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„Einiges beschäftigt ihn“Umgang mit Ausnahmetalent El Mala – Der Spagat des 1. FC Köln

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Zuletzt wiederholt Joker: Lukas Kwasniok, Trainer des 1. FC Köln, gibt Ausnahmetalent Said El Mala vor der Einwechslung taktische Anweisungen.

Zuletzt wiederholt Joker: Lukas Kwasniok, Trainer des 1. FC Köln, gibt Ausnahmetalent Said El Mala vor der Einwechslung taktische Anweisungen.

Der Klassenerhalt steht klar an erster Stelle. Die FC-Verantwortlichen um Trainer Kwasniok werden aber auch daran gemessen, wie sie mit Said El Mala umgehen.

Der Umgang mit seinem Ausnahmetalent ist für Lukas Kwasniok nicht nur eine hehre und anspruchsvolle, sondern seine bisher wohl schwierigste personelle Aufgabe beim 1. FC Köln. Und das in seiner ersten Saison als Cheftrainer in der Bundesliga überhaupt.

Primärer Auftrag an Kwasniok ist das Wohl des FC, den er nach der Rückkehr ins Oberhaus zum Klassenerhalt führen muss. Dieses Ziel steht klar an erster Stelle. Doch der 44-Jährige wird auch daran gemessen, wie er Said El Mala fordert und fördert, wie er die fußballerischen Waffen des 19-Jährigen im Sinne aller Beteiligten am besten einsetzt und zur Geltung bringt. Es ist ein Balanceakt, den er geschickt moderieren muss.

Im Idealfall trägt El Mala, der im November von Bundestrainer Julian Nagelsmann erstmals in den DFB-Kader berufen wurde, mit seiner Klasse und Toren entscheidend zur Kölner Rettung bei. Und sichert sich das WM-Ticket. Doch es könnte auch anders laufen. Schlechter. Beim letzten FC-Spiel in Freiburg (1:2) ließ Kwasniok El Mala 67 Minuten lang außen vor, und als der Offensivspieler reinkam, wurde er in einem schwierigen Spiel, in dem er von den Freiburgern gleich doppelt gedeckt wurde, nicht mehr zum Faktor. Zum Jahresauftakt in Heidenheim (2:2) saß das Ausnahmetalent ebenfalls zu Beginn auf der Bank – und traf unmittelbar nach seiner Einwechslung herrlich. Im Heimspiel gegen Union Berlin (0:1) kurz vor Weihnachten durfte El Mala auch nur 22 Minuten ran.

Es ist vielleicht das erste Mal, seitdem sein Weg nach oben gegangen ist, dass er ein bisschen ins Stocken geraten ist.
FC-Trainer Lukas Kwasniok über Said El Mala

Die Rolle des 19-Jährigen unter Kwasniok könnte sich verändert haben. Gesetzt scheint El Mala jedenfalls nicht. Das gilt auch für das wichtige Heimspiel am Freitag (20.30 Uhr) gegen den Mitkonkurrenten VfL Wolfsburg. Kwasniok beschreibt eine Phase, in der der zuvor steil verlaufende Aufstieg des Youngsters, der bereits sieben Saisontore erzielte, erstmals auf Hindernisse trifft. „Es ist vielleicht das erste Mal, seitdem sein Weg nach oben gegangen ist, dass er ein bisschen ins Stocken geraten ist“, sagt Kwasniok. Der Durchbruch, der noch bis Mitte Dezember scheinbar mühelos wirkte, ist inzwischen etwas mühevoller. Und bei allem Hype gilt es zu bedenken: Das große Talent ist erst 19 Jahre alt. Da sind Schwankungen Teil der Entwicklung.

