Der Bundestrainer verlangt vom Kölner Flügelstürmer, sich einen Stammplatz zu erarbeiten, wenn er seine WM-Chancen wahren will
Kein Stammspieler in KölnNagelsmanns Ansage an Said El Mala

Said El Mala bei seiner Länderspielreise im November mit Bundestrainer Julian Nagelsmann in Luxemburg
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Beim trüben 0:2 in Augsburg fehlte dem 1. FC Köln vor allem eine funktionierende Spielidee nach vorn. Zwar hatten die Kölner gegen defensiv enorm stabile Schwaben deutlich mehr Ballbesitz. Doch kaum einmal brachten sie eine gefährliche Aktion vor das gegnerische Tor. Ohne Angriffsmuster hätte Kölns gefährlichster Spieler eine Hilfe sein können, doch Said El Mala kam erst in der 66. Minute von der Bank, als der FC schon 0:1 zurücklag. Dass der 19-Jährige nicht von Beginn an spielt, ist nach wie vor eher Regel als Ausnahme: Bei nur elf von 26 Gelegenheiten erlebte El Mala den Anpfiff in dieser Saison auf dem Platz, Teile der Anhängerschaft sehen den Umgang des Kölner Trainers Lukas Kwasniok mit dem Ausnahmetalent kritisch.
Doch nach der Partie in Augsburg stellte Kwasniok gleich klar, dass er keine Wahl gehabt hatte. „Es war unmöglich. Ich war happy, dass er uns heute zur Verfügung stand. Alles andere wäre verantwortungslos gewesen. Eine halbe Stunde war das Maximale der Gefühle“, erklärte Kwasniok.
El Mala hatte nach muskulären Beschwerden in der Woche vor dem Spiel kaum trainiert — „nicht einen Sprint“, wie Kwasniok berichtete, habe der Spieler angezogen. Dass die Partie in Augsburg aus Kölner Sicht gerade nach vorn so wenig erbaulich verlief, habe seinen Entschluss nicht verändert. „Unabhängig vom Ergebnis muss man sachlich, ruhig und auch im Sinne des Spielers handeln. Und das haben wir heute gemacht. Den Wunsch konnte ich uns selbst eben auch nicht erfüllen“, sagte Kwasniok bei Sky, und schob hinterher: „Zur Klarstellung: Er hat vergangene Woche ein Tor und einen Assist gemacht und ich hätte ihn auch gerne von Beginn an auf dem Feld gehabt. Aber es geht da nicht um meine Wünsche, sondern einfach um die Medizin.“
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El Mala hätte also begonnen, was den Eindruck verstärkt, der Spieler sei mittlerweile einer der FC-Profis aus dem engsten Kreis der Stammspieler, bei aller Rotationsneigung des Trainers. Für El Mala hat das einige Bedeutung, denn im Sommer hofft der Teenager auf eine Einladung ins WM-Team der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Im vergangenen November war der Kölner schon einmal berufen, spielte aber unter Julian Nagelsmann gegen Luxemburg (2:0) keine Minute und reiste anschließend zurück zur U-21-Auswahl, um Platz im Kader zu schaffen für den von einer Sperre zurückgekehrten Karim Adeyemi. Das folgende 6:0 über die Slowakei absolvierte die deutsche Elf dann ohne den Kölner Flügelstürmer.
Im „Kicker“ gab Nagelsmann nun ein ausführliches Interview, in dem er auch seine Pläne für den WM-Kader offenbarte. Generell habe er gern viel Jugend im Kader, „weil ich glaube, dass es immer gut tut. Trotzdem muss man den Verlauf bei den jungen Spielern im Blick haben. Der ist gerade so, wie er eigentlich immer ist“, sagte der Bundestrainer.
Es ist noch mal ein Unterschied, ob du bei Bayern oder bei Köln bist. Er muss einfach mehr Spielzeit bekommen in Köln
Lennart Karl zum Beispiel, der unlängst 18 Jahre alt gewordene Ausnahmespieler des FC Bayern, habe zuletzt eine stabile Phase erlebt. Nun habe er weniger Einsatzzeiten, weil auch Jamal Musiala zurückgekehrt sei. Dennoch bleibe Karl „natürlich ein sehr interessanter Spieler, auch von seinem Profil, weil er oft ins Eins-gegen-eins geht, weil er von rechts nach innen ziehen kann auf seinen linken Fuß, weil er schwer zu greifen ist“, sagte Nagelsmann, und zu Karls Rolle im Münchner Kader: „Ich habe nicht den Anspruch, dass er Stammspieler wird, um dann bei der WM dabei zu sein. Denn das wird er nicht. Aber er muss schon einen gewissen Rhythmus sammeln, bei jungen Spielern geht es viel ums Selbstvertrauen. Er darf nicht zu uns kommen und dann die graue Maus sein, sondern er muss diese jugendliche Frische und das Freche reinbringen. Sonst kann ich auch einen Erfahrenen mitnehmen, der verlässlich seinen Stiefel spielt.“
In dem Kontext stellte sich auch die Frage nach El Mala: „Ja, ich finde, dass er es bei uns im November ordentlich gemacht hat, aber es ist noch mal ein Unterschied, ob du bei Bayern oder bei Köln bist. Er muss einfach mehr Spielzeit bekommen in Köln“, forderte Nagelsmann. Die Ansage richte sich ausdrücklich nicht gegen Lukas Kwasniok, „weil ich ihn als einen Trainer kennengelernt habe, der genau beobachtet, was er für sein Spiel benötigt, auch in der Defensive. Said muss den Anspruch haben, dass er in Köln Stammspieler ist und immer spielt, aber er spielt 50 Prozent, das ist zu wenig. Und das liegt nicht am Trainer, was man dann oft meint, sondern es liegt an ihm selbst, wie stabil er in der Defensive arbeitet“, urteilte der 38-Jährige.

Lukas Kwasniok hätte Said El Mala nach dessen starker Leistung gegen Hoffenheim gern starten lassen, doch eine Verletzung warf den Teenager zurück.
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Kwasniok habe offenbar nicht den Eindruck, voll auf El Mala als Teamspieler zählen zu können. „Wenn Lukas sich darauf verlassen kann, dass Said immer dasselbe Niveau spielt, warum soll er ihn nicht spielen lassen? Er ist einer der schnellsten Spieler im Kader, hat einen super Schuss, ist torgefährlich. Ein Trainer verzichtet nicht freiwillig auf seinen Top-Spieler, sondern er tut dies, wenn er denkt, dass dieser ihm vielleicht manchmal nicht das gibt, was er für das jeweilige Spiel braucht.“ El Mala müsse sich bei seinem Trainer aufdrängen, nur dann werde er als FC-Profi seine WM-Chance erhalten. Man müsse „Tom Bischof, Lennart Karl oder Aleks Pavlovic ein bisschen anders bewerten, weil die Kaderstruktur bei Bayern eine andere ist als in Köln.“

