Bayer 04 spielt desolat und holt nur 1:1 in Mönchengladbach. Nur Jonas Hofmann legt den Finger in die Wunde. Simon Rolfes schützt sein Team.
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Malik Tillmann von Bayer 04 Leverkusen (l.) und Rocco Reitz von Borussia Mönchengladbach im Zweikampf.
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Jonas Hofmann ist in seiner Fußballerkarriere bislang nicht dadurch aufgefallen, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Am Samstagabend nach dem blutleeren Auftritt beim 1:1 bei seinem Ex-Klub Borussia Mönchengladbach sah er den Zeitpunkt dafür aber gekommen. „Wenn der Gegner mit zehn Mann auf 30 Metern hinten drinsteht, ist es natürlich schwer. Aber ich finde, dann wäre ein Lösungsansatz, mehr über die Außen zu probieren, mehr über Flanken zu gehen. Du hast einen Patrik Schick vorne drin, der genau darauf wartet“, analysierte Hofmann und kritisierte sein Team: „Das haben wir, warum auch immer, einfach nicht oder zu wenig gemacht. Wir haben viele Spieler, die den Fußball aus anderen Zeiten spielen und den Ball gefühlt ins Tor tragen wollen. Mehr Einfachheit muss stärker in unsere Köpfe.“
Hofmann spielte damit auf die erfolgreichen Zeiten unter Ex-Trainer Xabi Alonso an und gehörte an diesem enttäuschenden Abend zu den wenigen Kritikern. Simon Rolfes stellte sich hingegen direkt vor seine Mannschaft und verfiel in Sarkasmus, als er mit der Mentalitätsfrage konfrontiert wurde: „Ja, ich weiß, ich weiß, wir haben ja ohne Mentalität, ohne Qualität jetzt aus fünf Spielen vier gewonnen und eins unentschieden gespielt“, sagte Bayers Sportgeschäftsführer. „Wir hatten viele Englische Wochen seit Januar, man muss das dann auch schon mal respektieren. Auch andere Mannschaften, die ganz oben stehen, haben Schwächen gezeigt.“
Diese Form der Schwäche am Samstag war jedoch bemerkenswert. Trainer Kasper Hjulmand hatte tags zuvor noch bei der Pressekonferenz darauf hingewiesen, dass es neben Struktur und Ballbesitz auch um Intensität, Konzentration und Zweikampfhärte gehe. Davon war von der ersten Sekunde an nahezu nichts zu erkennen – weder in der Defensive noch im Ballbesitz. So kam es, dass die limitierte Gladbacher Mannschaft in der ersten Hälfte auch spielerisch besser aussah als der klare Favorit, der mit einem Sieg an die Champions-League-Ränge heranrücken wollte. „In der ersten Halbzeit war es leider viel zu wenig, nicht das, was wir uns vorgenommen haben“, sagte Torhüter Janis Blaswich, ein weiterer Ex-Gladbacher. Der Vertreter des verletzten Mark Flekken reihte sich nahtlos in den Auftritt der Schläfrigen ein. Sein Pass auf den unter Druck stehenden Aleix García führte zum frühen Rückstand nach zehn Minuten. Ein Weckruf für ihn und seine Kollegen war das jedoch nicht.
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Kasper Hjulmand stellt erstmals auf Viererkette um
„Wir haben zu müde gespielt. Wir haben zwei große Fehler direkt am Anfang gemacht“, sagte Hjulmand. „Und dann haben wir das Tempo zu selten gewechselt. Manchmal ist es gut, mit Ballbesitz ein bisschen langsamer zu spielen, aber die Tempowechsel sind sehr wichtig und die Intensität auch. Beides hat gefehlt.“ Auch Körpersprache und Wille in den Zweikämpfen fehlten. Dass es mit einem 1:1 in die Pause ging, lag nur am Gladbacher Unvermögen und einem abgefälschten Glückstor durch García. Zur Pause reagierte Hjulmand und stellte erstmals in seiner Zeit von 3-4-2-1 auf ein 4-2-3-1 um. „Dann hatten wir bessere Positionen und haben deutlich besser gespielt – mit besserer Intensität“, urteilte der Coach. In der Tat sah die zweite Halbzeit eher so aus, wie man es vor der Partie erwartet hatte. Trotz Dominanz sprang jedoch nur eine echte Großchance bei Schicks Pfostenschuss heraus.
„Der Punch und die Qualität im letzten Drittel haben gefehlt“, betonte Hjulmand, der jedoch nichts Generelles aus der Partie ableiten wollte: „Wir haben in vielen Spielen mit viel Ballbesitz und proaktiv gespielt. Aber die erste Halbzeit heute tut weh. Darüber müssen wir reden. Wir müssen schneller spielen, schneller reagieren, mit viel mehr Intensität spielen. Das ist sehr wichtig für uns in den nächsten Spielen.“ Der Coach betonte in den vergangenen Wochen immer wieder, dass bei Niederlagen nicht alles schlecht, bei Siegen auch nicht alles gut sei. Vor allem beim Zweiten muss man Hjulmand zustimmen. Zwar stimmten die Ergebnisse in den vier Spielen vor Gladbach, doch die Art und Weise des Spiels war in vielen Phasen sehr bedenklich.
Zudem hatte Bayer 04 enormes Glück mit den Gegnern. Werder Bremen (1:0) steckt tief in einer Krise. Eintracht Frankfurt (3:1), das die Partie beinahe noch gedreht hätte, ist ebenfalls im Leistungstief. Der FC Villarreal (3:0) schenkte als längst ausgeschiedene Mannschaft das letzte Spiel der Ligaphase in der Champions League komplett ab. Abstiegskandidat FC St. Pauli (3:0) war im DFB-Pokal ebenfalls ein echter Aufbaugegner, der zahlreiche Chancen ausließ. Den Eindruck, den Leverkusen im Schlussspurt 2025 hinterließ, konnte das Team in diesem Jahr jeweils nur maximal eine Halbzeit bestätigen. Die spielerische Entwicklung stockt.
Sonntag und Montag hat die Mannschaft freibekommen. „Zwei Tage aufladen, durchatmen“, betonte Rolfes. „Das ist wichtig, um den Kopf wieder freizukriegen. Und dann geht es in diesem Rhythmus in den nächsten Wochen weiter.“ Der Spielplan bleibt dabei gnädig mit der Werkself. In der Bundesliga geht es erneut gegen St. Pauli (Samstag, 15.30 Uhr, Sky), bevor das Hinspiel in der Champions League bei Olympiakos Piräus wartet. Danach steht das Auswärtsspiel bei Union Berlin auf dem Programm. Bis die großen Kaliber kommen, dauert es noch. Spätestens dann muss Bayer 04 wieder ein anderes Gesicht zeigen.

