Abo

„Hat es mehrfach bewiesen“FC-Vorstand spricht Trainer Kwasniok das Vertrauen aus

5 min
27.02.2026, Bayern, Augsburg: Fußball: Bundesliga, FC Augsburg - 1. FC Köln, 24. Spieltag, WWK-Arena. Trainer Lukasz Kwasniok (1. FC Köln) gestikuliert. Foto: Harry Langer/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++

FC-Trainer Lukas Kwasniok während des Spiels in Augsburg. Die Kölner kassierten eine 0:2-Niederlage.

Die Situation für den 1. FC Köln ist deutlich brenzliger geworden. Doch vom Vorstand erhält Cheftrainer Lukas Kwasniok Rückendeckung.

Trotz anhaltender sportlicher Talfahrt erhält Trainer Lukas Kwasniok weiterhin Rückendeckung von den Verantwortlichen des 1. FC Köln. Der Vorstand des Bundesliga-Aufsteigers stellt sich demonstrativ hinter den 44-Jährigen und spricht ihm das Vertrauen aus – auch wenn die jüngste Entwicklung Anlass zur Sorge gibt und der Druck vor den kommenden Wochen spürbar wächst.

„Solche Phasen wie aktuell gehören für einen Aufsteiger in dieser Liga zur Realität dazu. Wir haben in dieser Saison bereits gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sind und Spiele auf diesem Niveau gewinnen können. Die aktuelle Punktausbeute zeigt keinen guten Trend auf. Entscheidend ist jetzt der Umgang damit “, sagt Ulf Sobek dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Der FC-Vizepräsident Sport stellt sich hinter Kwasniok – zumindest vorerst: „Wir analysieren sehr klar und intern sehr kritisch, ohne in Hektik zu verfallen. Am Geißbockheim wird intensiv und fokussiert gearbeitet – mit voller Konzentration auf Lösungen. Lukas Kwasniok kennt Drucksituationen und hat in seiner Laufbahn mehrfach bewiesen, dass er Mannschaften stabilisieren und entwickeln kann. Ich erlebe täglich, mit welcher Intensität und Klarheit er mit seinem Trainerteam arbeitet. Wir stehen in einem engen, vertrauensvollen Austausch mit der sportlichen Leitung rund um Thomas Kessler. Jetzt geht es darum, gemeinsam die richtigen Stellschrauben zu justieren und die Mannschaft in die Erfolgsspur zurückzuführen.“

Lukas Kwasniok kennt Drucksituationen und hat in seiner Laufbahn mehrfach bewiesen, dass er Mannschaften stabilisieren und entwickeln kann. Ich erlebe täglich, mit welcher Intensität und Klarheit er mit seinem Trainerteam arbeitet.
FC-Vizepräsident Ulf Sobek über Trainer Lukas Kwasniok

Der Trend zeigt klar nach unten. Nach einem überzeugenden Start in die Saison mit 14 Punkten aus den ersten neun Spielen (1,55 Punkte pro Partie) ist der FC zunehmend ins Straucheln geraten. In den folgenden 15 Begegnungen kamen lediglich noch zehn Zähler hinzu, was einem Schnitt von nur 0,66 Punkten entspricht. Besonders ernüchternd fiel zuletzt der Auftritt bei der 0:2-Niederlage beim FC Augsburg aus, bei dem die Kölner in nahezu allen Mannschaftsteilen enttäuschten und kaum Bundesliga-Niveau erkennen ließen. Zwar stand der FC in dieser Saison bislang noch kein einziges Mal auf einem Abstiegsplatz und zeigte auch viele ordentliche Leistungen, doch die benötigten Ergebnisse blieben zuletzt aus. Da auch die Konkurrenz im Keller mittlerweile punktet und am Samstag Bremen, St. Pauli und Gladbach durch Siege ordentlich Boden gutmachten, gestaltet sich im Kampf um den Klassenerhalt die Lage für den FC zunehmend brenzlig. 

1. FC Köln vs. VFL Wolfsburg, 20. Spieltag, 30.01.2026, 20.30 Uhr, von links: Jörn Stobbe, Ulf Sobek (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

FC-Präsident Jörn Stobbe (l.) und Vize Ulf Sobek, der im Vorstand den Sport verantwortet.

Erschwerend kommt die angespannte Personalsituation hinzu. Vor allem in der Defensive ist der FC derzeit durch mehrere Muskelverletzungen stark dezimiert, was die taktischen Möglichkeiten einschränkt und die ohnehin fragile Stabilität zusätzlich belastet. Dennoch erwarten die Verantwortlichen kurzfristig eine sportliche Reaktion.

