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Krieg der SuperschuheAdidas triumphiert über Nike – und begeht vermeidbaren Patzer

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Sabastian Sawe zeigt den Wunderschuh von Adidas.

Sabastian Sawe zeigt den Wunderschuh von Adidas. 

Adidas-Athleten knacken die magische Marathon-Marke – und überholen Nike im ewigen Duell der Superschuhe. Trotzdem lief nicht alles nach Plan.

Im erbitterten Wettstreit der Sportartikelkonzerne zwischen Adidas und Nike hat der deutsche Weltkonzern einen spektakulären Etappensieg errungen. Beim London-Marathon durchbrachen die Adidas-Athleten Sabastian Sawe und Yomif Kejelcha als Erste die magische Zwei-Stunden-Marke gemäß den offiziellen Regeln von World Athletics.

Sawe lief mit einer Zeit von 1:59:30 Stunden einen neuen Weltrekord, während Kejelcha mit 1:59:41 Stunden sein Marathon-Debüt gab. Beide trugen den nagelneuen Adizero Adios Pro Evo 3, der mit knapp 97 Gramm der leichteste Rennschuh ist, den Adidas je gebaut hat.

Triumph beim London-Marathon: Adidas führt Nike vor

Der „Krieg der Superschuhe“ tobt seit Jahren. Mit dem „Breaking2“-Projekt hatte Nike 2017 den ersten großen Vorstoß gewagt. 2019 knackte Eliud Kipchoge in Wien mit 1:59:40 die Marke – allerdings unter nicht wettkampfkonformen Bedingungen mit Lasern, Pacemakern und einer speziellen Bahn. Der Lauf zählte offiziell nicht.

Nun hat Adidas den offiziellen Durchbruch geschafft und demonstriert, wie sehr Carbonplatten, hochreaktiver Schaum und extreme Leichtbauweise die Grenzen des Machbaren verschieben. Die Rivalität zwischen den beiden Branchenriesen reicht bis in die Gründerzeit zurück.

Adidas entstand 1949 aus der Spaltung der Dassler-Brüder in Herzogenaurach, Nike 1964 als Blue Ribbon Sports in Oregon. Lange teilten sie den Markt fast brüderlich unter sich auf, doch seit den 2010er-Jahren eskaliert der Kampf um Technologie, Athleten und Milliardenumsätze.

Adidas verschläft Verkaufsstart von Adizero Adios Pro Evo 3

Nike dominierte zunächst mit der Vaporfly- und Alphafly-Serie, die 2016 den Boom der „Super Shoes” auslöste. Adidas konterte mit der Adizero-Linie und holte systematisch auf.

Heute geht es um mehr als Rekorde: um Image, Verkaufszahlen und Aktienkurse. Für Adidas ist der London-Triumph vor allem ein „Brand-Halo-Moment“.

Sabastian Sawe kassiert Millionenprämie für historischen Lauf

Auch für den Schuhträger gab es einen Geldregen. Laut der britischen Zeitung „The Sun“ erhält Sawe für seinen Sieg beim London-Marathon knapp 47.000 Euro. Zusätzlich winken ihm 128.000 Euro für das Unterbieten der 2:02-Stunden-Marke sowie weitere 107.000 Euro für den neuen Weltrekord. Die offiziellen Prämien belaufen sich somit auf insgesamt knapp 282.000 Euro. Hinzu kommen noch Bonuszahlungen aus Verträgen von mehr als 850.000 Euro.

Trotzdem hat Adidas einen groben Fehler gemacht. Der verzögerte Verkaufsstart des „Evo 3” (die Schuhe waren erst 23 Stunden nach dem Rennen verfügbar) ist ein vermeidbarer Marketing-Patzer. Dennoch kosten die Schuhe rund 500 Dollar und sind nur für Elite-Athleten gedacht. Der Hype dürfte die Nachfrage nach der gesamten Adizero-Reihe befeuern.

(mbr)