KommentarDer spektakulär spielende deutsche Fußball ist zu Solidarität verurteilt

Bayern-Klubchef Karl-Heinz Rummenigge
Copyright: Bild: dpa
Köln – Vier der fünf Top-Mannschaften trafen am Wochenende in der Bundesliga aufeinander und haben Sport zum Niederknien gezeigt. Die Spiele Dortmund gegen Bayern (2:3) und Leverkusen gegen Mönchengladbach (4:3) waren eine Leistungsschau des deutschen Fußballs, die jeden neutralen Fan begeistert haben müsste. Weil es den, wie man weiß, allerdings nicht gibt, hat sie auch Schattenseiten. Die Botschaft an alle anderen lautet deutlicher denn je: Da werdet ihr aus eigener Kraft nie hinkommen, allein deshalb, weil sich wenige Klubs die Spieler leisten können, die für diesen Feuerwerkfußball nötig sind. Außerdem ist dazu eine Erfahrung im internationalen Bereich nötig, die den meisten Klubs verwehrt bleibt. Eine Abkürzung, wie sie RB Leipzig genommen hat, ist nur mit dem Einsatz großer Geldsummen möglich.
Obwohl die Spitzenvereine eine weitaus größere Belastung aushalten müssen als ihre Konkurrenten, stehen sie geschlossen an der Spitze der Liga. Der FC Bayern, RB Leipzig und Leverkusen, die den Sommer in den Europapokal-Endrunden verbrachten, haben dafür nicht einmal eine Vorbereitung benötigt. Ein Katalysator dieser Überlegenheit ist das Fehlen des Publikums, das jedes Stadion in ein Niemandsland verwandelt, in dem die schiere Qualität entscheidet. Diese Überlegenheit, gepaart mit dem härter werdenden Verteilungskampf in der Corona-Zeit, hat dazu geführt, dass sich die Vereine VfB Stuttgart, FSV Mainz, Arminia Bielefeld und FC Augsburg zu einem Bündnis zusammengeschlossen haben, das eine weniger erfolgsabhängige Verteilung der TV-Gelder und eine größere Berücksichtigung der Zweiten Liga fordert. Als Reaktion darauf treffen sich am Mittwoch unter der Führung von Bayern München 15 andere Klubs ohne die Rebellen, um ihre Position zu festigen.
Das könnte Sie auch interessieren:
Es wird nicht einfach, zu einer gemeinsamen Linie zu finden, denn Bayern München und Borussia Dortmund zum Beispiel könnten immer noch mit dem Gespenst der geplanten europäischen Super-Liga drohen. Allerdings ist der deutsche Fußball zu einer gemeinsamen Linie verurteilt. Für viele geht es ums nackte Überleben. Ohne eine Ausweitung der Solidarität zwischen Groß und Klein wird es zu viele Opfer geben. Das wissen auch die Reichen, selbst wenn sie einen Angriff auf die Kräfteverhältnisse nicht akzeptieren werden.