Gleichzeitig bleibt die Erwartungshaltung hoch. Sie ist ein Fluch der guten Tat. „Man geht ja davon aus, er ist jetzt so durch die Decke gegangen, also geht es die ganze Zeit genauso weiter“, beschreibt Kwasniok die Wahrnehmung von außen. Darin sieht er eine der größten Gefahren: Der Glaube an eine lineare Erfolgsstory kann junge Spieler schnell überfordern. Der Trainer betont, dass es ihm in dieser Phase vor allem darum geht, El Mala vor mentaler Überlastung zu schützen — ohne ihn zu bremsen: „Wir versuchen die ganze Zeit, so zu kommunizieren und behutsam damit umzugehen, dass der Spieler die Freude an dem, was er am liebsten macht, nicht verliert.“ Doch der öffentliche Hype erschwert den Ansatz – meint der Trainer: „Es hilft natürlich nicht, wenn der Hype so immens wird.“

Bereits im Trainingslager an der Costa Blanca habe er gespürt, dass einiges am Spieler nicht spurlos vorübergegangen sei. „Ich habe das erste Mal das Gefühl gehabt, dass es ihn alles ein bisschen beschäftigt“, erklärt er. Kwasniok verweist auf die Lebensrealität junger Profis in der digitalen Gegenwart. „Die Jungs leben ja im Handy. Du siehst deine eigene Visage nicht im Spiegel, sondern im Handy — die ganze Zeit“, sagt er. Diese ständige Konfrontation mit Lob, Kritik und öffentlicher Wahrnehmung könne Auswirkungen auf Selbstbild und Leistungsfähigkeit haben. Dabei macht der Trainer deutlich, dass diese Situation für alle neu ist. „Wir alle haben das noch nicht erlebt: er nicht, wir nicht.“

Hype und Begehrlichkeiten

Hinzu kommt, dass El Malas Leistungen längst Begehrlichkeiten über Köln hinaus geweckt haben. Mehrere Klubs haben den 19-Jährigen auf dem Zettel — am konkretesten ist das Interesse von Brighton & Hove, dem Zwölften der Premier League, der vom Deutschen Fabian Hürzeler trainiert wird. Aber nicht nur El Mala und sein Umfeld müssen auch mit diesen Themen umgehen, sondern auch die Kölner Verantwortlichen um den zum Sportgeschäftsführer beförderten Thomas Kessler. Auch sie sind im besonderen Maße gefragt – vor allem dann, wenn es ernst werden sollte.

Sportlich will Kwasniok konsequent sein. Das Juwel erhält keinen Sonderstatus. „Bei Said gilt wie bei jedem anderen auch das Leistungsprinzip“, stellt der Trainer klar und ergänzt: „Da wird es auf die richtige Dosis an Startelf-Einsätzen und Joker-Einsätzen ankommen.“ Das heißt wohl weiterhin: mal von Beginn an, mal von der Bank. Schon vor kurzem hatte Kwasniok gesagt, dass er zwar „den besten Einwechselspieler der ganzen Liga“ zur Verfügung habe, El Mala aber, und das sei der große Unterschied, „definitiv nicht der beste Spieler der Bundesliga“ sei. Im Lager von El Mala soll bereits so manche Aussage von Kwasniok eher weniger gut angekommen sein.

FC will noch Transfer tätigen

Unabhängig von der Debatte um El Mala hat sich die personelle Lage beim FC zuletzt zwar verbessert, ist aber nicht optimal. Der bisher überzeugende Winter-Neuzugang für die Abwehr, Jahmai Simpson-Pusey, fällt erneut verletzt aus, zudem kommt ein Einsatz von Innenverteidiger Joël Schmied noch zu früh. Man wolle „das Risiko nicht gehen“, so Kwasniok. Gleichzeitig deutet der Trainer an, dass der FC auf dem Transfermarkt doch noch tätig werden könnte – und das auch beabsichtigt. „Wir gucken schon, aber so der Klassiker ist ja: Wir wollen nichts ausschließen“, sagt Kwasniok mit Blick auf das bis zum 2. Februar geöffnete Transferfenster. Der Klub habe „nichts dagegen, wenn was passieren würde auf der Zugangsseite“, räumt er ein — auch wenn mögliche Verpflichtungen eng mit potenziellen Abgängen verknüpft seien. „Es ist halt Showbusiness, täglich veränderbar“, sagt der Coach. Und Kwasniok und El Mala zählen ebenfalls dazu.