Abo

„Für die Jungs ist das alles neu“50.000 bei U19-Spiel des 1. FC Köln – Die Größe des Abends in Müngersdorf

5 min
1. FC Köln vs. VFL Wolfsburg, 20. Spieltag, 30.01.2026, 20.30 Uhr, Youssoupha Niang (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Sammelte erste Erfahrungen mit dem 1. FC Köln in der Bundesliga: Youssoupha Niang

Die Vorfreude bei der U19 des FC auf das Youth-League-Duell mit Inter ist riesig, doch die gewaltige Bühne ist eine Herausforderung.

Der Rahmen ist ein anderer, ungewohnt und neu. Nicht für den Trainer der U19 des 1. FC Köln, der erfahrene Steffen Ruthenbeck hat die Kölner Profis in der Saison 2017/18 in der Bundesliga gecoacht. Aber für seine Spieler, allesamt Teenager, teilweise noch nicht volljährig. Der FC spielt am Mittwoch (18 Uhr) im ausverkauften Rhein-Energie-Stadion gegen Inter Mailand um den Einzug in das Achtelfinale der Youth League. Noch nie zuvor in der Geschichte dieses Wettbewerbs zog ein Duell mehr Zuschauer an.

„Für die Jungs ist das alles neu: 50.000 Fans, ein Gegner wie Inter Mailand, Flutlicht, Kameras. Das erzeugt Euphorie – und genau da liegt meine Aufgabe“, sagt der 53-Jährige. Er sei ohnehin nicht der Typ für große emotionale Ansprachen vor dem Anpfiff, eher im Gegenteil. „Ich will sie beruhigen, ihnen Sicherheit geben. Die Gefahr ist, dass man überpaced, dass man nur noch rennt und vergisst, Fußball zu spielen. Deswegen erzähle ich ihnen auch von meinen eigenen Erfahrungen aus der Bundesliga. Nicht, um mich wichtig zu machen, sondern um ihnen zu zeigen: Man kann das alles einordnen. Man kann das schaffen“, sagt Ruthenbeck, der zudem die Zweitligisten Fürth und Aalen betreute. Ruthenbecks Erfahrung und Gelassenheit sollen zu einer Art Schutzschild für die Mannschaft werden. „Die Jungs sollen wissen: Fehler gehören dazu. Wenn sie Herz zeigen, Leidenschaft, Mut – dann sind sie bei diesem Publikum genau richtig. Und ich glaube, es hilft ihnen ungemein, dass da jemand steht, der die Atmosphäre kennt. Sie sollen spüren, dass wir ihnen vertrauen und dass sie nicht von der Größe des Abends erschlagen werden müssen.“

Ich will die Spieler beruhigen, ihnen Sicherheit geben. Sie sollen spüren, dass wir ihnen vertrauen und dass sie nicht von der Größe des Abends erschlagen werden müssen.
FC-Trainer Stefan Ruthenbeck

Während sich die FC-Junioren der Jahrgänge 2006 bis 2008 mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft der A-Junioren für den sogenannten Meisterweg des kontinentalen Wettstreits qualifiziert hatten, folgten die Norditaliener automatisch ihrem für die Champions League berechtigten Herrenteam in den prestigeträchtigsten aller europäischen Fußball-Klubwettkämpfe. So will es der Modus. „Wir haben alle Begegnungen von Inter analysiert und werden gut vorbereitet in dieses Duell gehen. 50.000 Fans bei einem Jugendfußballspiel – das ist einfach der pure Wahnsinn. Wir sind unfassbar stolz und wollen alles geben, um diesen Abend zu einem für uns alle unvergesslichen Moment werden zu lassen“, erklärt Ruthenbeck, der den Gegner in der Favoritenrolle sieht: „Inter ist absolute Topqualität. Sie haben Liverpool zuletzt 5:0 geschlagen. Die U18 führt in Italien, die U20 ist Zweiter. Da kommt die Crème de la Crème nach Köln.“

