Der Kölner Sport-Geschäftsführer sagt, dass der FC die Kaufoption für Leistungsträger Jakub Kaminski ziehen wird.
Offenbar doch nicht nur ein VorkaufsrechtFC-Sportchef Kessler kündigt Kaminski-Transfer an

Einer der wenigen Kölner Aktivposten auf dem Millerntor: Jakub Kaminski (l., im Duell mit Mathias Pereira Lage vom FC St. Pauli)
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Jakub Kaminski zögerte in seinem 100. Bundesligaspiel keine Sekunde. 83. Minute am Millerntor, der 1. FC Köln lag mit 0:1 in einer Partie zurück, in der beim Bundesliga-Aufsteiger offensiv lange kaum etwas zusammenlief. Der Pole nahm Tempo auf, zog an zwei Gegenspielern vorbei, behauptete den Ball auf engstem Raum und drang bis zur Grundlinie durch. Dann kam Karol Mets einen Schritt zu spät. Foul. Elfmeter. Ein Moment, der für beide Mannschaften große Auswirkungen hatte.
Luca Waldschmidt übernahm kurz darauf die Verantwortung und verwandelte sicher zum Ausgleich. Doch die Szene gehörte Kaminski. Ohne sein Dribbling würde der FC wohl wieder deutlich tiefer im Tabellenkeller stecken, statt sich zumindest ein kleines Polster zu bewahren. Es war der 23-Jährige, der die Ideenlosigkeit einer über weite Strecken harmlosen Offensive durchbrach und die Wende einleitete – wie schon in der Vorwoche beim Sieg gegen Werder Bremen, als er ebenfalls einen Strafstoß herausholte.
Gerade jetzt, in der entscheidenden Phase des Abstiegskampfes, findet Kaminski zurück zu seiner Topform aus dem ersten Saisondrittel. Mit dem herausgeholten Elfmeter sammelte er seinen zwölften Scorerpunkt – sieben Tore, fünf Vorlagen. Allein in den vergangenen acht Spielen war er an sechs Treffern beteiligt. Zahlen, die seine Rolle unterstreichen – und erklären, warum beim FC kaum noch jemand einen Zweifel daran hat, wie es mit ihm weitergehen soll.
„Er ist ein unfassbar wichtiger Spieler für uns“, sagte Trainer René Wagner. „Wir sehen seine Leistungen. Er bringt jedes Wochenende alles, was er hat, auf den Platz.“ Auch am Millerntor war Kaminski der auffälligste Kölner Feldspieler. Drei Torschussbeteiligungen, knapp elf Kilometer Laufleistung, eine Passquote von rund 90 Prozent und eine starke Zweikampfbilanz – vor allem aber dieses eine Dribbling, das dem Spiel eine neue Richtung gab.
Wir werden die Kaufoption ziehen. Er hat auch heute wieder gezeigt, warum er so wichtig für uns ist.
Was lange als offenes Geheimnis galt, wurde nach Abpfiff endgültig bestätigt. Geschäftsführer Thomas Kessler kündigte an: „Wir haben eine Kaufoption für Kuba und ich gehe davon aus, dass wir die auch ziehen werden.“ Später legte er nach: „Wir werden die Kaufoption ziehen. Er hat auch heute wieder gezeigt, warum er so wichtig für uns ist.“
Mit dieser Aussage sorgte Kessler zugleich für Klarheit in einer bislang nicht immer eindeutig bewerteten Vertragsfrage. Zuletzt war von einem bloßen Vorkaufsrecht die Rede gewesen. Eine solche Konstellation hätte die Ausgangslage für Köln deutlich verschlechtert: Der VfL Wolfsburg, Kaminski Stammklub, bei dem er noch bis 2027 unter Vertrag steht, hätte parallel mit anderen Klubs – etwa aus der Premier League – verhandeln können. Wäre dort ein Angebot von beispielsweise 15 Millionen Euro eingegangen, hätte der FC diese Summe überbieten oder zumindest ausgleichen müssen („matchen“), um den Zuschlag zu erhalten.
Offenbar hat Kaminski aber eine Ausstiegsklausel
Doch Kessler sprach öffentlich von der Kaufoption, die spätestens bis zum 30. Juni gezogen werden müsste. Durch diese ist die Lage jedoch eine andere – und aus Kölner Sicht deutlich komfortabler. Unabhängig von externen Interessenten kann der FC Kaminski zu einer festgeschriebenen Ablöse verpflichten, die mit rund 5,5 Millionen Euro klar unter seinem aktuellen Marktwert von etwa zwölf Millionen Euro liegt. Im Gespräch ist ein Vertrag bis 2029 – dann allerdings offenbar mit einer Ausstiegsklausel. Das ist der Haken an der sonst so schönen Geschichte.
Kaminski ist dabei nicht der einzige Leihspieler, den Kessler im Sommer fest an den FC binden will. Auch die Kaufoptionen bei Tom Krauß (24, Mainz) und England-Talent Jahmai Simpson-Pusey (20, Manchester City) sollen gezogen werden. Krauß hat bereits die Anzahl an Einsätzen für den FC verpflichtet, so dass für die Kölner jetzt sogar eine Kaufpflicht besteht. Bei Simpson-Pusey bleibt allerdings abzuwarten, ob Manchester City von einer möglichen Rückkaufklausel Gebrauch macht. Zudem hat sich auch Cenk Özkacar (25, FC Valencia) mit zuletzt ansprechenden Leistungen in Stellung gebracht, dauerhaft in Köln zu bleiben.
Finanziert werden muss dieses Transferpaket allerdings erst noch – und zwar wohl vor allem über einen Abgang. Said El Mala dürfte den FC im Sommer verlassen, ein Wechsel des 19-Jährigen gilt als kaum noch aufzuhalten. Mit elf Treffern hat sich das Offensivtalent in den Fokus gespielt, die Kölner hoffen auf eine Ablöse von mindestens 45 Millionen Euro, besser jenseits der 50-Millionen-Marke.