Drei Spiele vor der Länderspielpause richtungsweisend

Denn trotz der öffentlichen Rückendeckung ist klar: Kwasniok muss nun liefern. Die drei anstehenden Spiele vor der Länderspielpause – am kommenden Samstag (18.30 Uhr) gegen Borussia Dortmund, beim Hamburger SV sowie im Derby gegen Borussia Mönchengladbach – gelten intern als richtungsweisend. Sollten weitere Niederlagen folgen, dürfte sich die Bewertung der Trainerarbeit deutlich verschärfen. Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler, der ebenfalls noch klar hinter dem vom ihm selbst geholten Trainer steht, müsste sich dann intensiver mit Alternativen befassen. In den Gremien des Klubs ist man angespannt, spricht dem Coach, wie zu erfahren war, aber aktuell ebenfalls noch das Vertrauen aus. Gleichwohl ist nicht zu übersehen, dass es bereits Stimmen gab, die eine Trennung vom Trainer schon in der Winterpause für konsequent gehalten hätten. Auch in den Gremien ist man überzeugt davon, dass der Kader genügend Potenzial hat, um die Klasse zu halten.

Während die FC-Verantwortlichen geschlossen hinter Kwasniok stehen, wächst vor allem im Umfeld die Skepsis. Ein Teil der Fans reagiert zunehmend kritisch auf den Trainer. Dabei sorgen nicht nur die ausbleibenden Ergebnisse, sondern auch sein Auftreten außerhalb des Platzes für Widerstände. Die Stimmung rund um das Geißbockheim ist entsprechend angespannt.

Unabhängig vom kurzfristigen Ausgang der kommenden Wochen deutet sich jedoch an, dass die Personalie Kwasniok über den Sommer hinaus grundsätzlich neu bewertet werden könnte. Selbst im Fall des Klassenerhalts, auf den der FC trotz der jüngsten Talfahrt weiterhin alle Chancen hat, dürfte eine Neubewertung erfolgen. Kwasniok steht in Köln noch bis zum 30. Juni 2028 unter Vertrag – eine Laufzeit, die zwar Planungssicherheit suggeriert, angesichts der sportlichen Entwicklung jedoch keine Garantie für Kontinuität ist.

Wir müssen uns jetzt schütteln und gegen Dortmund unseren ersten Sieg an einem Samstagabend einfahren.
FC-Trainer Lukas Kwasniok

Kwasniok selbst hatte sich nach der Pleite in Augsburg erstmals spürbar nachdenklicher gezeigt, gab sich in der Analyse aber weiterhin kämpferisch. „Wir sind bedient, weil wir ein wichtiges Spiel verloren haben“, sagte der Trainer. Zugleich beschwor er vor dem Duell mit Dortmund eine mögliche Überraschung: „Wir müssen uns jetzt schütteln und gegen Dortmund unseren ersten Sieg an einem Samstagabend einfahren. Die Situation ist herausfordernd, aber es war von Anfang an klar, dass es um den Klassenerhalt gehen würde.“

Dabei verwies Kwasniok auch auf die aktuelle Tabellenlage. „Wir stehen mit 24 Punkten über dem Strich. Das zeigt, dass nicht alles bodenlos ist. Im Gegenteil: Wir sind komplett in der Verlosung“, sagte der Coach und ergänzte mit Blick auf das Saisonziel: „Am Ende werden wir rund 35 Punkte brauchen.“ Zugleich betonte er, sich der schwierigen Lage bewusst zu sein: „Wir laufen nicht mit geschlossenen Augen durchs Leben. Wir wissen, dass wir Spiele gewinnen müssen.“

Aus der Mannschaft kamen ebenfalls selbstkritische, aber kämpferische Töne. Kapitän und Torhüter Marvin Schwäbe ordnete die Situation ein: „Wir müssen ehrlich sein, gegen wen wir zuletzt gespielt haben. Wir müssen weiter hart arbeiten und es besser machen. Trotzdem wissen wir, wo wir stehen und welches Potenzial wir haben.“ Deutlichere Worte fand nach der Niederlage in Augsburg Mittelfeldspieler Tom Krauß: „Das ist absolut nicht befriedigend. In solchen Spielen musst du punkten. Das haben wir nicht. Die da unten schlafen nicht – wir müssen liefern.“