Der italienische Rennstall hat mit dem Dreh-Heckflügel die Konkurrenz in der Formel 1 geschockt.
Formel-1-RevolutionWelche Vorteile bringt der Wunder-Heckflügel von Ferrari?

Charles Leclerc konnte mit dem Drehflügel im Ferrari die beste Rundenzeit hinlegen.
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Bei den Bahrain-Tests für die neue Saison in der Formel 1 war der Heckflügel der Scuderia Ferrari das absolute Gesprächsthema im Fahrerlager. Erst am vorletzten Testtag in der Wüste setzten die Macher von Ferrari das innovative „Inverting-Rear-Wing“-Design ein. Damit schockte Charles Leclerc mit der schnellsten Runde gleich die Konkurrenz.
Anstelle des klassischen DRS-Klappens präsentierten die Italiener eine radikale Neuerung: Die obere Flügelklappe dreht sich nicht nur nach oben, sondern rotiert um 180 Grad und steht somit buchstäblich „auf dem Kopf“.
Ferrari sorgt mit Dreh-Flügelklappe für Staunen in der Formel 1
Auf der Geraden kehrt sich das Profil um: Die HP-Logos wandern nach unten und die IBM-Schriftzüge nach oben. Der Drehpunkt liegt zentral, sodass beide Teile des Elements mitrotieren. Der Mechanismus sitzt vermutlich in den Endplatten, es gibt keinen zentralen Aktuator wie früher. Die Umdrehung erfolgt in maximal 0,4 Sekunden, wie es das neue Reglement vorschreibt. Die Konkurrenz in der Königsklasse staunte nicht schlecht.

Die Ferrari-Crew hat den neuen Dreh-Heckflügel lange unter Verschluss gehalten.
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Was kann diese Erfindung genau? Im Corner-Mode (Kurven) bleibt der Flügel in der normalen Position. Die obere Wölbung erzeugt durch den Druckunterschied maximalen Abtrieb (Downforce), sodass das Auto auf der Straße klebt.
Im Straight-Line-Mode (SLM, der Nachfolger des DRS) hingegen dreht sich die Klappe um 180 Grad. Das Profil kehrt sich um. Aus der Abtriebs erzeugenden Wölbung wird eine leichte Auftriebswirkung. Gleichzeitig entsteht ein deutlich größerer Schlitz zwischen Hauptblatt und Klappe als beim klassischen DRS, bei dem nur ein Abstand von 85 mm erlaubt war. Die Luft strömt ungehindert durch, wodurch sich der Luftwiderstand (Drag) massiv verringert.
Formel 1: Die Vorteile des Ferrari-Heckflügels sind enorm
Die Vorteile sind enorm. Erstens erreicht man eine höhere Topspeed auf Geraden. Ferrari erzeugt bewusst leichten Auftrieb hinten, der durch den restlichen Abtrieb des Autos kompensiert wird. Der Effekt der Drag-Reduktion ist größer als bei allen anderen Teams, die weiterhin klassisch nach oben oder unten klappen (Alpine, Audi, Mercedes & Co.).
Zweitens: bessere Gesamteffizienz. Der SLM ist 2026 kein reines Überhol-Tool mehr, sondern fester Bestandteil des Fahrzeugkonzepts. Er spart Energie und macht die Hybrid-Antriebe noch effizienter.
Drittens: Strategische Flexibilität. Mehr Topspeed bedeutet bessere Überholmanöver, schnellere Qualifying-Runden und Vorteile im Windschatten-Duell. Experten sprechen von einer „größeren Drag-Reduktion als je zuvor“ – Ferrari nimmt den minimalen Auftrieb „gerne in Kauf“ für den Geschwindigkeitsgewinn.
Der Traditionsrennstall hat mit dem innovativen Heckflügel die Konkurrenz überrascht. Im Geraden‑Modus rotieren die beiden oberen Flap-Elemente jeweils um etwa 180 Grad um die eigene Achse. So entsteht zum Hauptblatt eine vergleichsweise große Öffnung.Es bleibt spannend, ob im Saisonverlauf weitere Teams dieses Konzept kopieren werden. Am Wochenende startet die Formel 1 in Melbourne bereits in die neue Saison. (mbr)

