Leverkusens Verteidiger Loïc Badé kämpft um seinen Stammplatz – Trainer Kasper Hjulmand gedenkt vor dem Spiel bei Union an Sepp Piontek.
Bewährungsprobe in KöpenickBayer-Coach Hjulmand pocht auf Rotationsprinzip

Leverkusens Loïc Badé im Spiel gegen den FC Villarreal.
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Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand nahm auf dem Podium Platz, grüßte knapp in die Runde – und kündigte einen „etwas anderen Beginn“ der Pressekonferenz in der Bay-Arena an. Dann wechselte der Däne ins Englische, um einem Mann zu gedenken, der für ihn weit mehr war als eine historische Figur. „Am Donnerstag ist Sepp Piontek verstorben, einer der größten deutschen Trainer“, sagte Hjulmand. Piontek habe den dänischen Fußball „revolutioniert“. Der Coach gilt als Vater des Erfolgs der legendären „Danish Dynamite“-Generation der Achtziger. „Er nahm die dänische Fußballkultur und integrierte deutsche Disziplin in eine Gruppe von Spielern. Er wird Dänemark immer in Erinnerung bleiben. Wir alle stehen auf seinen Schultern.“ Erst danach kehrte Hjulmand zum Deutschen zurück – und zum Alltagsgeschäft. Das Gastspiel bei Union Berlin (15.30 Uhr/Alte Försterei), sagte er, sei „ein sehr schwieriges Spiel“, die Berliner seien „sehr strukturiert“.
Badé kämpft um seinen Stammplatz
In der aktuellen Saisonphase, in der Bayer 04 drei Partien binnen sechs Tagen zu bestreiten hat, zähle die Aufgabe an der Alten Försterei zu den „größten Herausforderungen“. Die Ausgangslage ist gleichwohl komfortabel. Die Leverkusener haben sechs ihrer vergangenen sieben Spiele gewonnen, lediglich gegen Borussia Mönchengladbach ließen sie beim trostlosen 1:1 Punkte liegen. Die Rückkehr von Innenverteidiger Edmond Tapsoba, der sich nach dem Afrika-Cup muskulär verletzt hatte, hat die Dreierkette merklich stabilisiert.
Neben Kapitän Robert Andrich und dem englischen Nationalverteidiger Jarell Quansah wirkt die Defensive wieder aufgeräumt, sicher und entschlossen. Die oft beklagte Passivität gegen den Ball scheint zurückgegangen zu sein. Doch das neue Gleichgewicht hat seinen Preis. Loïc Badé, im Sommer für 25 Millionen Euro vom FC Sevilla verpflichtet und ursprünglich als künftiger Abwehrchef vorgesehen, erlebt eine Spielzeit voller Widersprüche. Seine Zweikampfquote ist herausragend, seine Leistungen indes schwankend. Seinen letzten Startelfeinsatz hatte er vor zwei Wochen in Mönchengladbach, davor fehlte er in Frankfurt gelbgesperrt, im Pokal gegen St. Pauli (3:0) blieb er bis zu seiner Einwechslung in der letzten Spielminute ebenfalls draußen.
In der Champions League-Phase gegen Piräus leitete sein unnötiges Dribbling zu Beginn des Spiels den Eckball zum 0:1 ein; gegen Gladbach kam er beim Gegentor den berühmten Schritt zu spät und wurde nach 45 Minuten ausgewechselt. Hjulmand lobt ihn dennoch. „Er ist ein super Spieler und bringt viel Energie in die Mannschaft – auch vor und nach den Partien, in der Kabine. Er ist ein Teamplayer. Aber natürlich will er spielen.“ Gut möglich also, dass Badé gegen Union seine Chance erhält – vielleicht vor Quansah, vielleicht vor Andrich, je nachdem, wie Hjulmand seine Abwehrachse nach den zuletzt souveränen Leistungen justiert. Rotationen schloss der Trainer jedenfalls nicht aus: „Es ist gut möglich, dass wir einige Veränderungen haben werden. Auch Tim Oermann hat es bis jetzt gut gemacht.“
Auch Oermann könnte debütieren
Der U21-Nationalspieler, nach seiner Leihunterbrechung aus Graz zurückgekehrt, wartet noch auf seinen ersten Pflichtspieleinsatz in der Defensive. Die Vorbereitung auf Union wird kurz und sachlich: Zwei Tage Regeneration, dazu die Reise von Griechenland zurück ins Rheinland am Donnerstag und anschließend weiter nach Köpenick, verbieten intensives Training. „Wir machen eine taktische Einheit, aber nicht mit Intensität. Es geht um unsere Struktur, um Positionswechsel und darum, was wir im Vergleich zum Piräus-Spiel verändern“, erklärte Hjulmand. Der Stil der Berliner unter ihrem Trainer Steffen Baumgart erinnere in mancher Hinsicht an die Begegnung in Piräus: lange Bälle, viele Zweikämpfe, hohes Pressing. „Natürlich nicht dieselbe Struktur“, betonte Hjulmand – aber fordernd genug, um als Prüfstein zu taugen. Vielleicht als einer, auf dem Loïc Badé seinen Anspruch untermauern kann.
Bayer 04 Leverkusen: Blaswich – Badé, Andrich, Tapsoba – Vazquez, Fernandez, Garcia, Grimaldo – Poku, Tillman – Kofane. – 1. FC Union Berlin: Rönnow – Doekhi, Querfeld, Nsoki – Trimmel, R. Khedira, Kemlein, Köhn – Burcu, Ansah – Ilic. – Schiedsrichter: Osmers (Hannover).

