im Spiel am Ball zu tun haben. Wenn Deutschland etwa Weltmeister geworden sei, dann „über Leidenschaft, Laufbereitschaft, Widerstandsfähigkeit, Mentalität. Was für Deutschland die Weltmeisterschaft ist, ist für uns der Klassenerhalt.“
Deswegen freut es mich auch bei Spielern, bei denen nicht immer alles perfekt läuft, die nicht immer technisch ganz sauber sind. Aber Fortschritte machen. Das ist doch der Sinn im Fußball und im Leben: sich zu verbessern, Widerstände zu überwinden
Nach den Untiefen des Wintertrainingslagers und der langen Serie siegloser Partien ist es aus Kwasnioks Sicht nur folgerichtig, den Zusammenhalt zu betonen. Ein leuchtendes Beispiel für den Trainer ist Kristoffer Lund. Der US-Nationalspieler dänischer Herkunft kam im Sommer aus der italienischen Serie B; man habe ihn geholt im Wissen, dass „er das Herz am richtigen Fleck hat, ein brutaler Arbeiter ist“, sagte Kwasniok am Freitag. Nach gutem Saisonstart hatte Lund jedoch mehrere folgenschwere Patzer gezeigt. Die Gewöhnung an das Niveau der neuen Liga fiel ihm schwer, und nicht immer war er zuletzt erste Wahl.
Doch der Linksverteidiger habe fanatisch an sich gearbeitet. „Es gab Phasen, da ist er nach Auswärtsspielen, wenn wir spätabends nach Hause kamen, noch mit Ragnar Ache aufs Laufband gegangen. Das ist seine Arbeitseinstellung. Ragnar ist vorwärtsgekommen, Lundi ist weitergekommen. Und das ist der Geist, den sie hier in dieser Mannschaft verbreiten“, berichtete Kwasniok. „Deswegen freut es mich auch bei Spielern, bei denen nicht immer alles perfekt läuft, die nicht immer technisch ganz sauber sind. Aber Fortschritte machen. Das ist doch der Sinn im Fußball und im Leben: sich zu verbessern, Widerstände zu überwinden. Das spürt man bei Lundi, dass er einfach besser wird. Er ist unverwüstlich, ein ganz feiner junger Mann.“

Kristoffer Lund hat seinen Trainer zuletzt beeindruckt.
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Die Weltmeister vom Rhein stehen jedoch vor großen Herausforderungen. Die Leipziger werden nach dem Rückschlag gegen Mainz mit großer Wachsamkeit nach Müngersdorf reisen. Anschließend heißen die Kölner Gegner Stuttgart und Hoffenheim. Der Zusammenhalt wird also weiter vonnöten sein – und er würde auf die Probe gestellt, sollten die Ergebnisse wie zum Ende der Hinrunde nachhaltig ausbleiben.
Denn es liegt in der Natur einer Fußballmannschaft, dass in einem Kader nie alle zufrieden sind. Florian Kainz etwa, der ehemalige Kapitän und FC-Veteran, stand gegen Wolfsburg wieder nicht im Kader. Luca Waldschmidt spielte keine Minute, Denis Huseinbasic ebenfalls nicht. Und auch Said El Mala wird sich von seiner Rückrunde mehr erhofft haben als 15-Minuten-Einsätze gegen strauchelnde Wolfsburger.
Kwasniok setzt das Mittel des unzufriedenen Spielers durchaus bewusst ein, auf diese Weise erhöht er den Druck im Kader. Den Eindruck, dass er mehr von Ergebnissen abhängig ist als üblich, weist er jedoch zurück. Es habe in seiner Mannschaft auch vor den Siegen über Mainz und Wolfsburg gestimmt. „Ich erzähle keine Geschichte vom Gaul. Ich habe das auch in der Zeit gesehen, in der wir Spiele verloren haben. Und das ist auch der Grund, warum wir uns aus dieser misslichen Lage herausgearbeitet haben.“