Das Duell mit den Lombarden hatte der Coach unmittelbar nach der Auslosung als Traumlos bezeichnet. „Da kamen gleich Kindheitserinnerungen hoch, als ich mit meinem Papa als Steppke im Müngersdorfer Stadion das erste Mal das große Inter gegen den FC live miterlebt habe.“ Lange ist's her. Die letzten direkten Duelle zwischen den Klubs gab es im Frühjahr 1985. Ruthenbeck war damals zwölf Jahre alt, als Karl-Heinz Rummenigge nach einem 1:0 in Mailand im Rückspiel in Köln beim 3:1-Sieg zweimal traf und Inter in das Viertelfinale des Uefa-Cups führte.

In der Youth League werden die Spiele im Durchschnitt von einigen Hundert Fans besucht. Den bisherigen mit 40.368 Besuchern gehaltenen Zuschauerrekord aus dem Spiel zwischen Trabzonspor (Türkei) und Inter Mailand aus der vergangenen Saison pulverisierte der FC gut eine Woche vor dem Anpfiff. Für die Kölner ist es die zweite Teilnahme seit Bestehen der Youth League. Die erste endete vor vier Jahren nach zwei Spielen gegenden KRC Genk. Diesmal meisterten die FC-Talente die ersten beiden Hürden souverän. Racing Luxemburg und Midtjylland hatten Ruthenbecks Kollektiv in Hin- und Rückspiel jedenfalls nichts Entscheidendes entgegenzusetzen.

Spieler wegen Klassenfahrt nicht dabei – Said El Mala keine Option

Für den FC werden die beiden Jung-Profis Fynn Schenten und Youssoupha Niang noch einmal im Nachwuchs mitmischen und am Mittwochabend in der Startelf stehen. Der 18-jährige Schenten hat in den vergangenen Monaten eine enorme Entwicklung hingelegt und in 18 Juniorenspielen 15 Treffer erzielt, in der Youth League waren es in vier Spielen fünf Tore. In der Bundesliga kam der Deutsch-Franzose dreimal zum Einsatz.

Der 19-Jährige Niang kann mittlerweile ebenfalls drei Kurzeinsätze in der Bundesliga für sich verbuchen, beim 1:0-Sieg gegen Wolfsburg am Freitag kam der Offensivspieler kurz vor dem Abpfiff ins Spiel. Schenten und Niang seien für die U19-Teamkollegen „Vorbilder.Aber nicht, weil sie sich aufspielen oder irgendetwas Besonderes verlangen würden. Sondern weil sie die Entwicklung hinter sich haben, die wir bei allen Spielern anstoßen wollen: harte Arbeit, Geduld, Demut – und dann die Chance nutzen, wenn sie kommt. Und dass sie am Mittwoch auflaufen, zeigt den anderen Jungs: Der Weg ist möglich. Er ist nah. Und er ist real“, sagt Rutenbeck, der drei Spieler des Jahrgangs 2006 aufbieten darf.

Neben Niang setzt der Coach auch auf U-17-Welt- und Europameister Fayssal Harchaoui. Bundesliga-Senkrechtstarter Said El Mala, ebenfalls 19, ist hingegen keine Option. „Said erfüllt schlicht eine formale Bedingung nicht. Als 2006er-Jahrgang musst du eine gewisse Zahl an Jahren im Verein verbracht haben, um für die Youth League gemeldet werden zu dürfen. Said kam von Viktoria Köln, und deshalb ist er für diesen Wettbewerb nicht spielberechtigt. Da gibt es keine Graubereiche“, erklärt der Coach, der – und das sind dann eben die besonderen Umstände im Juniorenfußball – auch auf ein paar Spieler wegen einer Klassenfahrt verzichten muss. „Das klingt für die Öffentlichkeit natürlich verrückt, aber das ist unser Alltag“, sagt Ruthenbeck. Aber da behalte der Pädagoge vor dem Trainer die Oberhand. „Und das ist in dieser Situation dann auch gut so.“