Kommentar zu MaradonaDer peinlich-traurige Absturz eines Weltstars

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maradona dpa neu

Obszöne Gesten gehören bei Maradona zum Repertoir.

Köln/St. Petersburg – Das peinliche Ausscheiden bei der WM in Russland konnte Argentinien gerade noch so abwenden, das peinliche Auftreten von Diego Armando Maradona hingegen nicht. Einer der größten Fußballer der Geschichte benahm sich auf der VIP-Tribüne im Stadion von St. Petersburg mal so gar nicht wie ein VIP-Gast – ganz im Gegenteil.

Nach dem späten Siegtreffer seiner Gauchos gegen Nigeria gingen mit dem Weltmeister von 1986 endgültig die Pferde durch. Er streckte der ganzen Welt den Mittelfinger entgegen – und das gleich in doppelter Ausführung. Ein abscheuliches Verhalten für einen Weltstar, der den Bezug zur Realität nach seinen ganzen Eskapaden offenbar schon längst verloren hat. Der Absturz von Boris Becker ist nichts dagegen. 

Maradona lebt in seiner eigenen Welt

Bereits bei den ersten beiden Gruppenspielen der Albiceleste drehte Maradona auf den Rängen seinen eigenen Film. Die Selbstinszenierung ist an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten. Einen gewissen Unterhaltungswert hat es natürlich, auch deshalb versuchen die verantwortlichen Bildregisseure den einst so genialen Fußballer immer wieder in die Liveübertragung einzubinden. Doch spätestens nach dem skandalösen Auftreten am Dienstag sollten die Macher von dieser Marschroute abrücken. 

Die treuen Anhänger, die Maradona bedingungslos huldigen, werden dies nicht nachvollziehen können, denn das kostümlose Maskottchen hat bis zu seinem Lebensende einen Freifahrtschein. Er darf sich alles erlauben. Von der Tatsache abgesehen, dass Maradona das Gegenteil einer Vorbildfunktion erfüllt, hat sein Verhalten einen traurigen Beigeschmack. Und beschämend ist es auch.

Will man das überhaupt sehen?

Stellt sich abschließend die Frage: Wer möchte überhaupt einen völlig enthemmten Weltstar mit ausgetrecktem Mittelfingern sehen? Ein Haufen unbekannter Schlachtenbummler, die ihrer Freude auf den Rängen freien Lauf lassen, ohne obszön zu werde, würde es auch tun.

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