Die Werkself spielt offensiv eine runde Partie, defensiv präsentiert sie sich aber umso anfälliger. Und das vor den Partien gegen den FC Arsenal und Bayern München.
3:3 beim SC FreiburgBayer 04 mit großen Sorgen vor Gigantenwoche

Alejandro Grimaldo regt sich über seine fünfte Gelbe Karte auf. Er fehlt nächste Woche gegen die Bayern.
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Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand erklärte vor der Partie in Freiburg, die Bundesliga sei der wichtigste Wettbewerb – die Champions-League-Qualifikation habe eindeutig Vorrang vor den Pokalwettbewerben. Das 3:3 beim SC Freiburg war dann aber mehr Rückschlag als Schritt nach vorn: Während die Offensive mit drei Auswärtstreffern ihren Job erledigte, offenbarte die Mannschaft defensiv das inzwischen vertraute Bild der Saison – kein Zugriff, keine Ordnung, keine Abstimmung. Im Rennen um die Top-4-Platzierung bedeutet das erneut zwei verlorene Punkte – während Hoffenheim und Leipzig ihre Partien gewannen.
Bayer 04 mit schwacher Defensive
„Es ist zu schwierig, das Spiel zu gewinnen, wenn du drei Tore kassierst. Wir haben versucht, dieses Spiel zu gewinnen, weil wir unsere Ziele erreichen wollen. Wir sind in dieser Liga, um die Champions League zu erreichen", sagte Freistoß-Torschütze Alejandro Grimaldo. Und fügte hinzu: „Das wird nicht einfach.“ Die Schwächen bei der Verteidigung bereiten große Sorgen vor den Duellen mit den Tormaschinen vom FC Arsenal und Bayern München.
In Freiburg griff das Pressing in der ersten Reihe zwar ab und an, dahinter jedoch löste sich die Struktur auf: Das Mittelfeld rückte zu selten nach, und Freiburg brauchte nur wenige Pässe, um die erste Welle zu umspielen. So fiel auch der erste Gegentreffer: Robert Andrich hatte sich zu weit herausgelöst – keiner seiner Kollegen unterstützte ihn dabei, Vincenzo Grifo nutzte den Raum – seinen Schuss fälschte er kurios mit dem anderen Fuß ab – eine unhaltbare Bogenlampe für Leverkusens Torwart Janis Blaswich (34.). Die Antwort folgte immerhin prompt: Der starke Christian Kofane traf mit einem sehenswerten, wie sehr überlegten Fernschuss zum Ausgleich (37.).
Doch Freiburg bediente sich ein weiteres Mal desselben Mittels – Yuito Suzuki verwandelte nach einem Gegenstoß, die Leverkusener Abwehr war erneut zu spät auf den Beinen (43.). Dass die Werkself zur Pause dennoch nicht hinten lag, hatte sie Grimaldo zu verdanken, der per Freistoß traumhaft zum 2:2 traf (45.+3.). Nach dem Seitenwechsel ging Leverkusen nach einem starken Konter in Führung: Martin Terrier vollendete nach Vorlage von Kofane zum 3:2 (52.).
Kofane verpasst die Entscheidung
Kurz darauf köpfte Kofane eine Großchance auf das 4:2 zu schwach direkt auf Freiburgs Schlussmann Noah Atubolu – und bezahlte dafür einen Preis: In der Schlussphase wiederholte sich, was die Partie geprägt hatte – fehlender Zugriff im eigenen Strafraum. Matthias Ginter nickte zum 3:3 ein (86.) – abermals hatte sich in der Leverkusener Hintermannschaft niemand für Gegenspieler zuständig gefühlt - weder bei der Flanke noch beim Abschluss.
Das alles wiegt schwer – und kommt zur Unzeit. Am Mittwoch (18.45 Uhr, Dazn) wartet im Hinspiel des Achtelfinals in der Champions League der FC Arsenal, am Samstag (15.30 Uhr) kommt in der Bundesliga der FC Bayern in die Bay-Arena, ehe es am Dienstag (21 Uhr) zum Rückspiel in London kommt. Beide Gegner überragen den SC Freiburg in der individuellen Klasse erheblich, der Zugriff auf Weltklassespieler wie Bukayo Saka und Kai Havertz oder Luis Diaz und Michael Olise wird gewiss nicht leichter gelingen.
Grimaldo fehlt gegen Bayern München
Besorgniserregend: Grimaldo – der gegen die Bayern wegen seiner fünften Gelben Karte fehlen wird – sprach nach dem Abpfiff unumwunden von enormer Erschöpfung. „Wir sind in drei Wettbewerben. Wir haben derzeit nicht viele Spieler. Es ist zu schwierig. Die Mannschaft, die Spieler sind wirklich müde“, betonte der Spanier, den Hjulmand bisher nur einmal - im Hinspiel bei den Bayern - freiwillig auf die Bank gesetzt hat.
Grimaldos Sperre zwingt den Coach am Samstag zur nächsten Umstellung – und verengt den ohnehin schmalen Kader weiter, da auch Arthur, Nathan Tella, Eliesse Ben Seghir, Loic Badé und Lucas Vázquez verletzt fehlen werden.
Die Bayern haben als Tabellenführer in der Bundesliga 92 Tore in 25 Partien erzielt, die Champions League Ligaphase auf Platz zwei abgeschlossen mit nur einer Niederlage - gegen den FC Arsenal, der mit acht Siegen die Tabelle anführte und auch in der Premier League weiter Spitzenreiter ist - mit 59 Toren in 30 Spielen (Topwert der Liga).
Mit müden Beinen gegen diese gut geölten und womöglich derzeit besten Offensivmaschinerien Europas zu bestehen, wird eine 270-minütige Mammutaufgabe für Leverkusen. „Für uns geht es weiter mit drei Spielen in sechs Tagen", sagte Hjulmand nüchtern. Es gilt, besser zu verteidigen als im Breisgau.



