Der WM-Auftakt in Mexiko-Stadt wird von sozialen Unruhen und massiven Sicherheitsvorkehrungen überschattet. Ist das Spiel in Gefahr?
WM-Auftakt in GefahrProteste und Sprengsätze sorgen für Chaos in Mexiko-Stadt

Zum dritten Mal startet eine WM in Mexiko-Stadt.
Copyright: Moises Castillo/AP/dpa
Der Auftakt zur bislang größten Fußball-Weltmeisterschaft sollte als Impulsgeber für das globale Ereignis dienen. Jedoch präsentiert sich Mexiko-Stadt vor der Partie des Co-Gastgebers gegen Südafrika am Donnerstag (21.00 Uhr MESZ/ZDF und Magenta TV) hauptsächlich als eine Zone voller Schwierigkeiten.
Soziale Unruhen und hohe Sicherheitsvorkehrungen
Hunderte schwer bewaffnete Polizisten und Mitglieder der Nationalgarde sind rund um das berühmte Aztekenstadion im Süden der Metropole postiert. Die Situation ist angespannt: Vor kurzem wurden bei demonstrierenden Lehrkräften Sprengsätze konfisziert, im historischen Zentrum wurden Schutzwälle gebaut und der Verkehr ist chaotisch. Obendrein könnten Unwetter den Start beeinträchtigen. Die mexikanische Zeitung „Esto“ stellte deshalb die Frage: „Ist die Eröffnung der Weltmeisterschaft 2026 in Gefahr?“

Polizei und Nationalgarde - Mexiko-Stadt setzt auch auf Abschreckung.
Copyright: Tom Weller/dpa
In der Metropole, die zum dritten Mal eine WM-Eröffnung ausrichtet, ist von einer festlichen Atmosphäre kaum etwas zu bemerken. Mexiko agierte 1970 und 1986 als alleiniger Ausrichter, während es sich diesmal die Gastgeberrolle mit Kanada und den USA teilt. „Unser Ziel ist es, die beste WM in Mexikos Geschichte zu zeigen, und daran arbeiten wir hart“, erklärte der erfahrene mexikanische Coach Javier Aguirre. Die Begeisterung, die 1986 zur globalen Popularität von „La Ola“ führte, lässt jedoch noch auf sich warten.
Zusage der Regierung und anhaltende Proteste
Präsidentin Claudia Sheinbaum bereitete das Nationalteam persönlich auf das Turnier vor. Die teilweise gewaltsamen Demonstrationen der Lehrkräfte stufte sie als „Provokation“ ein und sicherte zu, dass die Begegnung „garantiert“ stattfinden wird. Trotzdem antworteten die Demonstrierenden zwei Tage vor der Partie mit Blockaden von Zufahrten, was zur Sperrung einer Anfahrtsstraße mehrere Kilometer vor dem Aztekenstadion führte.

Die Präsidentin schwört «El Tri», wie Mexikos Nationalmannschaft genannt wird, noch mal ein.
Copyright: -/Mexico's Presidency via XinHua/dpa
Es ist unklar, wie die angespannte Atmosphäre den Zeitplan am Donnerstag beeinflussen wird. 90 Minuten vor Spielbeginn fängt die Eröffnungszeremonie an, an der auch Shakira teilnimmt. Dieses Turnier der Superlative mit 48 Teams und 104 Begegnungen in drei Nationen gefällt FIFA-Chef Gianni Infantino. Für das Aztekenstadion markiert das Match der Mexikaner bereits das 20. WM-Spiel seiner Geschichte.
Druck auf den Gastgeber und die Höhenlage
Die Arena befindet sich auf über 2200 Metern Höhe, was eine spezielle Anforderung ist. Die südafrikanische Mannschaft hat sich im höher gelegenen Pachuca auf die sauerstoffarme Luft vorbereitet. „Ich glaube, auf Mexiko lastet mehr Druck“, bemerkte der südafrikanische Trainer Hugo Broos (74). Für ihn stellt das Spiel eine besondere Rückkehr dar: „Vor 40 Jahren war ich hier als Spieler für Belgien.“ Ebenso war Mexikos Coach Javier Aguirre (67) bei der WM 1986 als Spieler für sein Heimatland aktiv.
Beide Trainer wünschen sich einen idealen Turnierstart. Weitere Gegner in Gruppe A sind Tschechien und Südkorea. „Wir wollen so schnell wie nur möglich drei Punkte holen, denn drei Punkte bedeuten, dass du zu 90 Prozent in die K.-o.-Runde kommst“, hob Broos hervor. Die Erweiterung des Turniers von 32 auf 48 Nationen bedeutet, dass nun so viele Mannschaften die K.-o.-Phase erreichen, wie in Katar insgesamt teilgenommen haben.
Mexikos Hoffnungsträger und Südafrikas Rückkehr
Bei den Weltmeisterschaften im eigenen Land 1970 und 1986 erreichte Mexiko das Viertelfinale. Mit Ausnahme des Turniers in Katar überstand das Team in den letzten knapp 50 Jahren bei jeder Teilnahme die Gruppenphase. Ein 5:1-Erfolg im Test gegen Serbien stärkte die Zuversicht der Anhänger. Offen ließ Aguirre, ob die bald 41 Jahre alte Torwart-Legende Guillermo Ochoa bei seiner sechsten WM-Teilnahme gegen Südafrika spielen wird.
Gegner Südafrika ist nach 16 Jahren wieder bei einer WM dabei. Nach der Austragung 2010 verpasste die „Bafana Bafana“ die Qualifikation für die nachfolgenden Turniere. Die südafrikanische Zeitung „The Citizen“ nannte es „auch eine Chance, Geschichte umzuschreiben“. Die durch Visaprobleme verursachte, um einen Tag verspätete Ankunft des Teams soll dabei keine Rolle mehr spielen.

Ein paar Fanutensilien - aber von echter WM-Stimmung ist wenig zu spüren in Mexiko-Stadt.
Copyright: Tom Weller/dpa
Die angespannte Situation ist nicht auf die Umgebung des Stadions begrenzt. Die Proteste der Lehrkräfte richten sich gegen Rentenregelungen, während auch Spediteure und Landwirte mit Blockaden drohen. Darüber hinaus möchten Angehörige die Aufmerksamkeit des globalen Sportereignisses nutzen, um auf das Schicksal der 130.000 Vermissten in Mexiko hinzuweisen. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.